Von Bären und anderen pelzig-düsteren Geschichten: Joana Bators Erzählungen folgen der Logik des TraumsMit «Die Flucht der Bärin» schafft Joanna Bator einen fabelhaften Kosmos zwischen Märchen und Horror.28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenDie Polin Joanna Bator gehört zu den herausragenden Erzählerinnen Europas.Magda Hueckel / Suhrkamp VerlagAls eine Dichterin beschliesst, sich in Bern umzubringen, begegnet sie an der Aare einer entflohenen Bärin. Auf einer Japan-Reise verliebt sich eine Künstlerin in den Sexroboter «Teddy». Eine erschöpfte Mutter besichtigt Luxusimmobilien, ohne sich diese leisten zu können – ihr beeinträchtigter Sohn schläft derweil im warmen Schein einer Bären-Lampe. Diese Figuren entstammen Joanna Bators neuem Werk, einem Geflecht aus sechzehn miteinander verbundenen Geschichten. Das Bärenmotiv ist nur ein vermeintlicher Fixstern in der herrlich sumpfigen Erzähllandschaft der polnischen Autorin.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bators virtuos und humorvoll geschriebene Miniaturdramen, die zwischen Märchen und Horror fluktuieren, enthalten oft tröstende Elemente. So wird eine trauernde Frau von einer englisch sprechenden Schildkröte besucht, die sich von ihrem Schmerz nährt. Einer anderen Protagonistin wachsen die Haare «unruhig wie Larven», als sie in einem verwitterten Haus übernachtet und sich dort von Eingemachtem ernährt. Spoiler: Das endet seltsam bestärkend.«Als wäre zwischen ihr und der Welt nur eine löchrige Membran, und die Dinge können beliebig rein und raus», so fühlt sich eine der Figuren, und so stehen auch die Geschichten zueinander. Es gibt Wege, die sich kreuzen, in der Schweiz, in Polen, Griechenland oder Japan. Manche Figuren werden von Tieren und monströsen Gestalten begleitet, einer batorschen Logik folgend, die die Leserin nie hinterfragen möchte.Vielleicht hat sich die Autorin von der Architektur der Träume inspirieren lassen, nicht im Sinne von Willkür, sondern indem sie alle möglichen menschlichen Zustände auf kleinem Raum verknäuelt. Oft erinnert ihr Schreiben an diesen magischen Kippmoment, den geübte Träumende kennen: wenn man sich dem Monster zuwendet und es fragt, was es will – wenn aus Panik Neugier entsteht.Joanna Bator: Die Flucht der Bärin. Ü: Lisa Palmes. Suhrkamp 2026. 318 S.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Joanna Bator erzählt von Bären und anderen pelzig-düsteren Kreaturen
Mit «Die Flucht der Bärin» schafft Joanna Bator einen fabelhaften Kosmos zwischen Märchen und Horror.






