Nach dem Bürgerentscheid in Nürnberg will die Stadt den Ausbau des staugeplagten Frankenschnellwegs nun vorantreiben. „Jetzt werden die Ausschreibungen freigegeben“, kündigte Oberbürgermeister Marcus König (CSU) an. Die Stadt hatte diese wegen des Bürgerentscheids zurückgehalten.Der Ausbau des Frankenschnellwegs in Nürnberg spaltet seit vielen Jahren die Stadt und beschäftigte bereits mehrere Gerichte, wo die Gegner Niederlagen kassierten. Beim Bürgerentscheid waren nun rund 380 000 wahlberechtigte Nürnbergerinnen und Nürnberger gefragt.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Mit rund 53 Prozent lehnte nach Auswertung des Wahlamts am Sonntag die Mehrheit den Bürgerentscheid ab und stimmte damit für den Ausbau der staugeplagten Verkehrsachse. Knapp 47 Prozent sprachen sich dafür aus, die Baupläne zu stoppen.Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 40 Prozent und damit höher als bei früheren Bürgerentscheiden in Nürnberg. Das dürfte auch daran gelegen haben, dass die Wahlberechtigten automatisch Briefwahlunterlagen zugeschickt bekommen hatten und viele diese nutzten – 89 Prozent der Stimmen kamen per Brief, nur elf Prozent wurden an der Urne abgegeben.Den anteilig größten Zuspruch für ihr Anliegen erhielten die Initiatoren den vorläufigen Zahlen zufolge unter den jungen Frauen. Mehr als zwei Drittel in der Altersgruppe von 25 bis 35 sprachen sich für einen Planungsstopp aus. Die größte Zustimmung für den Ausbau war bei Männern über 70 Jahren festzustellen: 70,8 Prozent von ihnen votierten dafür. Einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis nahm indes die zahlenmäßig größte Altersgruppe der 45- bis 60-Jährigen: Sowohl bei den Frauen (40,8 Prozent ja zum Planungsstopp, 59,2 Prozent nein) als auch bei den Männern (35 Prozent ja, 65 Prozent nein) erging ein klares Votum.Überdies auffällig: Im Zentrum der Stadt, wo SPD, Grüne und Linke für gewöhnlich gut abschneiden, votierte die Mehrheit für den Stopp. An den Rändern Nürnbergs, wo die CSU traditionell stark ist und die AfD ihren meisten Zuspruch erhält, sprachen sich dagegen mehr Menschen für den Ausbau aus. Hier war die Beteiligung an der Abstimmung auch höher.Die Gegner halten das Bauprojekt für zu teuer und für zu kurz gedachtDer Frankenschnellweg ist die innerstädtische Verlängerung der Autobahn 73 und wird in Nürnberg zum Nadelöhr, weil mehrere Kreuzungen den Verkehr ausbremsen. Die Stadt will deshalb einen 1,8 Kilometer langen Tunnel für den Durchgangsverkehr errichten. Außerdem sind weitere Lärmschutzwände geplant und im Westen eine dritte Spur. Die Kosten sind mit rund einer Milliarde Euro veranschlagt, wovon das Land den Großteil tragen wird.Die Initiatoren des Bürgerentscheids halten das Bauprojekt dagegen für zu teuer und für zu kurz gedacht. Aus ihrer Sicht wird es das Stauproblem nicht lösen, sondern noch mehr Verkehr – vor allem Lastwagen – auf die Strecke ziehen. Obgleich sie ihre Kritik an der aus ihrer Sicht beschönigenden Kommunikation der Stadt zu dem Projekt erneuerten, kündigten die Initiatoren noch am Sonntagabend an, das Ergebnis des Bürgerentscheids zu akzeptieren.Man freue sich, „dass 71 368 Nürnbergerinnen und Nürnberger für eine zeitgemäße Stadtentwicklung gestimmt haben“, sagte Brigitte Sesselmann von der Bürgerinitiative am Montagmorgen ausweislich einer Pressemitteilung. Zugleich bedauere man, „dass es nicht gereicht hat, um der Stadt einen folgenreichen Fehler zu ersparen“. Die Initiatoren würden „die weitere Entwicklung kritisch begleiten“.Nach den Plänen der Stadt könnten nun bald die Vorbereitungen für die ersten Bauarbeiten beginnen. Zunächst sollen im Abschnitt West eine dritte Fahrspur und Lärmschutzwände entstehen. Start könnte im Frühjahr 2027 sein. Voraussichtlich 2030 könnten die Bauarbeiten im Mittelabschnitt weitergehen. Rund zehn Jahre sind dafür veranschlagt.