Bei den schweren Erdbeben in Venezuela sind ersten Erkenntnissen zufolge mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen und rund 700 weitere verletzt worden. Das sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez. Zwei schwere Erdbeben hatten am späten Mittwochnachmittag (Ortszeit) den Norden und das Zentrum Venezuelas erschüttert und in der Hauptstadt Caracas mehrere Gebäude zum Einsturz gebracht.In einer Ansprache hatte Delcy Rodríguez den Notstand ausgerufen und von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“ gesprochen. Es habe bereits 20 Nachbeben gegeben.Priorität hätten nun die Rettungsarbeiten, sagte Rodríguez. Der Schulunterricht werde ausgesetzt, der Zugverkehr eingestellt. Auch der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas habe wegen Schäden den Betrieb eingestellt. Das Parlament sagte seine für Donnerstag geplante Sitzung ab.Die automatische Modellrechnung der US-Erdbebenwarte, basierend auf der Stärke des Bebens und der Nähe einiger Städte, legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als tausend Todesopfern nahe. Rettungskräfte suchen unter den Trümmern nach zahlreichen Verschütteten. Rettungskräfte helfen einem Mann aus den Trümmern. © AFP/JUAN BARRETO Innerhalb von weniger als einer Minute erschütterten am Mittwochabend (Ortszeit) zwei sehr starke Erdbeben Venezuela und richteten beträchtliche Schäden an. Die USGS gab die Stärke der Erschütterungen mit 7,2 und 7,5 an. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das erste Beben ereignete sich am Mittwoch um 18.04 Uhr (Ortszeit; 0.04 Uhr MESZ Donnerstag) 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stärkere Erdbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe war mit großen Schäden und auch Opfern zu rechnen.Innenminister Diosdado Cabello bestätigte im staatlichen Fernsehen den Einsturz mehrerer Gebäude und Wohnhäuser in der Hauptstadt. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei seien alarmiert worden und kümmerten sich mit allen verfügbaren Mitteln um die Lage, sagte er.Aufnahmen zeigten Rettungskräfte, die bei Einbruch der Dunkelheit in die Trümmer stiegen, während verzweifelte Angehörige nach ihren Familienmitgliedern suchten.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. In einem Krankenhaus in Caracas stürzten Deckenplatten herab. In den sozialen Medien kursierten zudem unbestätigte Videos von schweren Schäden am Hauptflughafen des Landes sowie von eingestürzten Gebäuden in der Küstenstadt La Guaira.Im Hauptstadtbezirk Chacao konnten laut Bürgermeister Gustavo Duque allein aus einem Haus 18 Überlebende gerettet werden. Er rief die Bevölkerung auf, wegen möglicher Nachbeben auf öffentlichen Plätzen Schutz zu suchen. Im Küstenbundesstaat Falcon gab es nach Angaben von Gouverneur Victor Clark 22 Verletzte, zudem würden 15 Erwachsene vermisst. In Krankenhäusern wie dem Hospital de Clinicas in Caracas wurde das Personal für die Nachtschicht verdoppelt, um die Verletzten zu versorgen. US-Präsident sichert Hilfe zu US-Präsident Donald Trump sicherte dem südamerikanischen Land schnelle Hilfe zu. Er habe alle US-Behörden angewiesen, sich darauf vorzubereiten, schnell zu helfen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die beiden Erdbeben seien von „massivem Ausmaß“ gewesen und hätten zu einer „verheerenden Zahl Toter“ geführt, schrieb Trump. Er machte dabei keine Angaben dazu, auf welche Informationen sich seine Aussage zur Opferzahl stützte.„Wir werden für unsere neuen und großartigen Freunde da sein“, schrieb Trump – wohl mit Blick auf die Übergangsregierung in Caracas. Weiter erklärte er in Bezug auf das wahrscheinliche Ausmaß der Folgen: „Die ersten Berichte sind nicht gut!!!