Rückt der Tod näher, wächst der Hunger nach Leben, schreibt Gabriele von ArnimGabriele von Arnim meditiert über den Tod und schafft dabei etwas Seltenes: Zuversicht.28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenGabriele von Arnim schenkt mit ihrem Buch Zuversicht.Paulina Hildesheim / LaifEin Jahr lang macht sich die in Hamburg geborene Autorin Gabriele von Arnim Gedanken über grössere und kleinere Abschiede: über das Ende eines intakten transatlantischen Bündnisses, über den Verlust der Vorstellung, dass es kommenden Generationen bessergehen werde, bis hin zur körperlichen Vergänglichkeit, zu den Schmerzen in den Füssen und dem Neid auf Menschen, «die federnd gehen».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Aber letztlich ist es der Tod, der zwischen den Zeilen dieses berührenden Tagebuches steckt: «Vielleicht will ich ja über Abschiede schreiben, um mich auf den letzten Abschied vorbereiten zu können», notiert von Arnim, die dieses Jahr 80 Jahre alt wird und mit «Das Leben ist ein vorübergehender Zustand» einen Bestseller über die zehnjährige Pflege ihres Ehemannes geschrieben hat.Mal lesen sich ihre Einträge wie politische Essays. Mal verarbeitet sie ihre Träume oder beschreibt Besuche bei alten Freundinnen. Mal sind es auch nur zwei hanseatisch-trockene Zeilen: «Habe letzte Nacht richtig gut geschlafen. Wie ist das möglich?» Was zunächst traurig klingt, «Abschied ist immer. Abschied ist überall», entpuppt sich als kluges und lesenswertes Buch voller Hoffnung. Denn Abschied bedeute nicht nur Beraubung und Trauer, «sondern auch Verwandlung, Aufbruch, Abenteuer». Auf jeder Seite ist, trotz ständiger Todesnähe, ein Hunger nach Leben zu spüren.Sie wolle auf Zerstörung nicht mit Selbstzerstörung reagieren: So kämpft von Arnim mit ihren Mitteln gegen die Krisen unserer Zeit. Sie reist, kocht frischen Fisch, kauft sich Blumen und weiss in der Sängerin Patti Smith eine «kämpferische Trost-Frau» an ihrer Seite, die sie ermutigt, stark zu sein: «Wir müssen unsere eigene gute Welt erschaffen», zitiert sie Smith, «und unsere eigene gute Arbeit fortsetzen.» Was von Arnim mit diesem Buch gelingt: Es schenkt uns, was wir alle bitter nötig haben: Zuversicht.Gabriele von Arnim: Abschied leben. Rowohlt 2026. 272 Seiten.Passend zum Artikel