Die Baywa hat es in Bayern inzwischen auf die Theaterbühne geschafft. An den Münchner Kammerspielen läuft derzeit das Stück „Wachse oder weiche“, in dem es um das Wachstumscredo in der Landwirtschaft und das Leiden der Menschen daran geht. Eine der Hauptfiguren ist ein Baywa-Produktvertreter, der Michi, der von den Kollegen in der Zentrale ins Feld geschickt wurde, um dort das Letzte aus Boden und Bauer herauszuholen. Der Michi versucht sich in Erdverbundenheit, lässt aber doch keinen Zweifel daran, dass er und sein Unternehmen ganz hoch hinaus wollen.Wachse oder weiche: Maximilian Schafroth auf der BühneJulian BaumannDas Stück stammt aus der Feder des bayerischen Kabarettisten Maxi Schafroth, der selbst einen Bauern spielt, der kurz vor dem Burnout ist. Er weiß, wovon er schreibt: Schafroth ist auf einem Hof im Allgäu aufgewachsen. Die Baywa, Deutschlands größter Agrarhändler, war fester Bestandteil seiner Kindheit und Jugend. Als ehemaliger Banker bei der Commerzbank, einer der Hausbanken der Baywa, kennt Schafroth aber auch die Welt derer, die den Weg des Agrarhändlers vom urbayerischen Unternehmen zum Global Player tatkräftig unterstützt haben. Und die Verantwortung dafür tragen, dass der hoch verschuldete Mischkonzern mit seinen einst 25.000 Mitarbeitern heute am Rande des Abgrunds steht.Just in diesen Tagen entscheiden die Gläubigerbanken und die Eigentümer darüber, ob das 1923 als „Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften“ gegründete Unternehmen noch eine Zukunft hat. Bis zum Ende dieses Monats müssen sich beide Seiten zu einem neuen Sanierungsplan durchringen, weil die Schwierigkeiten einer Tochtergesellschaft zu einer Milliardenlücke in der Konzernbilanz führen dürften. Sollten die Banken nicht auf Forderungen verzichten und die Eigentümer, vor allem die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken, eine neue Kapitalspritze verweigern, droht der Baywa, deren Aktien an der Börse notiert sind, das Aus.Mit Bayern verwoben wie sonst nur die CSUTreffen mit Schafroth in München. Er erinnert sich an früher. „Wenn irgendeine Maschine kaputt war, dann fuhr man zur Baywa. Als Erstes war da der Geruch, wenn man in die Werkstatt reingegangen ist. Wenn altes Öl auf einem warmen Motor schwitzt, das war für mich als Kind eine besondere Atmosphäre. Da fachsimpelte dann so eine Männercrew mit grünen, ölverschmierten Latzhosen unter einem Fünf-Tonnen-Traktor, und im Hintergrund lief Antenne Bayern. Man wusste, wenn der Bulldog da wieder rauskommt, dann läuft der.“ Der Bauernsohn sagt: Wenn etwas nachvollziehbar und im ländlichen Kontext begreifbar gewesen sei, dann das, was die Baywa früher gemacht habe.Ein Tankfahrzeug der BaywadpaDem Unternehmen ist es gelungen, mit Bayern in einer Weise identifiziert zu werden, wie das sonst womöglich nur noch die CSU geschafft hat. So heißt es im berühmtesten Lied der bayerischen Kabarettgruppe „Biermösl Blosn“, in dem die Baywa mit Umweltverschmutzung assoziiert wird: „Gott mit dir, du Land der Baywa / Deutscher Dünger aus Phosphat / Über deinen weiten Fluren / Liegt Chemie von fruah bis spat.“ Aber die Identifikation gibt es auch im Positiven. Ein Baywa-Insider, der namentlich nicht genannt werden will, sagt: „Die Baywa war immer ein elementarer Bestandteil des Landlebens. Egal, ob wir im Urlaub an der Nordsee waren oder in Italien, wenn ich ein Baywa-Schild gesehen habe, wusste ich, wir sind wieder daheim.