In Venezuela steht Trump nach den Erdbeben in der Pflicht: Er verspricht, für die «neuen, grossartigen Freunde» da zu seinJetzt ist es an den USA, zu beweisen, dass sie nicht nur am Öl interessiert sind. Sonst könnte es in der erschöpften venezolanischen Bevölkerung bald zu Unruhen kommen.30.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenNach jetzigem Stand haben die Erdbeben über 1430 Todesopfer gefordert: ein Gebäude in der Stadt Caraballeda im Gliedstaat La Guaira.Edilzon Gamez / GettyNach dem Sturz des Diktators Nicolás Maduro bei einer amerikanischen Militäroperation im Januar hat sich Donald Trump mit der Aussage gebrüstet, er werde Venezuela nun regieren. Die schweren Erdbeben von vergangener Woche stellen diese Aussage in ungeahnter Weise auf die Probe.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In ihrer Reaktion auf die Katastrophe sei die Trump-Regierung einem Stresstest ausgesetzt, schreibt das «Wall Street Journal». Denn eine verpfuschte amerikanische Hilfsaktion habe auch auf die öffentliche Wahrnehmung der verbündeten Präsidentin Delcy Rodríguez Auswirkungen. Laut der Zeitung war das Krisenmanagement der venezolanischen Behörden bislang desaströs. Dass es in der zunehmend erschöpften Bevölkerung zu Unruhen kommen könnte, sei nicht auszuschliessen.Wenn sich nun die USA in dieser verheerenden Lage für die venezolanische Bevölkerung nicht als verlässlicher Partner präsentierten, drohe «das Experiment der Trump-Administration» zu scheitern. Das Weisse Haus müsse beweisen, dass seine neue Partnerschaft mit Rodríguez liefern könne, was die Regierung von Nicolás Maduro nicht gekonnt habe: einen funktionalen Staat, Stabilität, effektive Katastrophenhilfe.Trump hat Boom versprochenSo gesehen biete sich der Trump-Regierung auch «eine Chance», zitiert die «New York Times» Michael Shifter von der Denkfabrik Inter-American Dialogue: Humanitäres Engagement würde zeigen, dass die USA nicht nur am Öl interessiert seien.Denn in den vergangenen Monaten habe sich bei den Venezolanern der Eindruck verfestigt, dass die Amerikaner ihr Land plünderten. Trump hatte versprochen, dass Venezuela boomen werde, wenn erst einmal amerikanische Unternehmen in die baufällige Ölinfrastruktur investierten. Doch die wirtschaftlichen Bedingungen, so sagt Shifter, hätten sich für die meisten Menschen nicht verbessert.Trump sieht dies naturgemäss anders. «Es war ein grosses Erdbeben», sagte er gegenüber Reportern in einer ersten Reaktion vergangene Woche. «Gebäude sind eingestürzt, aber abgesehen davon ist es wieder ein glückliches Land, die Leute tanzen auf den Strassen.»US-Katastrophenhilfe wurde weggespartWährend sich diese Aussage angesichts der Verwüstungen eher verquer ausnahm, äusserte er sich auf Truth Social vergleichsweise unverfänglich. Die USA seien «bereit, willens und in der Lage» zu helfen: «Wir werden für unsere neuen, grossartigen Freunde da sein.» Am Freitag stellte die Regierung substanzielle Soforthilfe in Aussicht. Die Massnahmen würden «gross, schnell und effektiv» sein, so sekundierte Aussenminister Marco Rubio den Präsidenten.Doch wie handlungsfähig Rubio überhaupt ist, bleibt die Frage. Denn das Weisse Haus hat die Behörde für internationale Entwicklungs- und Katastrophenhilfe USAID im vergangenen Jahr weggespart. Im Zuge des damals von Elon Musk geleiteten Gremiums Doge wurden Tausende von Mitarbeitern der Entwicklungshilfe entlassen. Als im März 2025 in Myanmar bei einem Erdbeben über 3500 Menschen ums Leben kamen, beschränkte sich die amerikanische Unterstützung im Wesentlichen auf die Entsendung von drei Gutachtern, die Schäden ermessen sollten.Nach der «Doge-Zerstörung von USAID» habe man keine Kapazitäten mehr gehabt, Such- und Rettungsteams einzusetzen, sagte Jeremy Konyndyk, der unter Barack Obama USAID geleitet hatte, gegenüber dem Radiosender NPR. «Es war unübersehbar und sehr peinlich.» Doch laut NPR wurden seit dieser internationalen Blamage stillschweigend einige der entlassenen USAID-Mitarbeiter erneut eingestellt. Offenbar ist die Regierung nun wieder besser gerüstet.Amerikanische Feuerwehrleute ziehen einen Jungen aus den Trümmern.Matias Delacroix / APEngagement von 300 Millionen DollarAuch im Vergleich zum verheerenden Hurrikan in Puerto Rico 2017, bei dem Trump in seiner ersten Amtszeit für sein laxes Katastrophenmanagement kritisiert wurde, sieht die Reaktion in Venezuela zumindest auf den ersten Blick effektiv aus. Am Montag war von einem finanziellen Engagement von mehr als 300 Millionen Dollar die Rede. Ein wesentlicher Teil der Gelder geht an religiöse Hilfsorganisationen wie Samaritan’s Purse oder die Catholic Relief Services, aber auch an Unicef und das Rote Kreuz.Im Hafen der besonders schlimm betroffenen Küstenstadt La Guaira ermöglicht die USS «Fort Lauderdale» Logistik für den Lufttransport von Hilfsgütern. Darüber hinaus setzen die USA ein etwa 250-köpfiges Such- und Rettungsteam ein, das aus den Gliedstaaten Virginia, Kalifornien und Florida in das lateinamerikanische Land entsandt wurde, um Bewohner zu retten, die unter Trümmern gefangen sind. Nach jetzigem Stand haben die Erdbeben über 1430 Todesopfer gefordert. Zehntausende Menschen werden weiterhin vermisst.Passend zum Artikel
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