PfadnavigationHomePanoramaNiedersachsenSechstes Todesopfer nach Schüssen in Stade – Polizei nimmt zwei Personen festStand: 17:32 UhrLesedauer: 4 MinutenNach der tödlichen Gewalttat in Stade ordnet Jochen Kopelke, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft, den Einsatz ein. Er erklärt, warum in den ersten Minuten einer solchen Lage ein schnelles und koordiniertes Vorgehen der Einsatzkräfte entscheidend ist.In Stade sind sechs Erwachsene durch Schüsse ums Leben gekommen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz. Zwei Personen wurden festgenommen, darunter auch der mutmaßliche Schütze.Nach dem Schusswaffenangriff in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade ist ein sechster Mensch seinen Verletzungen erlegen. Wie die Polizei in Lüneburg am Montag mitteilte, starben fünf Menschen vor Ort und ein weiterer später in einem Krankenhaus. Bei allen Todesopfern handelt es sich demnach um Erwachsene.Die Einsatzkräfte fanden zunächst vier Tote in der Einrichtung. Eine weitere Person sei vor dem Haus reanimiert worden – jedoch ohne Erfolg. Zu den Verletzten gibt es bislang keine weiteren Informationen. „Es gibt mehrere Menschen, die zum Teil schwer verletzt wurden“, hatte eine Polizeisprecherin früher am Nachmittag gesagt. Es sei nicht auszuschließen, dass die Zahl der Todesopfer noch steige. Die Polizei sprach unter Berufung auf erste Ermittlungserkenntnisse von einem „Tötungsdelikt in einer Jugendhilfeeinrichtung“. Dort sind Mutter-Kind-Wohngruppen untergebracht. Nach Polizeiangaben handelt es sich um eine „erweiterte Familientragödie“. Es gehe „nicht in Richtung Femizid oder auch politischer Hintergrund“, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg der Nachrichtenagentur AFP. Das Motiv für die Gewalttat liege vielmehr „im Umfeld der Jugendhilfeeinrichtung begründet“.Nach Informationen von WELT aus Sicherheitskreisen geht die Polizei aktuell von zwei Tatverdächtigen aus – einem Mann, der nach aktuellem Kenntnisstand als Haupttäter gilt, und einer Frau. Details zur Identität wurden nicht genannt. Zu weiteren Hintergründen rund um die Jugendeinrichtung ist nichts gesichert bekannt. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler gibt es jedenfalls keinen Zusammenhang zur sogenannten Clankriminalität. Die beiden Verdächtigen wurden festgenommen. Darunter ist auch der mutmaßliche Schütze, wie eine Polizeisprecherin sagte. Der mutmaßliche Täter und die Tatverdächtige hätten nach der Tat demnach mit einem grau-silbernen Kleinwagen fliehen wollen. Polizeibeamte hätten auf den Wagen geschossen und einen Reifen getroffen. Danach hätten sie die beiden Tatverdächtigen auf einer Landstraße festnehmen und aus dem Wagen ziehen können. Zu Verletzungen des Paares ist noch nichts bekannt. Zwei weitere Verdächtige befinden sich derzeit noch in polizeilichen Maßnahmen. Zeugen beobachteten Schüsse auf AutoEin Zeuge berichtet laut „Stader Tageblatt“ von lauten Schreien aus der Jugendhilfeeinrichtung. „Ich hab’ Schüsse gehört“, erzählt Vitali Martens, der zu dem Zeitpunkt gerade vom Einkaufen kommt. Dann sieht er überall Polizisten. Lesen Sie auchNach Informationen des NDR Niedersachsen hat ein Nachbar beobachtet, dass eine Frau und ein junger Mann versucht haben, mit einem Auto zu flüchten. Die Polizei habe sie zum Anhalten aufgefordert, dann habe die Polizei laut Augenzeuge auf das Auto geschossen. Der Nachbar habe sich schließlich selbst im Haus eingeschlossen und auf die Polizei gewartet.Ein anderer Zeuge schildert „Focus Online“, dass ein Polizist „Anhalten, stehen bleiben“ gebrüllt habe. Das Auto sei weitergefahren. Mehrere Beamte sollen das Feuer eröffnet haben. Mindestens zehn, fünfzehn Schüsse seien gefallen, schätzt der Zeuge. Durch ein geöffnetes Fenster habe er den Polizeifunk aufgeschnappt, wie er weiter berichtet. Er habe nur Fetzen gehört wie „Brustschuss“ und „Kopfschuss“. Dann hätten Einsatzkräfte eine Person auf einer Trage aus dem Haus gehoben und versucht, sie zu reanimieren.Auf Bildern waren zahlreiche Einsatzkräfte, Rettungswagen und Polizeiautos zu sehen. Am Straßenrand standen auch Frauen mit Babys in Tragen. Gefahr für die Bevölkerung nach den Schüssen bestand nach Polizeiangaben nicht. Zahlreiche Seelsorger sind am Tatort, der sich unweit der Stader Polizeiwache befindet, wie die „Bild“ sowie der NDR berichten. Die Polizei bat darum, den Anweisungen der Beamten vor Ort Folge zu leisten. Ein Sprecher der Stadt Stade sagte, für eine Kindertagesstätte und eine Grundschule in der Nähe der Jugendhilfeeinrichtung habe keine Gefahr bestanden. Die Stadt habe nach den ersten Meldungen umgehend Kontakt zu den Einrichtungen gesucht. Die Kita-Kinder seien zum Zeitpunkt der Schüsse im Gebäude gewesen, sagte der Stadtsprecher. Eltern konnten ihre Schulkinder inzwischen abholen. „Wir sind froh, dass es unseren Mitarbeitenden und den Kindern in Kita und Grundschule gut geht, und ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage“, sagte Stades Stadtrat Carsten Brokelmann in einer Mitteilung. Stade hat etwa 50.000 Einwohner und liegt westlich von Hamburg.Hinweis: Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.ll/kami/jra mit dpa/AFP/wold