“Ähnlich sieht es die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Die Baywa sei für viele Landwirte „weit mehr als ein Handelsunternehmen“, sagt die CSU-Politikerin der F.A.Z. Sie liefere Betriebsmittel, vermarkte Erzeugnisse und biete Beratung sowie technische Unterstützung. Ein kompletter Kosmos also. Zumal die Baywa in Bayern auch noch der exklusive Vertriebspartner des im Allgäu angesiedelten Traktorenherstellers Fendt ist.Zentral war immer das GenossenschaftsprinzipEin Bauer, der in Bayern etwas auf sich hält, fährt Fendt, und er geht, wenn er ein Werkzeug oder einen Baustoff braucht, eben nicht zu Obi oder Bauhaus. Dahin gehen laut Schafroth „Zahnarztehepaare, die ihr Ikea-Regal pimpen wollen“. Amateure also. Ein richtiger bayerischer Bauer hingegen ist immer zur Baywa gegangen.Zentral für die „Grüne AG“, wie die Baywa auch genannt wird, war immer das Genossenschaftsprinzip: einer für alle, alle für einen. In der Landwirtschaft, bei der Ernte vor allem, kommt es auf Verlässlichkeit an. Wenn der Mähdrescher kaputt ist und für den nächsten Tag Regen angesagt, dann muss schnell Abhilfe geschafft werden. Selbst sonntags eilte der Baywa-Mechaniker aufs Feld. Dort ist man sich auf Augenhöhe begegnet. Schafroth sagt: „Der Übergang vom Bauern zum Baywa-Mann war fließend.“ Letzterem habe oft schlicht der Grund und Boden gefehlt, um sich einen eigenen Hof zu ermöglichen.An der Basis funktioniert das Genossenschaftsprinzip noch. Die Führungsebene aber hat sich schon vor vielen Jahren abgekoppelt, die Verwurzelung im Freistaat hinter sich gelassen. Die Baywa expandierte, erschloss neue Geschäftsfelder, kaufte Obstplantagen in Neuseeland, stieg in die erneuerbaren Energien ein. Die waghalsige Expansion finanzierte die Baywa auf Pump, die Schulden erreichten etwa sechs Milliarden Euro. Finanziert von mehr als 100 Banken und mehr als 250 Schuldscheinhaltern. Die Zinsen waren niedrig – und offenbar fragte sich in der Baywa keiner, was passieren würde, sollten sie wieder steigen. Jedenfalls wurde das Zinsrisiko nicht abgesichert. Ex-Banker Schafroth sagt: „Der ehrbare Kaufmann, von dem in meiner Bankausbildung viel geredet wurde, der hat damals die Baywa-Führungsetagen verlassen.“Strom in Spanien und Kalifornien statt nur Dünger und TraktorenDie entscheidende Figur bei der Neuausrichtung war Klaus Josef Lutz. Der gebürtige Münchner, ein Rechtsanwalt und früherer Geschäftsführer der Süddeutschen Verlagsgruppe, machte aus dem einstigen Mühlenzulieferer einen Global Player, nachdem er 2008 den Vorstandsvorsitz übernommen hatte. Zwar handelte die Baywa weiter mit Getreide, Futterrohstoffen, Dünger und Traktoren, aber in diesem Geschäft sind die Margen gering, um nicht zu sagen: unsexy.Unter der Ägide von Lutz wurde die Baywa zu einem großen Unternehmen im Geschäft mit erneuerbaren Energien. Rund ein Viertel des Umsatzes und die Hälfte des Gewinns stammten in den guten Jahren aus den Energieaktivitäten, die in der Baywa Renewable Energy, kurz r.e., gebündelt sind. Lutz beließ es nicht beim Verkauf von Solarpaneelen, Batterien und Wechselrichtern, sondern stieg groß ein ins lukrative Projektgeschäft: in den Bau schlüsselfertiger Wind- und Solarparks. In Spanien ebenso wie in Kalifornien produzierte die Baywa r.e. fortan Strom.Und nachdem Deutschland den Beschluss gefasst hatte, aus der Atomkraft auszusteigen, fühlte sich Lutz bestätigt. Was der Honorarprofessor für Betriebswirtschaftslehre des Genossenschaftswesens auch jedermann wissen ließ. Bei der Baywa, sagte er einmal, sei schon über