So haben Sie noch nie über das Elternsein nachgedacht: Eine Glücksliste mit 16 PunktenWährend unsere Kolumnistin ihrem Kind beim Einschlafen hilft, versteht sie endlich, was sie lernen musste: Loslassen.28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenAnnick Ramp / NZZ1. In den wenigen Momenten, in denen du allein bist, denkst du an ihre Finger. Die kleine Handbewegung, die sie macht, wenn sie trinkt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.2. Du sitzt in der Abenddämmerung am Fenster, während draussen weit entferntes Leben tobt. In den Armen hältst du dein Kind. Während du es tröstest, spürst du plötzlich, dass du auch dich selber tröstest. Du hältst dich in den Armen. Es nennt sich: Halt. Wenn du einen Teil von dir so lieben kannst, könntest du fähig sein, dich selber zu lieben. Dieser Gedanke berührt dich wie ein weicher Sommerwind.3. Sie wächst. Du auch.4. Den Wert des Lebens findest du in dem entschlossenen Blick, wenn sie trinkt.5. Du erinnerst dich daran, dass du einen Körper hast. Er funktioniert so wie ihrer. Er beruhigt sich, wenn man ihn berührt. Er wird nervös, wenn man ihn überreizt. Er braucht Schutz. Du deckst ihn zu.6. Während du deinem Kind beim Einschlafen hilfst, verstehst du endlich, was du lernen musstest: Loslassen.7. Es ist die letzte Möglichkeit eines Neuanfangs. Du fällst aus der Zeit und kämpfst dich zurück. Du ziehst Haare aus Hautfalten, wäschst Stoffe aus Wolle und Seide, wachst über das Atmen in der Nacht und merkst, dass du eine andere geworden bist. Neu sind: die Sorgen, die Nachsicht, die Erweiterung.8. Es geht darum, wie die Hebamme dir das Kissen an die perfekte Stelle in den Rücken schiebt, wie deine Freundin dir ein Bananenbrot in den Briefkasten legt, wie die Frau zurücklächelt, die mit ganz kleinen Schritten in Richtung Kreisssaal geht: «Viel Glück», sagst du. «Alles Gute», sagt sie.«Würde und Wahn»In dieser Kolumne schreiben Schriftsteller Nelio Biedermann, 22, bekannt durch seinen Roman «Lázár», die «Magazin»-Reporterin Rafaela Roth und Christoph Zürcher, 60, Mitglied der Chefredaktion, im Wechsel über das Zeitgeschehen, den alltäglichen Wahnsinn und die Schwierigkeit, Würde zu bewahren.Alle Artikel9. Du fragst dich: Warum nehmen wir diese Solidarität nicht an alle Orte mit?10. Oder geht es um die Verdoppelung der Küsse?11. Du schreibst Listen: To-do-Listen, Einkaufslisten, Blutdrucklisten, Windellisten, Adresslisten, Besuchslisten, Fragelisten.12. Die Zeit wird knapp. Du erfährst ihren Wert. Du beginnst, sie zu nutzen.13. Du schreibst deine Kolumne als Liste.14. Du merkst, dass sie nur die halbe Wahrheit erzählt.15. Du verschiebst den Rest aufs nächste Mal.16. Du hörst ein Glucksen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel