Aksjonow: Versorgungsfragen lösenAuf der Krim gilt ab sofort und bis auf Weiteres der Ausnahmezustand. Das teilte der „Gouverneur“ der russischen Besatzer, Sergej Aksjonow, am Freitag mit. Der Schritt werde es erlauben, rasch Entscheidungen zu treffen, damit „alle Bereiche stabil funktionieren“, von denen die Versorgung der Bevölkerung abhänge. Die Maßnahme gilt demnach auch für die Stadt Sewastopol, die für die Besatzer ebenso wie für die Ukraine eine eigene Verwaltungseinheit darstellt.Seit Wochen mehren sich Versorgungsprobleme auf der Halbinsel, mit der 2014 die russischen Eroberungen in der Ukraine begonnen hatten. Die ukrainischen Streitkräfte haben insbesondere mit Drohnen, die dank Künstlicher Intelligenz Ziele wie Tanklaster aufspüren, die Versorgungsrouten auf die Krim erfolgreich angegriffen. Besonders Treibstoff ist knapp, aber auch an Lebensmitteln mangelt es zusehends. Am Sonntag hatten die Besatzungsbehörden schon den Verkauf von Treibstoff an Privatleute untersagt. An mehreren Orten ist es zudem nach ukrainischen Drohnenangriffen zu Stromausfällen gekommen, so in Sewastopol und in Simferopol. Züge über die Ende des vorigen Jahrzehnts errichtete Straßen- und Schienenbrücke aus der südwestrussischen Region Krasnodar fahren derzeit nur bis Kertsch, einer Stadt im Osten der Halbinsel. Mit dem Ausnahmezustand haben die Besatzer jetzt noch mehr Vollmachten gegenüber der Bevölkerung, wobei angesichts ihrer faktischen Machtfülle unmittelbare Vorteile nicht ersichtlich sind. Zudem ändert der Schritt nichts an der militärischen Lage, in der die Invasoren zusehends unter Druck geraten. Aksjonow hob hervor, der Ausnahmezustand erlaube es, Fragen der Entschädigung, wenn jemand seinen Besitz verliere, rasch zu lösen. Putins Schwäche lässt den belarussischen Machthaber Alexandr Lukaschenko auftrumpfen. Man solle Belarus nicht „in den Krieg hineinziehen“, sagte er vor wenigen Tagen zwei Emissären des russischen Präsidenten. Unser Korrespondent Friedrich Schmidt berichtet:Fabian DrahmouneUkraine meldet drei Tote bei russischen AngriffenBei russischen Drohnenangriffen auf die ukrainischen Regionen Dnipropetrowsk und Sumy sind nach Angaben der örtlichen Behörden drei Menschen ums Leben gekommen. In der Stadt Nikopol wurden beim Angriff auf einen Kleinbus zwei Menschen getötet und zwölf weitere verletzt, teilte der zuständige Gouverneur mit. In der Grenzregion Sumy starb ein Mann durch einen weiteren Drohnenangriff. Zudem wurden in der südöstlichen Region Saporischschja zwei Menschen bei russischen Angriffen verletzt.Philipp von ReinersdorffUkraine bietet Russland Friedensverhandlungen anDie Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj ihre Vorschläge für Verhandlungen und eine Friedenslösung an Russland übermittelt. „Die Freunde von Putin haben von uns gehört, dass ein Treffen und ein Ende des Kriegs möglich sind“, sagte Selenskyj am Freitag in seiner abendlichen Videobotschaft. Nähere Details nannte er nicht. Vor Kurzem hatte der Machthaber in Belarus, Alexandr Lukaschenko, über ein Treffen mit Abgesandten Selenskyjs berichtet. Lukaschenko gilt außenpolitisch als engster Partner Putins.Zuletzt hatten Vertreter Russlands und der Ukraine im Februar unter amerikanischer Vermittlung in den Vereinigten Arabischen Emiraten über ein Kriegsende verhandelt. Ergebnisse wurden damals nicht bekannt. Nach Beginn des von US-Präsident Donald Trump befohlenen Irankriegs hat Washington seine Vermittlungsbemühungen im Ukrainekrieg stark zurückgefahren.Autoteilehändler wegen Lieferungen nach Russland verurteiltDas Landgericht im hessischen Darmstadt hat einen 59 Jahre alten Mann wegen verbotener Lieferungen von Fahrzeugteilen nach Russland zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Schuldig gesprochen wurde er wegen eines Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz, wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte. Die zuständige Kammer sah es demnach als erwiesen an, dass der Mann gegen das bestehende Ausfuhrembargo verstoßen hatte.Als Geschäftsführer eines Unternehmens exportierte er mehrfach Ware nach Russland, die unter Ausfuhrbeschränkungen fallen. Um das tatsächliche Zielland zu verschleiern, band er Scheinfirmen mit ein. Zu der gelieferten Ware zählten unter anderem Achsen für Fahrzeuge. Diese wurden über eine Firma mit angeblichem Sitz in Dubai nach Russland verkauft. Das Urteil fiel am Donnerstag. Ukraine greift wieder Chemiewerk im Gebiet Tula anDie Ukraine hat in der Nacht zum Freitag abermals eine Chemiefabrik iм russischen Region Gebiet mit Drohnen angegriffen. Es war der zweite Angriff auf die Anlage binnen zwei Wochen. Die Industrieanlage in Nowomoskowsk rund 200 Kilometer südlich von Moskau sei beschädigt worden, teilte der Gouverneur der Region, Dmitrij Miljajew, mit. Zudem seien Stromleitungen getroffen und eine Frau verletzt worden. Berichten zufolge handelt es sich bei dem Betrieb um das Azot-Werk.