Guten Abend, die guten Nachrichten zuerst: Deutschland steht zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder in einem WM-K.o.-Spiel und das auch noch als Favorit. Es ist allerdings ein Sechzehntelfinale und – nicht nur die Bruchzahl verrät es – ein eher kleiner Erfolg. Sollte Deutschland heute Ausscheiden, klingt das am Ende nur besser als das Vorrundenaus. Die Lage ist so ernst, das auch Gary Lineker von seinem »... und am Ende gewinnen immer die Deutschen« abgerückt ist: »Ich habe Deutschland spielen sehen und ich finde – ich kann mich auch irren –, dass dies eine der schwächsten deutschen Nationalmannschaften ist, die ich je gesehen habe.« Deutschland zehre von der Vergangenheit, sagte er. Das sind zwar große Worte von jemanden, dessen Nationalmannschaft ihren letzten Titel vor 60 Jahren gewonnen hat. Aber es gibt handfeste Anzeichen für Unruhe: Erste Medien berichten von »Irritationen aus der Mannschaft« über die Kommunikation des Bundestrainers (Bild) und über das »Tuschelthema Auftreten« von Julian Nagelsmann (Sky). Spieler, die anfangen zu tuscheln, das ist selten gut. Die Euphorie der ersten Woche ist jedenfalls weg. Julian Nagelsmann nutzte das letzte Gruppenspiel für einige interessante Wechsel und hat seitdem eine besorgniserregende, wenn auch unbedeutende Niederlage zu moderieren. Das Schöne: In der K.o-Runde beginnt das Turnier neu. Und alles neu macht der Undav. Den bringt Nagelsmann für den noch immer nicht fitten Jamal Musiala. Nathaniel Brown kehrt zurück auf die linke Abwehrseite. Damit hat Nagelsmann ein bisschen was verändert, doch seinen Kapitän lässt er wo ist: Joshua Kimmich wäre im bisher wackligen Mittelfeld besser aufgehoben, den Rat hat Nagelsmann nun aus vielen Mündern gehört. Doch er hört auf den Mann, dem er am meisten vertraut: sich selbst. Kimmich bleibt hinten rechts. Im Gillette-Stadion (das Fifa-konform in Boston-Stadion umbenannt wurde, aber für den Gag ignorieren wir das) muss das Team von Nagelsmann nun also rasieren. Und zwar Paraguay. Der 37. der Weltrangliste hat sich mit einem glücklichen Sieg gegen die Türkei und einem torlosen Unentschieden gegen Australien durch die Vorrunde gemogelt. Dabei hat sich gezeigt: So richtig Fußball spielen im eigentlichen Sinne wollen die Paraguayer nicht. Viel mehr Lust macht ihnen das Zerstören. Fünf Torschüssen und zwei Toren in der Vorrunde stehen sieben Gelbe und eine Rote Karte gegenüber. “Bis Montag werden wir uns nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich”, sagte Nagelsmann. Hoffentlich haben seine Mannschaftsärzte genügend Eis (nicht Stracciatella) und Schmerzgel dabei.Aus Berlin bloggen heute mit mir Fabian Scheler und die Paraguay-Experten Philipp Daum und Daniel Gerhardt. Die Optik für dieses Blog liefert Jakob Weber. Damit wir alle auch eine eventuelle Verlängerung durchstehen, haben wir jede Menge eiskalten Matetee. Ob die Paraguayer den auch ins Stadion nach Foxborough mitgebracht haben, erfahren Sie von meinem Kollegen Oliver Fritsch. Stellen auch Sie am besten schon mal ein koffeinhaltiges Getränk Ihrer Wahl bereit, schließlich kann das ein langer Abend werden. Wir freuen uns darauf und legen hier ab circa 21:45 Uhr los.