An seine neue Rolle muss sich der CDU-Stadtverordnete Thomas Dürbeck erst noch gewöhnen. Jahrelang hat er Marcus Gwechenberger kritisiert, den sozialdemokratischen Dezernenten für Planen und Wohnen. Doch jetzt koaliert seine Partei mit der SPD, und es wird von ihm erwartet, Vertreter des Koalitionspartners zu loben.In der Debatte um den Mietspiegel jedoch tat sich Dürbeck am Donnerstagabend im Stadtparlament schwer damit. Denn er sieht die Methode, nach der die ortsübliche Vergleichsmiete ermittelt wurde, sehr kritisch und ist sich damit einig mit Vertretern von Wohnungseigentümern und Mietern. „Nicht geschimpft ist genug gelobt “, begründete er die fehlenden Lorbeeren für den Dezernenten, der für die Erstellung des Mietspiegels verantwortlich ist.„Ein Mietspiegel soll die ortsübliche Vergleichsmiete rechtssicher darstellen“, sagte Dürbeck. Die Erhebung der dafür nötigen Daten gebe aber Anlass für Zweifel. So sei in den Fragebögen zum Beispiel nach der Herkunft oder dem Bildungsabschluss der Mieter gefragt worden. „Ich weiß nicht, welchen Einfluss das auf die Mietpreisbildung haben soll.“ Nach Angaben des Wohnungsamts soll mit der Erhebung der Merkmale verhindert werden, dass die Miethöhe durch sachfremde Einflüsse verzerrt wird.Wohnungen im Schnitt um 6,8 Prozent teurerLaut Mietspiegel sind die Mieten in Frankfurt seit 2024 durchschnittlich um 6,8 Prozent gestiegen. Allerdings gibt es auch Wohnungen, die rechnerisch günstiger geworden sind, wie die Eigentümervereinigung Haus & Grund festgestellt hat. Für den Stadtverordneten Johannes Lauterwald (Die Grünen) ist das eine Folge der neuen Methodik, durch die verschiedene Lagen differenzierter betrachtet werden. „Das führt dazu, dass manche Lage nicht mehr so teuer dasteht wie früher“, sagte er. Dort sei in der Vergangenheit mehr verlangt worden, als angemessen war. „Dass das nun sichtbar wird, ist im Sinne der Gerechtigkeit ein gutes Ergebnis.“Auch nach Ansicht von Simon Witsch (SPD) hat sich der Mietspiegel bewährt. Er warnte davor, politisch Einfluss auf die wissenschaftliche Methodik zu nehmen, nach der er erstellt wird. „Das würde die Rechtssicherheit gefährden.“ Die ist aber nach Einschätzung von Sebastian Papke (FDP) auch im vorliegenden Mietspiegel nicht gegeben, die Berechnung sei angreifbar. Es werde mehr gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen den Mietparteien geben, prophezeite Papke. Das Vertrauen in den Wohnungsmarkt sinke.Rechner des Wohnungsamts bereits aktualisiertDer Antrag der FDP, die Vorlage des Magistrats abzulehnen und zu überarbeiten, fand keine Mehrheit. Stattdessen wurde der Mietspiegel mit den Stimmen des Bündnisses aus CDU, Grünen, SPD und Volt sowie der Linken anerkannt und ist sofort in Kraft getreten. Der Mietspiegelrechner des Wohnungsamts wurde bereits mit den neuen Daten aktualisiert. Dort kann für jede einzelne Adresse die ortsübliche Vergleichsmiete berechnet werden. Diese ist Grundlage für Mieterhöhungen bei bestehenden Verträgen, aber auch für die Mietpreisbremse bei Neuvermietungen.Beschlossen wurde auf Antrag der CDU auch, dass der Mietspiegel in zwei Jahren nicht nur wie bisher geplant auf Basis der Preisentwicklung aktualisiert, sondern komplett neu erstellt wird. „Ich werde die Kritikpunkte aufnehmen“, sagte Gwechenberger, warnte aber gleichzeitig vor zu großen Erwartungen: „Ein Mietspiegel ist kein politisches Steuerungsinstrument.“Die Eigentümervereinigung Haus & Grund Frankfurt äußerte sich am Freitag nach der Entscheidung zufrieden. „Dass der Mietspiegel nun bereits in zwei Jahren neu erhoben werden muss, zeigt, wie berechtigt die methodischen Einwände und der fehlende Praxisbezug waren“, sagte Geschäftsführer Gregor Weil.
Mietspiegel Frankfurt: Stadtparlament reagiert auf Kritik
Das Stadtparlament hat den Mietspiegel für 2026 trotz Einwänden von Mietern und Vermietern in Kraft gesetzt. Schon in zwei Jahren soll er komplett neu erstellt werden.








