Als Bad Bunny und Residente an ihrem Song „Bellacoso“ arbeiteten, befanden sich die Musiker messbar auf einer Wellenlänge. Die Neurowissenschaftlerin Suzanne Dikker hatte den Musikern Kappen aufsetzen lassen, um ihre Hirnströme zu messen. An diesen EEG-Mützen waren Elektroden angebracht, die die elektrische Aktivität des Gehirns aufzeichnen. Präziser ausgedrückt liefern sie ein Bild der Spannungsschwankungen im menschlichen Zentralprozessor, die sich als rhythmische Aktivitätsmuster offenbaren. Und als Bad Bunny und Residente da 2019 im Studio arbeiteten, synchronisierten sich die Hirnaktivitäten der Musiker. Weil die Messung quasi in Echtzeit stattfand, probierten Bad Bunny und Residente sogar bewusst Strategien aus, um sich für die Arbeit an dem Song auf eine Wellenlänge zu bringen.Letzteres klingt nach einer hochkomplexen Sache, was sie aber nicht war. Um ihre Hirnaktivität zu synchronisieren, so erzählte Bad Bunny in einem Interview, tranken die Musiker gemeinsam Alkohol und sahen einer tanzenden Frau zu. Natürlich ist das hinreichend banal, erzielte aber offenbar die erwünschte Wirkung.Nun ist es nicht jedem möglich, mit befreundeten Musikern im Studio zu chillen, um sich aufeinander einzugrooven. Aber lassen sich vielleicht andere Wege finden, die Gehirne mehrerer Menschen in gemeinsame Schwingung zu versetzen und dadurch Sympathie, Nähe oder gar therapeutische Ziele zu erreichen? Diese Hoffnung formulieren zumindest Wissenschaftler um die erwähnte Suzanne Dikker von der New York University und Yafeng Pan von der chinesischen Zhejiang University in einem Beitrag im Fachjournal Trends in Cognitive Science.Wie das genau funktionieren soll, dürfte sich erst in ferner Zukunft beantworten lassen, wenn überhauptDass sich die Hirnaktivitäten von Menschen während gemeinsamer Erlebnisse angleichen, wissen Forscher schon lange. Liegt auch auf der Hand: Wenn viele Menschen das Gleiche sehen, hören, fühlen und erleben, verarbeiten viele Gehirne die gleichen Reize, und die neuronalen Prozesse zeigen ähnliche Muster.Das gilt auch bei Begegnungen zweier Menschen: Essen zum Beispiel Paare zu zweit, offenbart sich der geteilte Neuronenrhythmus etwa in ihren Bewegungen, die im Laufe des Dates immer mehr wie von einem unsichtbaren Choreografen gesteuert wirken. Darin und in den Hirnströmen offenbart sich wechselseitige Sympathie. Aus Studien ist bekannt, dass die Synchronisation von Hirnströmen von Schülern ein valider Indikator dafür ist, wie sehr diese einander mögen und wie stark der Zusammenhalt in Gruppen beziehungsweise der Klassengemeinschaft ist.Diesen neuronalen Gleichklang künstlich herzustellen, wäre also mutmaßlich ein Weg, um Nähe, Freundschaft und soziale Kohäsion zu erzeugen, argumentieren die Forscher in Trends in Cognitive Science. Wie das funktionieren könnte, dürfte sich, wenn überhaupt, aber erst in ferner Zukunft beantworten lassen. Das Team um Dikker jedenfalls arbeitet daran – und mutmaßlich werden sie dabei auf einer Wellenlänge sein. Bis diese Zusammenarbeit Früchte trägt, gilt: Mit Freunden Konzerte zu besuchen, gemeinsam Blödsinn zu labern und überhaupt Erlebnisse mit Menschen zu teilen, dürfte ziemlich sicher die erwünschte, gemeinsame Wellenlänge herstellen.
Kann Freundschaft künstlich hergestellt werden?
Neurowissenschaftler untersuchen, wie sich Hirnströme mehrerer Menschen bei gemeinsamen Erlebnissen synchronisieren und soziale Bindungen stärken.