erneuerbare Energien gesprochen worden, „da wusste Angela Merkel noch nicht, wie man Fukushima schreibt“.Der „Sonnenkönig“ spaziert versonnen über eine BergwieseIn der Baywa galt Lutz, dem auch Skeptiker ein einnehmendes Wesen bescheinigen, wegen seines Führungsstils und seiner Machtfülle als „Sonnenkönig“. Legion sind die Geschichten, die sich um ihn ranken. Bei Treffen, auf denen der Chef zu Führungskräften sprach, lautete die Formel für einen halbwegs ungefährlichen Sitzplatz im Auditorium „Mitte Mitte“ – man wollte unbedingt vermeiden, von Lutz, der bei seinen Vorträgen den Raum zu durchmessen pflegte, zufällig befragt und bei einer unbefriedigenden Antwort von ihm bloßgestellt zu werden.Zur Feier des hundertjährigen Bestehens in der Isarphilharmonie engagierte Lutz 2023 Sarah Connor, seine Lieblingssängerin. Zu diesem Jubiläum wurde auch ein monumentaler Bildband im edlen grünen Schuber produziert, „Hundert Gesichter der BayWa“, für den ein renommierter Fotograf um die Welt geschickt wurde. Highlight: Lutz geht auf einer Doppelseite über eine Bergwiese, so versonnen wie einst Franz Beckenbauer nach dem WM-Sieg 1990 über den Rasen des Olympiastadions in Rom wandelte.Geld schien unter Lutz keine Rolle zu spielen. Es hieß, wenn du einen Sponsor brauchst, dann geh zur Baywa. Profiteur unter anderem: FC Bayern Basketball – eine Sportart also, die man nicht direkt mit dem bäuerlichen Bayern in Verbindung bringen würde. Lutz’ Strategie, in Zeiten, in denen Agrarprodukte am Weltmarkt gehandelt werden, auch sein Unternehmen daran partizipieren zu lassen, mochte zumindest seinerzeit schlüssig gewesen sein – aber die Zukäufe wurden nach Ansicht von Fachleuten weder ausreichend geprüft noch vernünftig in die bestehenden Strukturen integriert.Gute Beziehungen und ein bayerischer VerdienstordenLutz handelte freilich nicht allein. Es gab viele in der Baywa, die sich, buchstäblich, vom Stallgeruch befreien wollten. Kein Mensch ist davor gefeit, auch der Bauernbub Schafroth nicht. Über seine Zeit im Finanzsektor sagt er: „Ich wollte unbedingt zur Commerzbank, die fand ich damals etwas mondäner als Sparkasse oder Raiffeisenbank. Zur Raiffeisen sagte man bei uns ,Kartoffelbank‘.“Im Glanz von Lutz sonnten sich viele – oder trugen zumindest dazu bei, ihn zu mehren. Ministerpräsident Markus Söder zeichnete den Baywa-Chef 2022 mit dem Bayerischen Verdienstorden aus, insbesondere würdigte der CSU-Vorsitzende, dass Lutz im Baywa-Konzern „unter anderem erfolgreich auf das Geschäftsfeld der erneuerbaren Energien“ gesetzt habe.Lutz pflegte auch enge Beziehungen zu dem Münchner Anwalt und „begnadeten Netzwerker“ („Süddeutsche Zeitung“) Stavros Kostantinidis, der es regelmäßig schafft, die Top-Shots der bayerischen Politik bei seinen Events zu versammeln. Lutz ist sogar dessen Trauzeuge. Über eine Geburtstagsparty von Kostantinidis, bei der dieser die Gäste ermunterte, für Flutopfer zu spenden, schrieb die „tz“ 2021: „Nach wenigen Minuten hat Stavros Kostantinidis 435.000 Euro eingesammelt, Wintergerst (Geschäftsführer von Giesecke+Devrient; Anm. d. Red.) rundet auf 450.000 auf – und Professor Klaus Lutz verdoppelt.