PfadnavigationHomeReiseFür Sofa-ReisendeDiese Bildbände bringen Sie dem Wesen des Wassers so nah wie nieVon Frank RumpfStand: 11:35 UhrLesedauer: 6 MinutenAuf Augenhöhe mit dem Fotografen: Meeresschildkröte aus dem Bildband „Wilder Ozean“ Quelle: Peter & Beverly Pickford/Wildlandwildocean.comInspiration für die nächste Reise: Wasser ist das dominierende Element auf der Erde. Wer die faszinierende Vielfalt der Flüsse und Meere verstehen will, findet hier gute Gründe, wieder einmal in oder aufs Wasser zu gehen.Mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Streng genommen wäre „Wasser“ der passendere Name für den Planeten Erde. Wie vielfältig dieses Element ist, wie künstlerisch es im gefrorenen Zustand wirken kann und dass selbst ein altbekannter Strom wie der Rhein überraschend frisch und abenteuerlich erscheint, wenn man sich ihm auf neue Weise nähert, zeigen drei originelle Bildbände auf eindrucksvolle Weise.Alle sind opulent gestaltet, mit großer Sorgfalt und hoher Qualität, alle bieten viel Inspiration für kommende Reisen. Zugleich schärfen sie unaufdringlich den Blick dafür, wie wertvoll unsere Gewässer sind. Barsch zeigt sich der Zackenbarsch Schon das Cover des Bandes „Wilder Ozean“ von Peter und Beverly Pickford ist eine Wucht. Es zeigt einen Schwarzspitzen-Riffhai inmitten von kohlblättrigen Korallen vor Westaustralien. Ein Farben- und Formentraum in Türkis, Bronze und Weiß, anmutig und durchkomponiert, wie nur die Natur es schafft.Der Einband gibt die Haltung des gesamten Buches vor: Die beiden preisgekrönten Natur- und Tierfotografen aus Südafrika wollen die ungezähmte Welt am und unter Wasser in ihrer ganzen Schönheit zeigen. Das ist gelungen!Vier Jahre war das Ehepaar für dieses Buch unterwegs. Es verbindet ästhetischen Anspruch mit dem Engagement für den Schutz der Natur. Dass die Autoren dabei nicht auf rührende Niedlichkeit setzen, sondern im Gegenteil auf Kraft und Wucht der Tierwelt, überzeugt vollkommen.Lesen Sie auchDer glubschäugige Robbenwelpe im Band bleibt die Ausnahme. Stattdessen sieht man einen klitschnassen Eisbären, der mit Blick und Körperhaltung keinen Zweifel daran lässt, ein gefährlicher Räuber zu sein. Man sieht eine Meeresschildkröte, die mit der Flosse zu grüßen scheint. Und man sieht einen Zackenbarsch vor Kuba, der ziemlich missgelaunt in die Kamera schaut, als wolle er mitteilen, dass er um dieses Foto nicht gebeten hat. Der Band reicht von der Arktis bis zum Südpol, führt zu den Schönheiten der Galapagosinseln und erkundet die Gewässer vor Palau, Panama und Südafrika – wirklich einmalige Unterwasserwelten, perfekte Reviere für die nächste Tauch- oder Schnorchelreise. Allein der Atlantik ist etwas knapp behandelt: Die Autoren beschränken sich auf die Jardines de la Reina vor Kuba, einen Tummelplatz für Riffhaie, den Fidel Castro einst persönlich unter Naturschutz stellte. Lesen Sie auchAusführliche, den Kapiteln als Einleger vorangestellte Texte berichten von den Begegnungen mit den Tieren und den Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind. Beispiel: Es kreuzten kurz nach dem Auftritt einer Herde Buckelwale vor der antarktischen Halbinsel drei große Fabrikschiffe auf, die die Nahrungsgrundlage der Wale und Pinguine, den Krill, massenweise aus dem Wasser holten.Das Buch schließt mit Adressen von Anbietern, mit denen sich Leser, die die Wunder der Meere mit eigenen Augen sehen wollen, auf Expedition begeben können. Eis, Eis, Baby Während sich der Band der Pickfords durch alle Klimazonen bewegt, entscheidet sich der bayerische Naturfotograf Stephan Fürnrohr für eine radikale Beschränkung: Kälte. Eis. Arktis. Sein neues Buch „Vom Wesen des Eises“ widmet sich dem Wasser im gefrorenen Zustand, und wer zunächst vermutet, dass sich daraus kaum 240 Seiten gewinnen lassen, täuscht sich. Seit 1988 bereist Fürnrohr Grönland – die größte Insel der Welt spielt eine Hauptrolle. Er kennt Gletscher, Eisberge, Eisschollen und Eiskristalle, als sei er jenseits des Polarkreises geboren und nicht im milden Regensburg. Vor allem aber weiß er, wie man diese weißen, flüchtigen Erscheinungen fotografisch festhält. Eine Kunst, die größer ist, als es scheint, denn allzu schnell wirken Eisriesen auf Fotografien