PfadnavigationHomeDebatteKommentareArtikeltyp:MeinungDortmundDie rot-rot-grüne Machtmaschine – und ihr GegnerStand: 11.05.2026Lesedauer: 5 MinutenAlexander Omar Kalouti, Christdemokrat, Oberbürgermeister Dortmunds und Zielscheibe rot-rot-grünen FurorsQuelle: via Alexander Omar KaloutiIn Dortmund versucht ein linkes Bündnis, das neue CDU-Stadtoberhaupt auszubremsen. Das beinharte Vorgehen verdeutlicht zweierlei: wie dringend Städte in linker Erbpacht den Wechsel brauchen – und was wir von Rot-Rot-Grün zu erwarten hätten.Rot-Rot-Grün ist eine gnadenlos effiziente Machtmaschine. Jedenfalls in der Stadt, die über acht Jahrzehnte als Herzkammer der deutschen Sozialdemokratie galt: Dortmund. Dort haben SPD, Grüne und Linke ein Bündnis geschlossen, das als Blaupause dienen könnte. Deshalb wollen wir uns das Agieren dieser Linksfront einmal genauer anschauen – insbesondere ihren Umgang mit Gegnern. Vor allem mit einem: mit Alexander Kalouti, dieser fleischgewordenen Kränkung, diesem Dorn im Auge des linken Establishments. Der CDU-Mann beendete die bundesweit einzigartige Tradition von 79 Jahren sozialdemokratischer Oberbürgermeister in der Revierstadt und wurde 2025 zum neuen Stadtoberhaupt gewählt. Sonst aber blieb alles beim Alten: im Stadtrat eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün, in der Verwaltung die alten Seilschaften, das Umfeld städtischer Gesellschaften, einschlägiger Medien und der Gewerkschaften strikt loyal.Rot-Rot-Grün verlangt GefügigkeitNur einer stört: Kalouti. Der sagt im Gespräch mit WELT unverschämte Sätze wie „Die Sozialdemokraten müssen lernen, dass die Stadt allen gehört, nicht der SPD“. Folglich führt die linke Ratsmehrheit ihn systematisch vor, schmettert seine Vorstöße ab und signalisiert, Mehrheiten bekomme er nur gegen Gefügigkeit. Ein Beispiel: Aktuell zieht Rot-Rot-Grün Kaloutis Sicherheitskonzept gegen Drogenkriminalität alle Zähne. Aus seinem Plan einer Synthese von Null-Toleranz und Sozialarbeit hat die linke Koalition die Null-Toleranz fast vollständig entfernt. Kalouti mag die verbliebenen Krümel seines Konzepts nicht zum Kompromiss überhöhen (aktuell nicht ganz selbstverständlich für deutsche Christdemokraten). Der 57-Jährige bringt es einfach nicht fertig, von dem Kakao, durch den man ihn zieht, zu trinken. Stattdessen leistet er, wo immer möglich, Widerstand. Deshalb wird er fast obsessiv attackiert. So ließ die grüne Fraktionschefin Katrin Lögering jüngst das Fallbeil über ihm niedergehen und urteilte, mit Kalouti finde „man einfach keine Kompromisse“. Sobald er einen eigenen Kopf beweist, wird dieser nach allen Regeln hegemonialer Rhetorik zur Zielscheibe.Wohlstand hat mit Arbeit zu tun? Unverschämt!So geschehen auch beim Rathausempfang zum Tag der Arbeit. Dort hielt Kalouti eine Rede, die anderswo als Anhäufung von Selbstverständlichkeiten durchgegangen wäre. Im Dortmunder Treibhaus aber löste sie Hitzewallungen aus. Zunächst stellte er fest, Wohlstand habe „etwas mit Arbeit zu tun“. Ohne Menschen, die zu schuften bereit seien, werde sich das Wohlstandsniveau nicht halten lassen. Im Saal wurden Köpfe geschüttelt. Es begann zu brummen und zu grummeln. Angesichts der gigantischen Probleme der Stadt, so sagte Kalouti wenig später, müsse man „jede Unterstützung annehmen, egal von welchem Parteibuch sie kommt“. Das mochte für Unwissende klingen, als habe er einer Kooperation mit der AfD das Wort geredet. Nur: Rot-Rot-Grün ist nicht unwissend. Diesen Parteien sind die vielen Dutzend Statements bekannt, in denen Alexander Omar Kalouti, der Sohn eines palästinensischen Vaters, klar ausgeschlossen