Paraguays Spielweise bei dieser WM zielt darauf ab, möglichst lange die Null halten zu können. Gegen Deutschland wird dies am Montagabend (22.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und im ZDF und bei MagentaTV) als klarer Außenseiter erst recht das Ziel sein, um mit einem Konter über Unterschiedsspieler Julio Enciso oder mit einer Standardsituation den entscheidenden Punch zu setzen.Um defensive Stabilität zu generieren, hat Trainer Gustavo Alfaro zuletzt auf eine Fünferkette umgestellt. Diese interpretiert Paraguay obendrein sehr konservativ. Das bedeutet, dass die Abwehrspieler möglichst häufig die Kette halten und nur ungern ins Vorverteidigen herausrücken möchten. Vor allem wenn Paraguay in der 5-3-2-Formation agiert, schieben sich als Erstes die Achter aus der Mittelfeldreihe zum Flügel und nicht die Außenverteidiger nach vorne.Für Deutschland wäre das 5-3-2 einfacher zu bespielen als die Alternativformation der Paraguayer, ein 5-2-3. Der eingespielte Dreieraufbau des DFB-Teams aus den beiden Innenverteidigern und dem Rechtsverteidiger, bisher Joshua Kimmich, würde eine klare Überzahl gegen die gegnerischen Stürmer bedeuten. Um genau diese Konstellation zu vermeiden, wäre ein Formationswechsel der Paraguayer denkbar, aber auch nicht zwingend zu erwarten, denn gegen den Dreieraufbau von Australien beispielsweise bestritt Paraguay die gesamte erste Halbzeit im 5-3-2.Deutschlands Vorteil in diesem Szenario wäre Kimmichs Andribbeln in der Zwei-gegen-zwei-Überzahl. Dies würde den linken Achter Paraguays zwingen, auf Kimmich herauszurücken, um ein Überdribbeln der ersten Pressinglinie zu verhindern. Dadurch könnte der Achter aber nicht mehr den Flügel verteidigen, wie es eigentlich der Plan des 5-3-2 wäre. Zumal wenn der paraguayische Linksverteidiger sich von Leroy Sanés breiter Position binden lässt, hätte Felix Nmecha große Räume auf der rechten Seite für sein Ausweichen in die Breite. Gegen das 5-3-2 könnte Nmecha der entscheidende Überzahlspieler für Deutschland und Ausgangspunkt vieler Angriffe sein.Dankbarer Gegner für DeutschlandIn der zweiten Halbzeit des abschließenden Gruppenspiels gegen Australien beorderte Trainer Alfaro den flinken Matías Galarza aus dem zentralen Mittelfeld auf die Position als Linksverteidiger. Galarza verteidigte etwas aktiver nach vorne und ermöglichte Paraguay gelegentliche Pressingsituationen.Allerdings wurde dies auch dadurch begünstigt, dass Australien ohne offensiven Breitengeber spielte und allein mit dem Außenverteidiger die Breite besetzte. Für Deutschland wird es also wichtig werden, dass ein hoher Breitengeber wie Sané den paraguayischen Linksverteidiger mit einer möglichst hohen Wahrscheinlichkeit binden kann. Dadurch hätte die DFB-Auswahl immer noch gute Chancen, sich über die Außen nach vorne zu spielen, selbst wenn Paraguay anstelle des 5-3-2 ein 5-2-3 praktizieren sollte wie in der zweiten Halbzeit gegen Australien und damit die Überzahl des deutschen Dreieraufbaus egalisiert.Gegen das 5-2-3 könnten Verlagerungen für Deutschland sehr wichtig werden, weil die ballfernen Offensivspieler Paraguays sehr stark versuchen, den Sechserraum zu schließen, und dafür den ballfernen Aufbauspieler öffnen. Wenn vor allem der defensive Sechser des DFB-Teams und gelegentlich die anderen Mittelfeldspieler weit zur Ballseite mitlaufen, können sie die paraguayischen Stürmer herüberziehen und so den Raum auf dem anderen Flügel vergrößern. Aleksandar Pavlovic käme für diese Rolle sehr gut zum Zuge. Für die Folgeaktionen nach den Verlagerungen ist schnelles Andribbeln des Verteidigers essenziell.Insgesamt sind die Paraguayer ein vergleichsweise dankbarer Gegner für Deutschland. Sie ziehen sich meistens zurück und pressen nur selten hoch. Ihre verschiedenen Grundformationen bieten stets Angriffsfläche für die deutsche Ballbesitzstruktur. Nach vorne fehlen den Paraguayern die herausragenden Tempodribbler, mit denen Deutschland zuletzt Probleme gehabt hatte. Dass Paraguay bei eigenem Ballbesitz wenig Risiko eingeht und Personal hinten verliert, weil die drei Verteidiger nicht allzu weit andribbeln wollen und den Aufbau weitgehend den Mittelfeldspielern überlassen, kommt Deutschland ebenfalls entgegen.