flach, matt und leblos. Dass hier ein Künstler am Werk ist, zeigen schon die Bildunterschriften, die klingen wie Titel abstrakter Gemälde: „Dreaming“, „Wave Stripes“, „Silence“, „Ice Cold Dreams“. Man kann den Band einfach als Sofa-Reisender durchblättern und sich dem Bilderrausch hingeben, der wohltuenden Begrenztheit der Farben, den Mustern im Eis, die mal wild und ungestüm sind wie eine aufgewühlte See, mal still und gezeichnet wie Narben auf der Haut. Man kann ihn natürlich auch ideal als ästhetische Vorbereitung auf eine Arktis-Kreuzfahrt nutzen.Danach lohnt der Blick auf die zweite Ebene des Buches: die Texte des Autors, mal sachlich, mal persönlich. Fürnrohr ist Präsident der Gesellschaft für Naturfotografie, einer der wichtigsten europäischen Verbände dieses Genres. Stets will er den Lesern auf Augenhöhe begegnen.Lesen Sie auchSeine Erklärungen zum fotografischen Handwerk sind eine vorzügliche Ergänzung. So erfährt man, dass Fürnrohr wolkenverhangene Tage bevorzugt, weil dann die Strukturen des Eises besser zur Geltung kommen und es manchmal fast weich und zart erscheint. Das Ergebnis gibt ihm recht. Rein in den Rhein Im deutschesten aller Flüsse zeigt sich Sänger Till Lindemann am Ende des Buches ernst und unergründlich, als moderner Simon Petrus, knöcheltief im Wasser stehend, einen großen Fisch am Haken.Man muss in dieses Bild nicht mehr hineinlesen, als es zeigt: einen naturverbundenen Abenteurer nach einer langen Kanufahrt auf dem Rhein, unterwegs mit seinem Kumpel, dem Musiker und Extremsportler Joey Kelly. Das Foto entstand im Sommer 2020 – drei Jahre bevor Vorwürfe des Machtmissbrauchs und sexueller Übergriffe gegen Lindemann und das Bandumfeld auftauchten. Die Ermittlungen dazu wurden 2024 eingestellt, erst Ende 2025 ist das Buch veröffentlicht worden. Ohnehin geht es weniger um Lindemann und Kelly als um den faszinierenden Fluss, den sie befahren. Deshalb verdient der Bildband eine Empfehlung. Die Idee wirkt zunächst fast wie ein Scherz. Nach gemeinsamen Expeditionen auf Yukon und Amazonas (abgebildet in zwei vorherigen Bänden) wenden sich die beiden einem Strom zu, der mitten durch eine dicht besiedelte Kulturlandschaft fließt, seit Jahrtausenden genutzt, umkämpft, beschrieben, besungen. Was sollte es hier noch zu entdecken geben?Viel! Denn es gelingt Lindemann und Kelly, den Rhein aus der Perspektive des Kanus neu zu lesen. Der Strom erscheint weniger als Verkehrsader oder romantisches Zitat, sondern als physischer Raum, dessen Uferkanten und Übergänge sichtbar werden. Das ist vor allem dem großartigen Fotografen Thomas Stachelhaus zu verdanken, der mit harten Kontrasten und reduzierter Farbigkeit arbeitet, was den Bildern eine rohe Dramatik verleiht. Die Route folgt dem Rhein von der Schweizer Grenze bis hinab nach Rotterdam, vorbei an den verträumt wirkenden Fachwerkhäusern von Gottlieben bei Konstanz, durch die bewaldeten Hügel des Mittelrheins, unter der Kölner Hohenzollernbrücke hindurch, wo der Dom pflichtbewusst im Hintergrund wacht, bis hinaus ins weite Delta mit Windrädern und Frachtern an der Nordsee.Zwischendurch verlassen die prominenten Kanuten das Boot, setzen sich auf schattige Bänke und beobachten schweigend Männer in Dreiviertelhosen beim Boulespiel: kleine, beiläufige Szenen, in denen sich der Rhein als sozialer Raum ebenso zeigt wie als Landschaft. So harmlos dahinfließend, wie der Rhein auf vielen Bildern wirkt, war er für Lindemann und Kelly allerdings nicht. Vielleicht ist deshalb für alle, die ihr Abenteuer nachahmen möchten, eine klassische Flusskreuzfahrt die bessere Wahl als eine eigene Kanu-Expedition.In einem beigefügten Interview, ergänzt durch Gedichte Lindemanns, erfährt man, dass Strömungen und Schiffsverkehr die Fahrt anspruchsvoller machten als erwartet, herausfordernder als auf dem Amazonas. Und noch etwas verrät Lindemann: So groß der Spaß auch war, einen Rammstein-Song über die Loreley wird es vorerst nicht geben.
Reiseinspiration: Diese Bildbände bringen Sie dem Wesen des Wassers so nah wie nie - WELT
Wasser ist das dominierende Element auf der Erde. Wer die faszinierende Vielfalt der Flüsse und Meere verstehen will, der findet hier gute Gründe, wieder einmal in oder aufs Wasser zu gehen.








