PfadnavigationHomePolitikDeutschlandBerlin„Instrumentalisierung inakzeptabel“ – Polizei beendet Kinder-Darstellung bei „Aschura-Marsch“Stand: 18:31 UhrLesedauer: 3 MinutenBei der schiitischen Versammlung in Berlin marschierten auch Kinder aufQuelle: picture alliance/ZUMAPRESS.com/Michael KuenneBilder von an Seilen verbundenen Kindern bei einer Zusammenkunft von schiitischen Muslimen in Berlin lösen Empörung aus. Die Polizei beendet den Marsch zum Aschura-Gedenktag bei Temperaturen von knapp 40 Grad. Berlins Innensenatorin übt scharfe Kritik.Eine Demo anlässlich eines schiitischen Festes hat am Sonntag für Kritik gesorgt. Nach Angaben der Polizei wurden bei der Veranstaltung in Berlin-Mitte am Samstag bei Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius Kinder in eine szenische Darstellung der historischen Verschleppung von Frauen und Kindern eingebunden. Die Kinder seien dabei aneinander zusammengebunden gewesen. Zunächst berichtete der „Tagesspiegel“.Der Polizeiführer habe die Darstellung in einem Kooperationsgespräch mit der Versammlungsleitung unverzüglich untersagt, teilte die Polizei mit. Die Versammlungsleiterin habe dann dafür gesorgt, dass das „Theaterstück“ beendet wurde. „Die Kinder verließen aufgrund der Hitze den Aufzug selbstständig nach einigen Metern“, hieß es von der Polizei. Scharfe Kritik an DemoDas Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) veröffentlichte am Samstag einen Zusammenschnitt, der Videos und Bilder der Demonstration zeigen soll. Darin sind mindestens drei Kinder in langer, grüner Kleidung zu sehen, mit Seilen zwischen sich. Sie folgen einem Mann, der komplett gelb gekleidet ist. Die Versammlung war mit dem Titel „Aschura-Marsch“ für Solidarität gegenüber allen unterdrückten Menschen weltweit angekündigt. Aschura gilt als Trauerfest im schiitischen Islam. Gläubige erinnern dabei an den Märtyrertod des von ihnen verehrten Imams Hussein, eines Enkels des Propheten Mohammed. Während Aschura nehmen Pilger an Trauerprozessionen teil. Für einen Großteil der Schiiten hat das Fest aber auch rein gesellschaftlichen Charakter und ist Anlass für Treffen mit Familie und Freunden. Einige Schiiten geißeln sich zu Aschura auch selbst, um an die Leiden Husseins zu erinnern.Im Libanon etwa, wo eine brüchige Waffenruhe zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz besteht, versammelten sich Tausende schwarz gekleidete Menschen in den südlichen Vororten von Beirut an einem Schrein für den langjährigen Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, der 2024 bei einem israelischen Luftangriff getötet wurde. Frauen hielten Fotos ihrer im Krieg getöteten Söhne und Brüder, von denen viele für die Hisbollah gekämpft hatten. Andere trugen Bilder des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei, der Ende Februar bei einem Angriff der USA und Israels getötet worden war.Das JFDA bezeichnete die Demo in Berlin als islamistisch, Teilnehmer hätten sich zu Ikonen des islamischen Terrorismus bekannt. Nicht nur dem früheren iranischen Revolutionsführer Ali Khamenei, der bei den Angriffen Israels und der USA Ende Februar getötet wurde, sei gehuldigt worden, sondern auch Nasrallah.Innensenatorin Spranger nennt Aktion „inakzeptabel“Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) kritisierte mit deutlichen Worten, dass Kinder an einer szenischen Darstellung beteiligt waren. „Wir schützen in unserem Rechtsstaat die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Absolut inakzeptabel ist aber die Funktionalisierung und Instrumentalisierung von Kindern auf Versammlungen wie am gestrigen Samstag, um durch emotionale Bilder politische Botschaften zu senden“, sagte Spranger laut einer Mitteilung. Kinder bei extremer Hitze auf Demonstrationen vorzuführen, habe nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun, „sondern mit einer Gefährdung des Kindeswohls“.Lesen Sie auchNach Angaben der Polizei nahmen etwa 600 Menschen an der Versammlung teil. Aufgrund der hohen Temperaturen mussten demnach mehrere Versammlungsteilnehmende wegen Kreislaufbeschwerden medizinisch versorgt werden. Lesen Sie auchAuf eine geplante Zwischenkundgebung wurde verzichtet und der Aufzug zwischenzeitlich unterbrochen, um den Teilnehmenden eine Trinkpause im Schatten zu ermöglichen. „Im gesamten Verlauf der Versammlung wurden durch eingesetzte Dolmetscher keine strafbaren Inhalte bei Ausrufen und Redebeiträgen, an mitgeführten Transparenten sowie Fahnen, insbesondere keine IS-Fahnen, festgestellt“, teilte die Polizei mit. Die Versammlung verlief demnach „insgesamt friedlich“.dpa/krö