In Frankreich schätzte man es traditionell, wenn sich Politiker enthusiastisch für die Künste einsetzen und der intellektuellen Elite des Landes nahestanden. André Malraux ist ein prägnantes Beispiel; Léon Blum, Georges Pompidou und François Mitterrand, Jacques Chirac, Lionel Jospin und Dominique de Villepin sind weitere Exponenten. Der jüngeren Generation fehlt es an diesem Faible.Doch Laurent Fabius gehört noch zu den Politikern, die ihr Denken nicht nur an Jura und Wirtschaft zu schulen, sondern auch an Geschichte, Kunst, Literatur und Philosophie. Mit 38 Jahren wurde er 1984 von Mitterrand zum Premierminister ernannt, war später Präsident der Nationalversammlung, Wirtschafts-, dann Außenminister und stand bis Februar 2025 dem französischen Verfassungsgericht vor.Seine ersten Bilder? „Einfach schlecht“, sagt FabiusNun stellt sich Fabius kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag als Maler vor. In zwei Pariser Ausstellungsräumen zeigt er seine abstrakten Gemälde: zuerst fast 50 Werke in der Galerie Joseph im Marais, anschließend noch einmal 20 weitere in der Galerie Art Absolument in Saint-Germain. Es sind Räumlichkeiten, die man anmieten kann, keine klassischen Kunstgalerien.Fabius nimmt seine neue Berufung mit einem fast schüchternen Schmunzeln ernst. Mit Zitaten gewappnet – etwa John Ruskin: „Gelungene Kunst entsteht, wenn Hand, Kopf und Herz des Menschen zusammenwirken“ – führt er durch die Ausstellungsräume. Seine ersten Bilder, die vor 15 Jahren entstanden, bezeichnet Fabius als „einfach schlecht“. Pierre Soulages gehörte zu seinen engen Freunden, aber auch der in Paris lebende Yan Pei-Ming. Sie ermutigten ihn, nicht aufzugeben. Die Gemälde der beiden Ausstellungen entstanden nach 2015.Alles abstrakt: Blick in die Ausstellung mit Gemälden von Laurent Fabius in der Galerie Art AbsolumentArt AbsolumentIm vergangenen Jahr hat Fabius eine erste Schau seiner Werke in Shanghai organisiert, weit ab von möglicherweise bösen Zungen im süffisanten Paris. Das Experiment war erfolgreich: alles verkauft. Tatsächlich haben seine Gemälde eine ästhetische Berechtigung, öffentlich gezeigt zu werden. Fabius ist mehr als ein Sonntagsmaler. Zugleich bleibt evident, dass er das große Medienecho und den prompten Käuferzuspruch seiner Karriere und seinem Adressbuch verdankt.Die Einflüsse und Vorlieben des in Sachen Kunst höchst gebildeten Politikers sind sofort zu spüren. 1946 geboren, ist er ein Kind des abstrakten Expressionismus und der lyrischen Abstraktion. Der Ausdruck von Emotionen durch Farbe und Malbewegung charakterisiert seine Gemälde. Farben setzt er dezidiert ein: Schwarz mit Rot, sattes Grün oder Gelb, leuchtendes Blau, aber auch Nuancen von Grau, die an Nebel, Sturm oder Rauch erinnern. Die Spontaneität einer Idee oder einer Stimmung wird durch präzise Arbeit an der Leinwand weitergeführt. Neben dem Pinsel verwendet Fabius den Spachtel, manchmal die Finger oder einen Kieselstein, um bestimmte Effekte mit der Acrylfarbe zu erzielen.Kunst spielte immer eine wichtige Rolle in seinem LebenIn seinen Gemälden zeigt sich das Auge des Kunstkenners und Sammlers, der aus einer Familie angesehener Antiquitätenhändler stammt. Als Kind, erzählt er, habe sein Vater ihn jedes Wochenende in den Louvre mitgenommen. Teile der Familiensammlung wurden 2011 bei Sotheby’s für 9,6 Millionen Euro versteigert.Mit Bewunderung spricht Fabius von William Turner oder Francisco de Goya. Seiner eigene Doppelausstellung, die von der Kuratorin Domitille d’Orgeval ausgerichtet wurde, hat er den Titel „Libre“, frei, gegeben. Es sei für ihn das schönste Wort der französischen Sprache, sagt Fabius. Nachdem er sein letztes staatliches Amt abgegeben habe, fühle er sich frei, seine Malerei öffentlich auszustellen.War in der Galerie Joseph zu sehen: Laurent Fabius, „France-Italie“, 2017, Acryl auf Leinwand.Galerie Joseph„Libre“ heißt auch ein großes, vorwiegend in Grün gehaltenes Gemälde mit schwarzen und weißen Einspielungen, das erst kürzlich entstand. Die Natur, Ort der Freiheit par excellence, und Landschaft als abstrakte Impression sind häufig Themen in Fabius’ Malerei. Aber auch Musik etwa von Nikolai Rimski-Korsakow oder Literaten wie Victor Hugo und James Joyce inspirieren Fabius, wie Titel seiner Werke verraten.Die Preisspanne liegt zwischen 5000 und 20.000 Euro. Schon einige Tage nach der Vernissage trugen schon mehr als die Hälfte der Gemälde einen roten Punkt. Als malender Politiker ging Fabius der Kollege Winston Churchill voraus, dessen Werk derzeit in der Wallace Collection in London ausgestellt wird. Sein Gemälde „The Tower of the Koutoubia Mosque“ wurde 2021 bei Christie’s für 8,1 Millionen Euro zugeschlagen, eingeliefert von Angelina Jolie. Mancher mag auch daran denken, wenn er einen „Fabius“ kauft.Die Ausstellung in der Galerie Joseph ist beendet, die Schau in der Galerie Art Absolument läuft bis zum 25. Juli. Der Katalog auf Französisch und Englisch kostet 25 Euro.
Laurent Fabius als Maler: Ausstellung in Paris
Laurent Fabius ist tatsächlich mehr als ein Sonntagsmaler: Der frühere französische Premierminister hat sich der bildenden Kunst zugewandt und zeigt in zwei Pariser Galerien seine abstrakten Werke.