“ Ein eingestürztes Gebäude in La Guaira. © REUTERS/Maxwell Briceno Das US-Tsunami-Warnzentrum gab zunächst eine Warnung für Puerto Rico, die Jungferninseln sowie die vor der Küste Venezuelas gelegenen Inseln Aruba, Curaçao und Bonaire heraus. Diese wurde jedoch nach etwa einer Stunde wieder aufgehoben.Venezuela liegt in einer seismisch aktiven Zone, in der die Karibische und die Südamerikanische Erdplatte aufeinandertreffen. Nach Angaben der USGS kamen im März 1812 bei einem schweren Erdbeben in den Städten Mérida und Caracas schätzungsweise 30.000 Menschen ums Leben. „Äußerst alarmierende Situation“ „Wir haben es mit einer äußerst alarmierenden Situation zu tun“, sagte Innenminister Cabello im Fernsehen. In mindestens sieben Bundesstaaten sowie in Caracas sei das Beben zu spüren gewesen. Einige Gebäude seien eingestürzt. Menschen umarmen sich nach dem Erdbeben und versuchen, Angehörige zu erreichen. © dpa/Ariana Cubillos Er rief die Menschen dazu auf, an sicheren Orten zu bleiben. Nach schweren Erdbeben seien normalerweise Nachbeben zu erwarten, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten, warnte der Minister. Um Explosionen zu verhindern, hätten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen. Epizentrum 150 Kilometer von Caracas entfernt Das Epizentrum des ersten Bebens am Mittwoch um 18:04 Uhr (Ortszeit; 00:04 MESZ Donnerstag) lag den Angaben zufolge 24 Kilometer östlich von San Felipe entfernt im Nordwesten des südamerikanischen Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite Erdbeben ereignete sich nur wenige Kilometer weiter nördlich. Der Schock sitzt nach den zwei schweren Erdbeben. Genaue Opferzahlen gibt es bisher nicht. © dpa/PEDRO MATTEY Allein in den relativ nahe gelegenen Städten Puerto Cabello und San Felipe leben nach USGS-Angaben zusammen etwas mehr als 400.000 Menschen. Eine automatische Modellrechnung der US-Erdbebenwarte, basierend auf der Stärke des Bebens und der Nähe einiger Städte, legt eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit zahlreicher Todesopfer nahe. Die Millionenstadt Caracas, aus der die ersten Bilder und Berichte kamen, lag dabei nicht besonders nah am Epizentrum, sondern mehr als 150 Kilometer östlich davon. Das Beben ereignete sich an einem gesetzlichen Feiertag zur Unabhängigkeit des Landes, weshalb sich viele Venezolaner in ihren Häusern aufhielten. In Caracas, das das letzte Mal 1967 von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht worden war, flohen die Menschen in Panik auf die Straßen.„Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt, es war fürchterlich“, berichtete eine 57-Jährige aus Caracas der Deutschen Presse-Agentur. „Bei uns in der Nähe sind zwei Hochhäuser eingestürzt, am Nachbargebäude fehlen Wände“, ergänzte sie.Ihr Hochhaus sei aber weitgehend verschont geblieben. In ihrer Wohnung seien Möbel umgestürzt und Bilder von den Wänden gefallen, alles sei voller Scherben. Die Erschütterungen seien so stark gewesen, dass sie und ihr Mann zunächst gar nicht aus dem Zimmer gekommen seien. Zusammen mit Nachbarn seien sie dann schließlich auf die Straße gerannt. Zwei Anwohner hätten aus dem Aufzug befreit werden müssen. Nach den Beben sei stundenlang der Strom ausgefallen, auch das Mobilfunknetz habe nicht funktioniert. Zahlreiche Staaten bieten Hilfe an Das US-Außenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken.Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb ebenfalls auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die Hauptstadt Caracas gebracht zu werden.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. 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Schwere Erdbeben in Venezuela: 32 Tote und Hunderte Verletzte, Regierung ruft Notstand aus
Nach zwei heftigen Beben in Venezuela zeigen Videos Schäden an Gebäuden und am Flughafen der Hauptstadt Caracas. Präsidentin Delcy Rodríguez spricht von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“.











