Die Region darf ihre Theater ruhig schon jetzt ein bisschen feiern: Drei Nominierungen für den Theaterpreis „Der Faust“ für das Staatstheater Mainz, eine für das Staatstheater Kassel und eine für das Schauspiel Frankfurt, das ist ein schöner Erfolg. Wenn man noch an diejenigen denkt, die den hiesigen Theatern eng verbunden sind, gibt es noch mehr Grund zur Freude: Jan-Christoph Gockel etwa, lange in Mainz tätig und seither regelmäßiger Gast am Schauspiel Frankfurt, ist für „Wallenstein“ an den Münchner Kammerspielen nominiert.Frankfurt wiederum ist mit Josa Marx für die Kostüme von „Arturo Ui“ dabei. Das ist schön, noch schöner wäre es, würde das Haus, dessen Nominierungen zum „Faust“ und Einladungen zum Theatertreffen schon eine ganze Weile zurückliegen, auch in den Kategorien Regie oder Darsteller punkten. Man könnte behaupten, Preise und Treffen bedeuteten nichts. Als das Staatstheater Wiesbaden 2025 das erste Mal nach 60 Jahren zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, mit „Double Serpent“ von Sam Max in der Regie von Ersan Mondtag, gab es spitze Bemerkungen: Es komme nicht darauf an, ob ein Theater andernorts anerkannt werde, sondern allein darauf, ob das Gebotene dem heimischen Publikum gefalle. Doch mit solchen Anerkennungen ist es durchaus so wie mit Olympia – oder den Bundesjugendspielen: Dabei sein ist, wenn nicht alles, so doch sehr viel. Auch nach innen.Die Auslastungszahlen, also der durch Tickets ausgedrückte Zuspruch, und die Anerkennung durch externe Fachleute können, müssen aber nicht übereinstimmen. Und die Kriterien der Anerkennung kann man befragen. Aber es gibt Augenzucker, der künstlerisch nicht viel bringt und das Haus füllt. Ebenso gibt es Theater, das fordernd ist, aber jene, die es gesehen haben, durch innere Notwendigkeit überzeugt, auch wenn Plätze leer bleiben. Der Idealfall ist beides: anspruchsvolle Bühnenkunst, die neue Wege geht und zugleich das Publikum hinreißt.Das scheint, schaut man auf die Mainzer Auslastungszahlen und die Nominierungen, gerade dem Tanz zu gelingen: Alain Lucien Øyens Choreografie „Underdog“, Nora Monsecour als Tänzerin in „Façade“ und das witzige Kinderstück „Mopps“ von Hanna Bylka-Kanecka stehen für Mainz auf der Liste, auch in Kassel ist es mit Andrea Peñas „Let’s talk about Trance“ der Tanz, der nominiert ist. Auch die Träger der Deutschen Tanzpreise, soeben bekannt gegeben, sind eng mit Rhein-Main verbunden: Die Choreographin Rafaële Giovanola tanzte einst in Frankfurt bei William Forsythe, war Gast beim Hessischen Staatsballett und mehrfach bei Tanzmainz, wo sie für „Sphynx“ 2022 den „Faust“ gewann. Und der Tanzpreis für das Lebenswerk geht an den Choreographen Martin Schläpfer, der 1999 bis 2009 etwas hervorgebracht hat, was man das „Mainzer Tanzwunder“ nannte. Wunder, egal in welcher Bühnenkunst, nimmt man immer gern.
Theaterpreis „Faust“: Anerkennung für den Tanz in Mainz und Kassel
Nominierungen und Preise sind egal? So ganz stimmt das nicht. Und es sagt durchaus etwas, wenn Theater aus Mainz, Kassel und Frankfurt für den „Faust“ nominiert werden. Es gibt also schon vorab etwas zu feiern.