“ Der Baywa-Chef kenne sich eben „bestens aus beim Zahlenjonglieren“.Lutz, Kostantinidis, Herrmann mit dem 900.000-ScheckGettyEin Opfer der Spezlwirtschaft?Auch im Baywa-Aufsichtsrat war Prominenz vertreten, das Mandat ungewöhnlich hoch vergütet. Das richtige Parteibuch und die persönliche Nähe waren dort offenbar wichtiger als Unabhängigkeit und Sachverstand: Diesen Eindruck vermittelte jedenfalls die Zusammensetzung des Gremiums in der Lutz-Ära. Während der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, CDU-Mitglied, von der Sache etwas verstehen dürfte, lässt sich das von der CSU-Europaabgeordneten Monika Hohlmeier, Tochter des früheren Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, nicht ohne Weiteres sagen. Inzwischen hat sie, die einst eine Ausbildung zur Hotelkauffrau und ein VWL-Grundstudium an der Fernuniversität Hagen absolviert hat, nach vehementen Aktionärsprotesten ihr Aufsichtsratsmandat abgegeben. Sie hatte es immerhin seit 2013 innegehabt.Ein Insider sagt der F.A.Z.: „Unter Corporate-Governance-Gesichtspunkten ist die Baywa eine Katastrophe.“ Schafroth formuliert es so: „Ich glaube, wenn die Baywa nicht in Bayern wäre, hätte sie jetzt die Probleme nicht. Sie ist eigentlich ein Opfer der Spezlwirtschaft, ein Opfer des Klüngels und auch ein Opfer des Nichthinterfragens.“ Oder, positiv ausgedrückt: „Die Baywa ist halt ein Wimpernschlag altes Bayern. Das ist ja fast schon romantisch. Der Franz Josef wird augenzwinkernd im Mausoleum liegen.“Heute schauen interne und externe Ermittler auf Lutz’ AktivitätenLutz verabschiedete sich nach 15 Jahren mit einer Rekordbilanz und einer Millionenabfindung, übergab den Vorstandsvorsitz an seinen Ziehsohn Marcus Pöllinger und wechselte ohne die übliche Abkühlungszeit direkt an die Spitze des Aufsichtsrats. Auch sonst blieb er zunächst eine große Nummer als Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern. Für die Baywa wurden die Zeiten hingegen härter. Die Getreidepreise sanken, die Zinsen stiegen. Unter Pöllinger, dessen Maßanzüge eher an Maximilianstraße als an Mähdrescher denken ließen, fiel das Kartenhaus zusammen: Die steigenden Zinsen legten die missliche Finanzierungsgrundlage offen – hohe Verschuldung bei niedriger Eigenkapitalquote. Im Spätsommer 2024 drohte die Insolvenz. Ausgerechnet in der Erntezeit mussten die Bauern fürchten, für ihren Weizen, Roggen oder Dinkel von der Baywa kein Geld zu erhalten.Die Unsicherheit von damals ist einer gewissen Unzufriedenheit gewichen, weil die Landwirte, die meist auch Aktionäre der Baywa sind, das Geld für ihr Getreide nicht mehr wie früher binnen zwei Wochen bekommen, sondern nur an festgelegten Stichtagen – wie bei anderen Agrarhändlern auch. Eine echte Ausweichmöglichkeit haben die meisten Landwirte nicht, weil die Baywa in vielen Regionen als Ankäufer für Getreide Monopolist ist.Lutz’ Aktivitäten und ihre Folgen beschäftigen heute interne wie externe Ermittler. Der neue Baywa-Aufsichtsrat hat eine „lückenlose Aufklärung der Ursachen und Verantwortlichkeiten für die entstandene Schräglage“ versprochen. Es soll etliche Verfehlungen gegeben haben, die Lutz allesamt bestreitet. Zur Feier des 60. Geburtstags von Monika Hohlmeier im Jahr 2022 soll er den Kabarettisten Django Asül mitgebracht, die Gage für dessen kurzen Auftritt von mehr als 10.000 Euro soll die Baywa bezahlt haben. Auch der Millionenbonus, den Lutz nach seinem Abschied von der Führungsspitze erhielt, ist Teil der internen Untersuchungen.Festakt zum hundertjährigen Jubiläum der Baywa in der Isarphilharmonie mit dem Kabarettisten Django AsülPicture AllianceKünftig soll die Baywa auf vier Säulen stehenIm Fall Baywa ist obendrein die Bundesaufsicht Bafin eingeschaltet, auch die Staatsanwaltschaft München I ermittelt. Es geht etwa um die Frage, ob die Situation des Konzerns zu