Das Ausmass der Katastrophe ist noch unklar. Präsidentin Delcy Rodríguez demonstriert Handlungsfähigkeit. US-Präsident Trump sagt Hilfe zu.25.06.2026, 15.52 Uhr3 LeseminutenDie Erdbeben vom Mittwochabend haben auch Häuser in der venezolanischen Hauptstadt Caracas zum Einstürzen gebracht.IMAGO/Diko Betancourt / ImagoZwei starke Erdbeben und zahlreiche kleinere Nachbeben haben seit Mittwochabend den Nordwesten Venezuelas erschüttert. Die amerikanische Erdbebenwarte USGS gab die Magnituden der Beben mit 7,2 und 7,5 an. Die venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez hat den Notstand ausgerufen. Zahlreiche Staaten weltweit haben ihre Hilfe angeboten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Ausmass der Katastrophe ist jedoch noch nicht überschaubar. In Teilen des Landes sind das Internet und die Stromversorgung ausgefallen. Rodríguez teilte in einer Medienkonferenz noch am frühen Abend mit, dass es 32 Tote und mehr als 700 Verletzte gebe. Doch bis Donnerstagnachmittag (MESZ) gab es keine offiziellen Zahlen über die Schäden sowie über Tote und Verletzte. Völlig unübersichtlich ist die Lage in der an der Karibik liegenden Küstenregion La Guaira, die vom Beben besonders stark getroffen wurde.Das letzte Erdbeben gab es vor 60 JahrenDort liegt auch der internationale Flughafen des Landes, der nun geschlossen wurde, was die Versorgung mit Hilfsgütern erschweren dürfte. Videoaufnahmen aus dem Flughafen Maiquetía zeigen, wie die Erdstösse dort die Gebäude ins Wanken brachten.Eine Modellrechnung der amerikanischen Erdbebenwarte geht von bis zu 10 000 Todesopfern aus. Das seismologische Institut Venezuelas (Funvisis) hat nach den ersten beiden Hauptbeben zwanzig weitere stärkere Erdstösse registriert. Erdbeben ab Magnitude 7 auf der Momenten-Magnituden-Skala gelten bereits als sehr starke Erdbeben. Das gestrige Erdbeben an der Karibikküste Venezuelas lässt sich hinsichtlich seiner Stärke mit jenem vergleichen, das 2023 in der Türkei und Syrien zahlreiche Todesopfer verursacht hatte.In Caracas hatte zuletzt 1967 ein Erdbeben schwere Schäden verursacht. Dabei kamen mindestens 200 Menschen ums Leben. Die zahlreichen eingestürzten Gebäude führten jedoch dazu, dass die venezolanischen Erdbeben-Normen grundlegend überarbeitet und das erdbebensichere Bauen deutlich verbessert wurden. Dazu dürfte beigetragen haben, dass der Schaden in der Hauptstadt, die rund 1000 Meter über dem Meeresspiegel hinter der Küstenkordillere liegt, möglicherweise geringer ausfiel als an der Küste.Das Regime demonstriert EinigkeitDer Bundesstaat La Guaira hat sich hinsichtlich seiner Bausubstanz und Infrastruktur bis heute nicht von den verheerenden Schlamm- und Gerölllawinen im Dezember 1999 erholt. Damals kamen nach tagelangen Regenfällen zwischen 10 000 und 30 000 Menschen ums Leben. Die Region, in der heute rund eine halbe Million Menschen leben, wurde von den Schlammlawinen verschüttet. Der Gliedstaat wurde danach beim Wiederaufbau von der Bundesregierung weitgehend sich selbst überlassen.Zwischen den beiden schweren Beben vom Mittwoch lagen laut der Erdbebenwarte USGS nur 39 Sekunden. In Caracas hatten viele Menschen an dem nationalen Feiertag gerade begonnen, das Spiel Brasilien gegen Schottland bei der Fussball-Weltmeisterschaft zu schauen. Das erste Beben ereignete sich um 18.04 Uhr (Ortszeit).Bereits eine Stunde später hielt die Präsidentin Delcy Rodríguez eine öffentliche TV-Ansprache. Sie erklärte den Katastrophenfall, rief zur Ruhe auf und kündigte die Aktivierung aller Rettungsdienste sowie die Aussetzung des Metro- und Eisenbahnbetriebs und des Schulunterrichts an. Offensichtlich wollte sie demonstrieren, dass die Regierung die Lage unter Kontrolle hat.Flankiert wurde sie bei ihrer Ansprache von den zwei mächtigsten Männern des Regimes. Zum einen Diosdado Cabello, Minister für Inneres, Justiz und Frieden, der für die Polizei, den Katastrophenschutz, die Gefängnisse sowie grosse Teile der inneren Sicherheit zuständig ist. Zum anderen Jorge Rodríguez, ihr Bruder und Parlamentspräsident.Trump spricht von zahlreichen TotenDie Demonstration von Kontrolle und Einheit ist für das autoritäre Regime wichtig. Die Präsidentin Rodríguez, die seit der militärischen Entmachtung von Nicolás Maduro am 3. Januar an der Spitze der Übergangsregierung steht, ist auf das Wohlwollen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump angewiesen.Trump reagierte umgehend auf die Nachrichten aus Venezuela. Er sprach in seinem sozialen Netzwerk «Truth Social» von einer erschütternd hohen Zahl von Todesopfern. «Die ersten Berichte sind nicht gut», erklärte er. Die USA seien bereit, in jeder nur möglichen Weise zu helfen.Für Rodríguez dürfte dieses Hilfsangebot ein politisches Dilemma darstellen. Eine sichtbare Präsenz von amerikanischen Militärs in Venezuela käme dem Regime nach der Entmachtung Maduros kaum gelegen. Angesichts des Ausmasses der Katastrophe dürfte sie amerikanische Hilfe jedoch kaum ablehnen können, ohne das Verhältnis zu Donald Trump zu belasten.Passend zum Artikel
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