Es gibt Momente, in denen sich eine zivilgesellschaftliche Initiative entscheiden muss, was sie sein will: Hüterin demokratischer Kultur – oder politischer Akteur. Das Aktionsbündnis „Neuruppin bleibt bunt“ hat diese Entscheidung offenbar getroffen. Aus einem überparteilichen Zusammenschluss ist ein Wahlkampfunterstützer eines Amtsinhabers geworden.

Das mag man so machen wollen. Aber dann sollte man auch aufhören, so zu tun, als stehe man über den Parteien.

Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass das Bündnis seit Jahren wichtige Arbeit gegen Rechtsextremismus leistet. Demokratie, Weltoffenheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind keine Nebensächlichkeiten, sondern Grundlagen unseres Gemeinwesens. Gerade deshalb hat sich das Bündnis gesellschaftliche Glaubwürdigkeit erarbeitet. Und genau deshalb wiegt schwer, wenn diese Glaubwürdigkeit für den Wahlkampf eines einzelnen Kandidaten eingesetzt wird.

Eine öffentliche Wahlempfehlung, die für sich spricht

Wer wissen will, wie weit das Bündnis seine Rolle verändert hat, muss keine internen Unterlagen bemühen. Es genügt ein Blick auf die eigene Internetseite. Am 19. Juni 2026 veröffentlichte „Neuruppin bleibt bunt“ einen „Aufruf zur Landrats-Stichwahl in OPR am 28.06.2026“. Darin heißt es wörtlich: „Ralf Reinhardt ist nicht perfekt. Niemand ist das. Aber er ist ein erfahrener und verlässlicher Landrat – und in dieser Stichwahl die bessere Wahl.“ Und weiter: „Deshalb unsere Bitte: Gehen Sie am 28. Juni zur Stichwahl und stimmen Sie für Ralf Reinhardt.“