gut dargestellt, die Bilanz des Geschäftsjahres 2023 geschönt wurde. Die Ermittlungen richten sich offiziell „gegen ehemalige Mitglieder des Vorstands“. Dazu gehören unter anderem Pöllinger sowie der ehemalige Finanzvorstand Andreas Helber. An dieser Stelle hat Lutz nichts zu befürchten, denn die mutmaßliche Falschdarstellung in der 2023er-Bilanz wurde von ihm nicht unterschrieben. Bei ihm allerdings steht der Verdacht auf Untreue im Raum, wie die Strafbehörde im Januar mitteilte.Seit der Krise wickeln die Sanierer in der Baywa ab, was unter Lutz aufgebaut wurde. Dabei musste erst Lutz-Intimus Pöllinger gehen und dann auch dessen Nachfolger an der Vorstandsspitze, sodass nun mit dem Sanierungsvorstand Michael Baur der dritte Chef in zwei Jahren am Ruder sitzt. Der nüchterne Zahlenmensch Baur, der von der Beratungsfirma Alix kam, muss bis Ende 2028 den Umbau bewerkstelligen. Wenn der gelingt, dann wird die Baywa ein sehr viel kleineres Unternehmen sein, das auf vier Säulen stehen soll, dem Agrarhandel, der Landwirtschaftstechnik, dem Bauwesen und dem Handel mit fossilen Brennstoffen. Die auf zehn Milliarden Euro Umsatz geschrumpfte Baywa dürfte dann noch rund 7000 Mitarbeiter beschäftigen.Sinn der Schrumpfung ist die Reduzierung der Schuldenlast um mindestens vier Milliarden Euro. Die Gläubigerbanken und die beiden Großaktionäre, die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG (BRB) und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest, haben die Sanierung erst möglich gemacht, indem sie seit Ausbruch der Krise mehr als eine Milliarde Euro frische Liquidität zur Verfügung stellten. Wegen der neuerlichen Schwierigkeiten der Tochtergesellschaft Baywa r.e. reicht das nicht mehr. Die kapitalintensiven Wind- und Solarparkprojekte belasten die Konzernbilanz, und die nötige Neubewertung für die zum Verkauf stehende Baywa r.e. dürfte schon bald ein Milliardenloch aufreißen.Nun wird hart gerungen: Die Gläubigerbanken sollen auf die Rückzahlung von Krediten von bis zu 900 Millionen Euro verzichten. Obendrein müssten aber auch die Eigentümer, darunter die 175 bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken, die über ihre Beteiligungsgesellschaft BRB die größten Baywa-Anteilseigner sind, einen dreistelligen Millionenbetrag beisteuern. Noch liegen beide Seiten weit auseinander, ist aus Verhandlungskreisen zu hören. An diesem Dienstag soll die Entscheidung fallen, solange halten die Banken still.Die Politik, die sich einst so gern an der Seite der Baywa-Bosse zeigte, hält sich inzwischen mit Einschätzungen zurück. Landwirtschaftsministerin Kaniber sagt, die Baywa sei „ein börsennotiertes Unternehmen mit eigenen Organen und eigenen unternehmerischen Entscheidungen. Politische Parteien haben darauf keinen Einfluss.“ Aus Sicht der Landwirtschaft sei es entscheidend, dass die BayWa „ihre wichtige Funktion als verlässlicher Partner der Betriebe auch künftig erfüllen kann“.Stefan Müller war früher auch Politiker, zuletzt parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Heute ist er Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern. Er unterstützt den Kurs des Sanierungsvorstands: „Der goldene Weg führt die Baywa zurück zu ihren Wurzeln. Der Fokus muss auf dem Kerngeschäft Agrar- und Landmaschinenhandel liegen, samt der Baustoffsparte als vernünftige Beimischung in einem ansonsten margenarmen Geschäft“, sagt Müller der F.A.Z. In Anlehnung an Schafroths Stück könnte man auch sagen: „Schrumpfe oder weiche.“