Die Europäische Kommission will bis Oktober in den Verhandlungen mit China über das wachsende Handelsdefizit konkrete Resultate erzielen. Das sagte EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič am Montag nach Gesprächen mit dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao in Brüssel. Die EU-Staats- und Regierungschefs hätten auf ihrem Gipfel vor anderthalb Wochen klar gesagt, dass sie im Verhältnis zu China zügige Fortschritte erwarteten, betonte Šefčovič. Dafür gebe es nun eine Deadline.Konkret vereinbarten die EU und China in einer gemeinsamen Erklärung, vier Arbeitsgruppen einzusetzen. Die erste Gruppe ist die für die Europäer entscheidende: Sie soll sich mit der Balance von Handel und Investitionen befassen. Die zweite Gruppe soll sich mit chinesischen Exportkontrollen beschäftigen. China hat 2025 die Ausfuhr „Seltener Erden“ eingeschränkt und damit auch die EU getroffen. Die EU-Handelskammer in China sieht in den Exportkontrollen ein dauerhaftes Risiko. Die dritte Gruppe soll sich um den Schutz „geistigen Eigentums“ und die vierte um die Reform der Welthandelsorganisation (WTO) kümmern.Šefčovič und Wang vereinbarten darüber hinaus einen Ampel-Mechanismus zur Überwachung der Handelsströme. Dass sich beide Seiten auf gemeinsame Statistiken und Zahlen geeinigt hätten, sei ein großer Fortschritt. Wenn die Ampel nach einem plötzlichen Anstieg der chinesischen Exporte in die EU auf Gelb oder Rot springe, werde das sofort Diskussionen auf politischer Ebene nach sich ziehen, um das Problem zu lösen.Wang lädt Šefčovič nach Peking einDie EU werde nach der Sommerpause, im September, eine Zwischenbilanz über den Fortschritt der Arbeitsgruppen ziehen, kündigte Šefčovič an. Er werde dann im Oktober auf Einladung Wangs nach Peking reisen. „Es wird nicht alles gelöst, es wird nicht alles in Ordnung gebracht, aber wir glauben, dass unsere Teams bis Oktober genügend Zeit haben, um greifbare Ergebnisse zu erzielen“, sagte der Handelskommissar. Was er konkret mit „greifbaren Ergebnissen“ meint, ließ Šefčovič offen.Das Treffen zwischen Šefčovič und Wang war mit Spannung erwartet worden. Das wachsende Handelsdefizit von zuletzt 360 Milliarden Euro im Jahr bereitet den Europäern zusehends Sorge. „Diese Entwicklung ist nicht nachhaltig und ein Festhalten am Status quo ist keine Option“, betonte Šefčovič am Montag.Die EU hat in den vergangenen Wochen ihren Ton gegenüber China spürbar verschärft. Das gilt auch für Deutschland, das wegen seiner engen Handelsbeziehungen traditionell eher vorsichtig gegenüber China auftritt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich auf dem EU-Gipfel offen für eine härtere Gangart gezeigt. „Der Europäischen Union müssen wirksame Instrumente zur Verfügung stehen, um ihre Interessen auf der Welt effektiv zu verteidigen“, hatte er betont.Peking droht mit Handelseinbruch „bis zum Gefrierpunkt“Gleichzeitig hatten die EU-Chefs auf dem Gipfel darauf verzichtet, China beim Namen zu nennen, um Peking nicht zu brüskieren. Offiziell haben sie über die Frage globaler makroökonomischer Ungleichgewichte diskutiert. Die EU hofft, Peking mit der Androhung neuer Schutzinstrumente gegen die chinesische Exportoffensive zum Dialog zu bewegen.Peking hatte seinerseits vor den Gesprächen am Montag gedroht, China könne eine weitere Verschlechterung der Beziehungen mit der EU verkraften – „selbst einen Einbruch bis zum Gefrierpunkt“. „China möchte diesen Punkt zwar nicht erreichen, scheut sich aber auch nicht davor“, teilten die Staatsmedien mit.Šefčovič hob umso mehr nach den ersten Gesprächsrunden hervor, dass es weitaus mehr Übereinstimmung bei der Bewältigung der gemeinsamen Herausforderungen gebe. Das spiegele sich in der gemeinsamen Erklärung wider, der ersten seit 2019. Die Gespräche sollten bis in den Abend hineingehen.