KONTEXT:Wochenzeitung

Am heutigen Mittwoch wird im Stadtarchiv ein neues Buch zu Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs in Stuttgart vorgestellt. Autor Kevin Schmidt verwendete dafür erstmals die Aussagen ehemaliger Zwangsarbeiter:innen aus Fragebögen, die die Stadt vor rund 25 Jahren verschickte.

Kriegsgefangene des Gaisburglagers arbeiten fürs Tiefbauamt. Bei der Stadt Stuttgart hatten Zwangsarbeiter:innen die schlechtesten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Foto: Stadtarchiv Stuttgart, StAS 9510 Kriegschronik, Film 24/2

Selbst unter Kleinstbetrieben in Stuttgart fand Kevin Schmidt nur eine Handvoll, die im Zweiten Weltkrieg keine Zwangsarbeiter:innen einsetzten. Angeblich. Der Heidelberger Historiker jedenfalls hat daran Zweifel. "Wenn diese Unternehmer tatsächlich zu keinem Zeitpunkt Zwangsarbeiter beschäftigten, stellen sie damit eine Ausnahme dar", sagt Schmidt. In der Regel wurden zwischen 1939 und 1945 auch in kleinen Betrieben wie Bäckereien, Metzgereien oder Gasthöfen Zwangsarbeiter:innen eingesetzt. In Großbetrieben wie Daimler oder Bosch sowieso, dort teils zu Tausenden, oder in jeweils kleinerer Zahl in privaten Haushalten. Und, was häufig vergessen wird, auch Kommunen beschäftigten sie.