hat, mit der AfD zu kooperieren. Und selbstverständlich wissen Dortmunds Politiker, dass Kaloutis CDU auch mit allen Stimmen der AfD noch meilenweit von einer Mehrheit entfernt wäre. Er kann gar nicht mit ihr kooperieren. Es blieb also nur eine sinnvolle Möglichkeit, seine Worte zu verstehen: Wenn ein Beschluss ohne AfD eine Mehrheit findet, wird er nicht zurückgenommen, nur weil die AfD zustimmt. Diese Maxime ist in den Parlamenten der Republik nun wirklich nicht mehr revolutionär. Heuchelei im Brandmauer-ChorDoch nun hagelte es Buhrufe, Vertreter von Rot-Rot-Grün verließen den Saal. Anschließend schimpften sie, Kalouti habe einen „absoluten Tabubruch“ begangen und die Brandmauer eingerissen. Das war natürlich Unsinn. Aber nicht nur. Es war auch Heuchelei. Wenn jemand Tabubrüche begangen hat, dann die Grünen im Europaparlament und die Linkspartei in Thüringen. Sie stimmten Initiativen zu, die nur dank AfD eine Mehrheit fanden. Jedem böswilligen Missverständnis seiner Worte hatte Kalouti zudem vorgebeugt: Er beteuerte, jeden Extremismus zu bekämpfen – von rechts wie von links. Daraufhin marschierte auch die Linke aus dem Saal. Eins allerdings stimmt: Anders als viele Rot-Rot-Grüne wahrt Kalouti ein zivilisatorisches Minimum im Umgang auch mit AfDlern: Er grüßt sie im Rat und hat – Achtung – dem AfD-Fraktionschef sogar schon die Hand gegeben. Offenbar zu viel Höflichkeit für rot-rot-grüne Verhältnisse. Lesen Sie auchUnd schließlich knöpften sich auch noch die Gewerkschafter den unbotmäßigen Christdemokraten vor. Kürzlich hatte er sich nämlich über einen Betriebsrat der städtischen Entsorgungsbetriebe (EDG) beschwert. Der hatte vor der Oberbürgermeisterwahl 2025 in sozialen Medien für den SPD-Amtsinhaber geworben – und zwar nicht als Privatmann. Im Untertitel seines Videos, mit dem er gegen Kalouti mobilisierte, wurde er als Betriebsratsvorsitzender vorgestellt. Zudem appellierte der Betriebsrat darin nicht an die Bürger, sondern ausdrücklich an die „lieben Kolleginnen und Kollegen“. Kalouti mahnte die EDG, ihre Betriebsräte seien in Wahlkämpfen zu parteipolitischer Neutralität verpflichtet. Die EDG solle prüfen, ob der Betriebsrat seine Neutralitätspflicht verletzt habe. „So einen Vorfall hat es noch nicht gegeben!“Ein Oberbürgermeister, der bei Bekenntnissen zur SPD Neutralität erwartet! Und das in Dortmund! Dieser Bruch mit allen Gepflogenheiten war zu viel. Dafür bekam Kalouti eine Breitseite ab: Nach seiner Rede trat Dortmunds DGB-Vorsitzende Bärbel Sumagang ans Pult. Und donnerte: „Wer in dieser Weise Betriebsräte angreift, greift die Gewerkschaften, greift den DGB an. Hier wurde eine Grenze überschritten, so einen Vorfall hat es in Dortmund noch nicht gegeben!“. Wohl wahr: 79 Jahre lang wurde Dortmund immer weiter rot verfilzt. Nun wagt einer, daran zu kratzen – und wird attackiert. Anschließend bekräftigten SPD, Grüne, Linke und Gewerkschafter übrigens erneut, so schnell würden sie nicht zur Tagesordnung übergehen. Womit sie gleich zwei Eigentore schossen: Zum einen bieten sie CDU-Mann Kalouti die Chance, sein Profil als urdemokratischer Filzbekämpfer und Mann des gesunden Menschenverstands zu schärfen. Zum anderen ließen sie erahnen, wie sich Rot-Rot-Grün auch anderswo anfühlen könnte.
„Herzkammer der Sozialdemokratie“: Die rot-rot-grüne Machtmaschine – und ihr Gegner - WELT
In Dortmund versucht ein linkes Bündnis, das neue CDU-Stadtoberhaupt auszubremsen. Das beinharte Vorgehen verdeutlicht zweierlei: wie dringend Städte in linker Erbpacht den Wechsel brauchen – und was wir von Rot-Rot-Grün zu erwarten hätten.








