Neu lanciert: Die komplett überarbeitete Version des «Chronomat» wurde an der Watches and Wonders in Genf vorgestellt. PD Was die Frecce Tricolori und Anna Wintour mit der Geschichte der ikonischen Uhr «Chronomat» von Breitling zu tun haben, wird nun in einem neuen Buch erzählt.An einem Nebenschauplatz der Uhrenmesse Watches and Wonders präsentierte Breitling dieses Jahr eine komplett überarbeitete Version des Modells «Chronomat». Im Gegensatz zu den Modellen «Navitimer», «Premier», «Top Time» und «Superocean» geht der «Chronomat» nicht auf die Ära von Willy Breitling zurück, der als letzter Erbe der Gründerfamilie die Marke von 1932 bis 1979 führte und prägte, sondern auf diejenige seines Nachfolgers Ernest Schneider.Als Willy Breitling Ende der siebziger Jahre für die durch die Quarzkrise angeschlagene Marke keinen Ausweg mehr sah, verkaufte er die Markenrechte an Ernest Schneider. Der passionierte Pilot und Inhaber der Grenchner Uhrenmarke Sicura hatte sich bereits mit günstigen Quarzuhren einen Namen gemacht. Der Start war kein einfacher, und Ernest Schneider versuchte, die Firma mit Quarzuhren für Piloten, Taucher und Segler über Wasser zu halten. Allen Widrigkeiten zum Trotz rettete ein von ihm entworfenes Modell mit mechanischem Werk Breitling vor dem Untergang: der «Chronomat». Den neuen «Chronomat» von Breitling gibt es ab 5100 Franken. PD Die Geschichte wird nacherzähltMit dem Launch des jüngsten «Chronomat» in Genf ist im Schweizer Verlag Watchprint ein Buch des Autors Gerard Tubb erschienen, das die aufregende Geschichte dieser Uhr nachzeichnet. Der Blick ins Archiv und Ausschnitte aus Interviews mit Zeitzeugen machen die Lektüre kurzweilig und zeigen auf, dass auch die teuerste Werbekampagne kein Garant für Erfolg ist. Im Fall des «Chronomat» waren es weitsichtige Menschen mit gutem Gespür und den richtigen Beziehungen, welche der Marke zum Erfolg verhalfen.Die erste wichtige Figur in dieser Geschichte war ein italienischer Uhrenhändler und -importeur, Federico Parodi. Er kam aus einer Unternehmerfamilie. Sein Onkel war einer der Mitgründer des Motorradherstellers Moto Guzzi, doch er selbst hatte vor, sein Geld mit Uhren zu verdienen. Da er gute Beziehungen zur Armee hatte, plante er, die unterschiedlichen Divisionen des Militärs mit Spezialuhren auszurüsten. Seine erste Idee war eine exklusive Uhr für die Aerobatikstaffel Frecce Tricolori. Nachdem er 1982 von der Armee das Okay erhalten hatte, machte er sich auf die Suche nach einem Hersteller und stiess auf Breitling in Grenchen, wo sein Wunsch beim passionierten Piloten Ernest Schneider auf fruchtbaren Boden stiess. Sie spielten in der Geschichte von Breitling eine wichtige Rolle: die Frecce Tricolori. Getty Images Die Uhr sollte gemäss Wunsch der Piloten ein mechanisches Werk haben, da Batterien im Notfall nicht überall aufzutreiben waren. Doch solche Werke waren in einer von Quarzwerken dominierten Zeit ebenfalls nicht leicht zu finden. Schneider stiess auf die Firma Kelek in La Chaux-de-Fonds, die nie aufgehört hatte, mechanische Werke zu verbauen, und genügend davon an Lager hatte. Sie würde nicht nur die Werke liefern, sondern auch den Einbau besorgen.Schneider begann selbst, die Uhr zu skizzieren. Es sollte ein Chronograph mit drehbarer Lünette sein, so dass man die Uhr auch für andere Aktivitäten als das Fliegen gebrauchen konnte. Um die Lünette für den Gebrauch mit Handschuhen griffiger zu machen, versah er ihren Rand mit vorstehenden Schraubenköpfen, die er auch verwendete, um die vier Reiter bei 3, 6, 9 und 12 Stunden zu fixieren, die zu einem wichtigen Erkennungsmerkmal der Uhr wurden.Auch ein passendes Gliederarmband, das niemand sonst hatte, war bald gefunden. Schneiders Marke, die zum Überleben auch Private-Label-Uhren für Dritte fertigte, hatte kurz zuvor vom italienischen Sportbekleidungshersteller Ellesse den Auftrag erhalten, eine dem Tennis gewidmete Uhr zu produzieren, die von zwei Italienern, Claudio Giovagnoni und Gino Macaluso, dem späteren Patron von Girard-Perregaux, gestaltet wurde. Ihr Gliederarmband bestand aus aneinandergereihten Zylindern, die an beiden Enden durch eine Halbkugel abgeschlossen wurden. Als Inspiration hatten die Röhren gedient, in denen Tennisbälle verkauft werden. Die Uhr wurde kein grosser Erfolg, aber sie diente als Inspiration für das Metallarmband des entstehenden «Chronomat». Das Gliederarmband wurde von den Röhren, in denen Tennisbälle verkauft werden, inspiriert. PD Als die nummerierten und mit Namen gravierten Uhren 1984 an die Piloten ausgeliefert wurden, waren diese begeistert. Schneider hätte am liebsten weitere Exemplare mit dem blauen Zifferblatt und dem Logo der Fliegerstaffel hergestellt, doch die Rechte dafür lagen bei Parodi und der italienischen Luftwaffe. Trotz diesem Erfolg waren die achtziger Jahre noch nicht bereit für Uhren, die so gross und dick waren wie der «Chronomat».Anna Wintour verhalf zum DurchbruchDer Erfolg stellte sich erst in den neunziger Jahren ein, als Frauen nicht nur die Mode, sondern auch die Uhren der Männer für sich entdeckten. In den USA beförderte Anna Wintour den schweren Chronographen am Handgelenk des Models Famke Janssen auf die Titelseite der amerikanischen «Vogue», und zahlreiche Stars trugen den «Chronomat» in Filmen und Shows, so dass Ernest Schneider in Grenchen mit der Produktion bald nicht mehr nachkam. Am Handgelenk einer Frau wurde die «Chronomat» erst richtig beliebt. PD Dies sind nur die wichtigsten Eckpunkte in der Erfolgsstory des «Chronomat», der übrigens seinen Namen ursprünglich nicht dem automatischen Aufzug verdankt, sondern einem Vorgänger des «Navitimer» von Willy Breitling. Der hatte der ersten Uhr mit Rechenschieber die Bezeichnung Chronograph für Mathematiker gegeben und daraus den Namen «Chronomat» geformt.Das Buch «Chronomat Story» ist auf Deutsch, Englisch und Französisch für 59 Franken auf der Website von Watchtime bestellbar. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Von der Piloten-Uhr zur Ikone der 1990er: Die Geschichte der «Chronomat»
Was die Frecce Tricolori und Anna Wintour mit der Geschichte der ikonischen Uhr «Chronomat» von Breitling zu tun haben, wird nun in einem neuen Buch erzählt.






