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Jede Gesellschaft lebt von Voraussetzungen, die sie nicht täglich neu beschließen kann. Gemeinsame Regeln, gegenseitiges Vertrauen und ein Mindestmaß kultureller Orientierung entstehen nicht von selbst. Sie wachsen über Generationen und können auch wieder verloren gehen.
Die Bilder aus Gelsenkirchen-Ückendorf gingen bundesweit durch die Medien. Die AfD-Politikerin Enxhi Seli-Zacharias stellte Menschen mit Migrationshintergrund öffentlich zur Schau und benutzte sie als Beleg für das vermeintliche Scheitern deutscher Migrationspolitik. Diese Inszenierung war würdelos. Sie verletzte den Respekt vor dem Einzelnen und degradierte Menschen zu Objekten politischer Dramaturgie. Eine demokratische Öffentlichkeit darf solche Grenzüberschreitungen nicht relativieren.
Doch moralische Empörung allein greift zu kurz. Sie beantwortet nicht die entscheidende Frage: Warum entfalten solche Bilder überhaupt politische Wirkung? Weshalb finden sie Resonanz bei Menschen, die sich selbst weder als radikal noch als extremistisch verstehen?






