Zu Selbsthilfegruppen suchtkranker Menschen gehört das Bekenntnis. „Ich bin der …, und ich bin Alkoholiker“ – mit diesem Satz beginnt jeden Tag irgendwer ein neues, besseres Leben. In irgendeinem geschützten Raum voller Empathie. Einige Betroffene aus dem Umfeld einer Suchtambulanz in Grafing haben nun beschlossen, sich auch in der Öffentlichkeit zu bekennen. Die Maske und die Scham fallen zu lassen – und mit dem eigenen Gesicht, der eigenen Geschichte für einen neuen, positiven Blick auf Ihresgleichen zu werben. Und das Thema aus der Tabuzone zu holen.

„Respekt statt Stigma“ nennen sie ihr Projekt, dessen Ergebnisse jetzt im Haus der Caritas in Grafing als Ausstellung zu sehen sind. Initiator Stefan Friedlein aus Poing erklärt: „Wir wollten unsere Abstinenz aktiv gestalten – und vor allem den Blick auf die Sucht verändern. Denn die größte Herausforderung ist nicht die Therapie selbst, sondern das Stigma, das wir auch danach noch täglich erleben.“ Nach dem Motto: Wie, du trinkst nichts? Stimmt etwas nicht mit dir?

Zugrunde liegt dem Projekt ein Satz des Leipziger Psychiatrieprofessors Georg Schomerus: „Menschen, die eine Suchterkrankung überwunden haben, sind Helden.“ Davon inspiriert begab sich eine Gruppe ehemals suchterkrankter Menschen auf eine künstlerische Heldenreise. Sie holten die Fotografin Stephanie Greskötter mit ins Boot und inszenierten sich bei gemeinsamen Shootings in der Suchtambulanz als Superheldinnen und -helden. „Am Anfang dachten wir, das alles sei ein bisschen verrückt und niemals für die Öffentlichkeit bestimmt“, sagt Friedlein. „Aber dann waren wir mehr und mehr begeistert.“