Astana Qul aus Afghanistan kämpft dafür, seine Frau und Töchter nach Deutschland zu holen. Der 15-jährige Syrer Taim Hasan fragt sich, wann er seine Eltern wiedersieht.
E s ist 6.17 Uhr, als an diesem Samstagmorgen im Juni Astana Quls Telefon klingelt. Die Töchter des 27-Jährigen hätten die Stimme ihres Vaters hören wollen, um sich nicht so allein zu fühlen, erzählt Qul später am Tag. Khadija, Aisha, Fatima und Ruqiya wohnen in einem Dorf der Region Faryab im Nordosten Afghanistans. Meistens sei zuerst die neunjährige Khadija am Apparat oder Aisha, mit acht Jahren die Zweitälteste. „Ich versuche, immer online zu sein, damit sie mich anrufen können, wenn sie Angst haben.“ Astana Qul war Lehrer an einer Mädchenschule, bevor die Taliban Faryab eroberten. Quls jüngste Tochter Rukaja war da gerade mal ein Jahr alt. Die Taliban hatten ihn aber schon bedroht, lange bevor sie die Stadt einnahmen. Dass er Mädchen in Chemie und Naturwissenschaften unterrichtete, passte den Radikalislamisten nicht. Als sie im August 2021 die Macht übernahmen, floh Qul nach Deutschland.
Über den Garagen im betonierten Hinterhof von Quls Wohnung im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen hängen die Balkone wie Waben an den Häusern. Darauf stehen Pflanzen und viele Wäscheständer mit Kinderklamotten. Astana Qul hatte schon eine Wohnung für seine Familie angemietet, erzählt er, hoffend, dass sie bald wieder zusammen sein könnten und seine schwer leberkranke Frau in Deutschland eine bessere Behandlung bekommen würde; dass seine Töchter nicht mehr jede zweite Woche allein zu Hause wären wie jetzt in Faryab, wenn seine Frau zur Behandlung der Leberzirrhose im Krankenhaus sei. Qul würde dann für seine Kinder da sein können, wann immer seine Frau es nicht könne. Doch alles kam anders als geplant.









