PfadnavigationHomeICONISTModePomellato in ParisDiese Bilder haben die Vorstellung davon geprägt, was Schmuck sein kannStand: 09:38 UhrLesedauer: 4 MinutenPomellato ließ seinen Schmuck von bekannten Starfotografen wie Helmut Newton oder Herb Ritts interpretieren und verwandelte so Ringe und Ketten in Bilder von Freiheit, Körperlichkeit und moderner Weiblichkeit. Eine Ausstellung in Paris zeigt die Bilder.Offensichtlich sitzt sie allein im Café. Die Frau beugt sich über ihren Espresso. Sie trägt eine Sonnenbrille, eine vierreihige Goldkette, ein Panzerarmband und einen wunderbar dicken Diamantring, während sie einen angriffslustigen Blick auf ihr nicht vorhandenes Gegenüber richtet. Neben ihr hockt eine Bulldogge mit heraushängender Zunge. Helmut Newton hat das Bild vor 44 Jahren aufgenommen, es könnte aber genauso gut vom Instagram-Kanal einer Millionen-Influencerin stammen, so modern wirkt es noch heute. Vor allem aber ist es keine klassische Schmuckwerbung, wie man sie damals kannte. Ein Bild, wie es sich der Öffentlichkeit Anfang der Achtziger eigentlich nicht bot.Gerade ist es in der Ausstellung „Pomellato: Le Joaillier Révolutionnaire“ im Pariser Palais de Tokyo zu sehen, die die Geschichte einer Marke erzählt, die den Schmuck und seine Bedeutung veränderte. Als Pomellato 1967 in Mailand gegründet wurde, befand sich die Welt im Umbruch. Die Röcke wurden kürzer, Prêt-à-porter verdrängte die verstaubte und elitäre Haute Couture, die Gesellschaft wurde offener, Frauen forderten ihre grundsätzlichen Freiheiten ein. „Die Frauen veränderten sich, die Gesellschaft veränderte sich – nur der Schmuck blieb derselbe“, sagt Alba Cappellieri, Professorin und Leiterin des Studiengangs Jewelry Design am Politecnico di Milano und Kuratorin der Ausstellung. Er war entweder Statussymbol oder Wertobjekt – und häufig ein Geschenk von Männern an Frauen.Pomellato-Gründer Pino Rabolini, der aus einer Goldschmiedefamilie stammte, erkannte, dass die bisherige Sprache des Schmucks nicht mehr zu einer neuen Generation von Frauen passte. Seine Entwürfe sollten nicht Besitz markieren, nicht der reinen Zierde dienen, sondern Persönlichkeit ausdrücken und für den Alltag geschaffen sein. Die Ausstellung erzählt diese Geschichte als Abfolge von Revolutionen: in Handwerk, Form, Farbe, Bildsprache und Weiblichkeit. Als eine Reihe kreativer Grenzüberschreitungen.Besonders faszinierend ist dabei die Rolle der Fotografie. Vor allen anderen engagierte Pomellato Bildkünstler wie Gian Paolo Barbieri, Helmut Newton, Albert Watson, Horst P. Horst, Michel Comte oder Herb Ritts, die man aus der Modewelt kannte. „Keiner dieser Fotografen hat Schmuck einfach fotografiert. Sie haben ihn interpretiert“, sagt Cappellieri. Tatsächlich scheinen die Bilder weniger an den Objekten interessiert zu sein als an dem Raum, der zwischen Schmuck und Trägerin entsteht. Gian Paolo Barbieri bringt eine typisch Mailänder Mischung aus Coolness und Sinnlichkeit ins Bild, Newton interessierte sich zuerst für die Frau und erst danach für das Juwel, wodurch die Schmuckstücke eine neue Glaubwürdigkeit gewinnen, während Herb Ritts Licht, Körper und Metall beinahe skulptural behandelt. Und Michel Comte treibt die Entsakralisierung des Schmucks weiter fort, indem er ein diamantbesetztes Kreuz kurzerhand in der Badewanne platziert.Gemeinsam ist ihnen ein Blick, der den Schmuck nie als isoliertes Luxusobjekt versteht. „Der Körper wurde Teil der Erzählung“, sagt Cappellieri. Das klingt zunächst selbstverständlich, war es aber keineswegs. In der klassischen Schmuckfotografie stand das Objekt im Zentrum. In den Bildern der Pariser Schau erhält der Ring, die Kette oder der Edelstein jenseits ihres materiellen Wertes Bedeutung durch die Person, die das Stück trägt. Die Fotografien zeigen Schmuck als Teil eines Lebens. Und sie haben damit die kulturelle Vorstellung davon geprägt, was Schmuck sein kann.Dabei verliert die Ausstellung nie die Objekte aus dem Blick. Da sind die komplexen Ketten, die Rabolini von einem funktionalen Element zu einem Designstatement erhob. Da sind die großzügigen, skulpturalen Volumen, die eher an moderne Kunst als an traditionelle Juwelierarbeiten erinnern. Und da ist natürlich Nudo – die bekannteste Pomellato-Kollektion, deren farbige Edelsteine scheinbar ohne Fassung auf der Haut schweben. Als sie Anfang der 2000er-Jahre lanciert wurde, wirkte sie wie eine Provokation: ein Solitärring ohne Diamant, dafür mit leuchtenden Farbsteinen und einer nahezu unsichtbaren Konstruktion.Lesen Sie auchDie Fotografien und die Juwelen erscheinen wie zwei Akteure, die auf einmal die gleiche Sprache sprechen. Ihre Modernität entstand aus der seltenen Fähigkeit, eine gesellschaftliche Veränderung zu erkennen, bevor sie allgemein sichtbar wurde. Es wurde höchste Zeit, einmal zu thematisieren, welch enorme Kraft Schmuck haben kann. Auf diesen Bildern steht er für nichts weniger als Freiheit, das Wertvollste, was ein Mensch besitzen kann.„Pomellato: Le Joaillier Révolutionnaire“ noch bis 20. Juli 2026 im Pariser Palais de Tokyo.
Pomellato-Ausstellung: Wie Schmuck zur Revolution der Weiblichkeit wurde - WELT
Pomellato ließ seinen Schmuck von bekannten Starfotografen wie Helmut Newton oder Herb Ritts interpretieren und verwandelte so Ringe und Ketten in Bilder von Freiheit, Körperlichkeit und moderner Weiblichkeit. Eine Ausstellung in Paris zeigt die Bilder.







