Seit Jahren schreibe ich über den Exzess. Er ist mein literarisches Steckenpferd. Dabei versteht es sich von selbst, dass ich dafür Feldforschung betreiben muss, in den Kneipen, den Clubs, den dunklen Ecken der Stadt. Dies zeitigt Spuren, vor allem seit ich das 40. Lebensjahr überschritten habe. Mein Magen hält sich nur noch durch eine abenteuerliche Kombination von Tabletten in der Spur. Mein Kopf braucht zweimal täglich seine 400 mg Ibuprofen. Neuerdings zwickt auch die Leber, und wenn ich mich für ein kurzes Nickerchen hinlege, wache ich oft erst sechs Stunden später auf. Doch ich bin zu feige, zum Arzt zu gehen.
Eine zweite Konsequenz meiner Begeisterung für die selbstzerstörerischen Kräfte im Menschen sind kritische bis absolut kratzbürstige Kommentare der werten Leserschaft. Es reicht, dass ich das Wort „Alkohol“ schreibe, und schon erhebt sich ein Klagechor, der jeder griechischen Tragödie alle Ehre machen würde. Angeführt wird diese Opposition von einem Herrn, der mir inzwischen seit einer Dekade schreibt. Womöglich ist er mein größter Fan. Ein trockener Alkoholiker, der die Kraft für seinen Heilsweg daraus zu ziehen scheint, meinen Untergang zu prophezeien.
Dem Alkohol ausgeliefert – mehr als sonst






