Als ein Heer von Freiwilligen nach Spanien zogPaul Ingendaay beschreibt die Anziehungskraft des Spanischen Bürgerkriegs auf Kulturschaffende.Manfred Papst28.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenAuch die Philosophin Simone Weil meldete sich freiwillig für die Internationalen Brigaden. Trotz starker Kurzsichtigkeit.Imago / Bridgeman ImagesIm Spanischen Bürgerkrieg kämpften die Anhänger der Zweiten Spanischen Republik gegen die rechtsgerichteten Putschisten unter General Franco. Diese wurden vom faschistischen Italien und vom nationalsozialistischen Deutschland unterstützt, während die Gegenseite Zulauf von Freiwilligen aus über fünfzig Ländern erhielt. Der Krieg begann am 17. Juli 1936 und endete am 1. April 1939 mit dem Sieg der Putschisten. Franco regierte Spanien bis zu seinem Tod 1975 mit eiserner Hand.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Schriftsteller, Journalist und Literaturwissenschafter Paul Ingendaay, der fast zwei Jahrzehnte lang für die FAZ aus Madrid berichtete, strebt in seinem neuen Buch keine Gesamtdarstellung des Spanischen Bürgerkriegs an. Sein Fokus liegt auf der Anziehungskraft, die dieser blutige Konflikt auf zahlreiche internationale Kulturschaffende ausübte. Nach Francos Putsch brachen engagierte Freiwillige aus aller Welt auf, um Spanien gegen den faschistischen Umsturz zu verteidigen. Ernest Hemingway, George Orwell, John Dos Passos und Albert Koestler zählten zu ihnen, Simone Weil und Willy Brandt, Robert Capa und Gerda Taro.Die einen kamen mit der Waffe in der Hand, die anderen mit dem Stift und der Kamera, wieder andere mit dem Verbandskasten. Intellektuelle und Arbeiter waren unter ihnen, Abenteurer, Idealisten, Verfolgte. Unter den linken Fraktionen jeglicher Couleur – Anarchisten, Syndikalisten, Sozialisten, Kommunisten – brachen bald Grabenkämpfe aus, die von der die Bewegung unterstützenden Sowjetunion mit zynischem Kalkül ausgenutzt wurden. Viele, die mit naivem Pathos in den Krieg gezogen waren, kamen desillusioniert zurück.Ingendaay hat das uferlose Quellenmaterial eingehend studiert und zu einem mosaikartigen Text gefügt. In prägnanten, kleinteiligen Szenen, mit zahlreichen Perspektiv- und Ortswechseln lässt er das Geschehen lebendig werden. Durchgehend erzählt er im historischen Präsens. Darin liegt eine Gefahr: Das Buch suggeriert eine Nähe zu den Ereignissen, die faktisch nicht gegeben ist. Was es an Anschaulichkeit gewinnt, verliert es an einordnender Distanz. Ingendaay nimmt zwar klar Partei, verschweigt aber die Verbrechen der republikanischen Seite nicht. Zudem zeigt er, in welchem Ausmass der Spanische Bürgerkrieg ein Krieg der Medien war. Er nimmt Ikonen wie Robert Capas Fotografie des «Gefallenen Soldaten» ebenso in den Blick wie Picassos «Guernica». Unaufdringlich, aber nachdrücklich schwingt in seiner Darstellung stets die Frage mit, wie wir uns in dieser oder jener Situation verhalten hätten: Welche Mittel hätten für uns welchen Zweck geheiligt?Vor allem aber hat Ingendaay einen genauen Blick für sprechende Details, etwa für folgende Szene: Thomas Mann, der im Schweizer Exil gerade seine Übersiedlung in die USA vorbereitet, erhält von seinen Kindern Klaus und Erika Besuch. Sie waren auf Reportagereise an der spanischen Front und haben vom Kommandanten der 45. Sturmdivision der Internationalen Brigaden Schallplatten mit antifaschistischen Liedern von Ernst Busch geschenkt bekommen. Die spielen sie dem Vater nun vor. «Nach der Mahlzeit Madrider Kampfplatten», heisst es in dessen Tagebuch. In der Schilderung solcher Szenen gewinnt Ingendaays Darstellung eine atmosphärische Dichte, die einen über die gelegentlichen Redundanzen und knalligen Superlative hinwegsehen lässt.Paul Ingendaay: Entscheidung in Spanien. Der grosse Kampf der Literatur 1936–1939. C. H. Beck 2026. 352 Seiten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Paul Ingendaay über die Anziehungskraft des Spanischen Bürgerkriegs auf Kulturschaffende
Paul Ingendaay beschreibt die Anziehungskraft des Spanischen Bürgerkriegs auf Kulturschaffende.






