Mit uralten Ritualen bewahren die Purépecha in Mexiko eine Sporttradition, die älter ist als Fußball – und plötzlich wieder im Rampenlicht steht.

A ls die Sonne untergeht, stehen sie sich im Cuauhtémoc-Wald in der mexikanischen Stadt Morelia gegenüber: Zwei Gruppen, beide in Weiß gekleidet, eine mit einer roten Schärpe um die Hüfte und die andere mit einer blauen. Die Roten stehen für die Sonne, die Blauen für den Mond. „Wenn man anfängt“, sagt Francisco Manuel Sánchez, einer von den Roten, „dann nimmt man an, dass wir uns im Zentrum des Universums befinden und Sonne und Mond bekämpfen einander. Es ist ein Spiel der Krieger. Es geht um den Kampf von Licht gegen Dunkelheit, Gut gegen Böse.“

Es ist still rundum. Einer der Männer bläst in eine Muschel und erzeugt einen durchdringenden Ton. Sie stellen sich um die Hockeyschläger auf, die am Boden liegen und dort zusammen mit dem Ball die Form einer Sonne bilden. Die Roten und die Blauen grüßen mit erhobener Faust in alle vier Himmelsrichtungen. „Wir bitten um Erlaubnis, dass wir das heilige Spielfeld betreten dürfen“, sagt Sánchez. Wenn die Erlaubnis erteilt ist, wird der Ball entzündet. Es ist ein Ball aus Colorín-Holz, einem lokalen Baum, der vielen indigenen Völkern heilig war. Er brennt lichterloh. Und dann, ja, dann wird die Partie gespielt.