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Fabrik als entscheidend für die russische Sprengstoffproduktion bezeichnet. Azot ist dem Unternehmen zufolge der größte russische Hersteller von Ammoniak und Stickstoffdünger und war laut Selenskyj bereits am 14. Juni attackiert worden. Der neue Angriff war Teil einer massiven Drohnen-Welle in der Nacht. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, 660 Drohnen über zwölf russischen Regionen und der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim zerstört zu haben. Dies sei die höchste Anzahl von Drohnen in diesem Jahr gewesen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Tass.Kein Schutzstatus mehr für Ukrainer im wehrfähigen AlterDie EU-Kommission hat am Freitagmorgen vorgeschlagen, den besonderen Schutzstatus für Ukrainer in der EU um ein Jahr bis März 2028 zu verlängern. Allerdings sollen Männer im wehrfähigen Alter, also zwischen 23 und 60 Jahren, davon ausgenommen werden. „Genau darum hat uns die Ukraine gebeten“, sagte Innenkommissar Magnus Brunner zur Begründung. Außerdem spiegele dies die Gespräche mit den Mitgliedstaaten wider, insbesondere mit jenen, die die meisten ukrainischen Flüchtlinge aufgenommen hätten. Das sind Deutschland, Polen und die Tschechische Republik.Die Einschränkung soll für neu ankommende Personen gelten, nachdem der Schritt von den Mitgliedstaaten beschlossen worden ist, nicht für Personen, die schon temporären Schutz genießen. Wer neu einreist, muss künftig Asyl beantragen. So hatten es die EU-Innenminister Anfang des Monats bei ihrem Treffen in Luxemburg vereinbart. Brunner kündigte außerdem an, dass die EU-Kommission ein Pilotprogramm auflegen will, um Personen zu unterstützen, die freiwillig in ihre Heimat zurückkehren wollen. Wichtige Stromleitung am AKW Saporischschja repariert Am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja sind nach Angaben der UN-Atomaufsicht IAEA wichtige Reparaturen abgeschlossen worden. Die Reparatur einer zentralen Stromleitung und weiterer für die nukleare Sicherheit entscheidender Infrastruktur sei während einer vorübergehenden lokalen Feuerpause erfolgt, teilte die IAEA mit. Die Stromleitung sei jedoch noch nicht wieder in Betrieb genommen worden, da das angeschlossene Umspannwerk schwer beschädigt sei. Uli PutzRussland meldet massive ukrainische Angriffe auf Moskau: 28 Drohnen abgeschossenDie Ukraine hat nach russischen Angaben in der Nacht zum Freitag massive Drohnenangriffe auf Moskau gestartet. Innerhalb von etwa einer Stunde seien mindestens 28 auf Moskau zusteuernde Drohnen zerstört worden, erklärte der Bürgermeister der russischen Hauptstadt, Sergej Sobjanin.„Spezialkräfte der Rettungsdienste sind an den Orten im Einsatz, an denen Trümmerteile niedergegangen sind“, schrieb Sobjanin auf Telegram mit Blick auf die nach seinen Angaben zerstörten Drohnen.Die ukrainische Armee hat in den vergangenen Monaten Russland verstärkt mit Langstreckendrohnen angegriffen. Dabei wurde insbesondere Energieinfrastruktur wie Raffinerien, Öldepots und Häfen ins Visier genommen. Kiew sieht diese Anlagen als legitime Ziele, um die Einnahmen Russlands aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung seiner Offensive in der Ukraine zu reduzieren. In der vergangenen Woche hatte ein ukrainischer Angriff einen Großbrand in einer Raffinerie im Südosten Moskaus verursacht.Robert DikomeitSelenskyj billigt 40-tägige Offensive gegen RusslandDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj billigt nach Beratungen mit dem Geheimdienstchef eine 40-tägige Offensive gegen russische Ziele. Ziel der Operation sei es, Druck auf den Aggressor auszuüben, um ein Ende des Krieges zu erzwingen, teilt Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Eine russische Stellungnahme liegt zunächst nicht vor. Die Ukraine greift seit Monaten Objekte in Russland oder in den besetzten Gebieten an, wobei der Schwerpunkt auf der Ölindustrie liegt. Mehr als 70 Staats- und Regierungschefs sowie 30 internationale Organisationen und mehrere Hundert Firmen sind zur Wiederaufbaukonferenz nach Danzig gekommen. Lesen Sie hier den Bericht unseres Korrespondenten Stefan Locke:Mehr ladenTickarooLive Blog Software
Ukraine-Liveticker: Ukraine bietet Russland Friedensverhandlungen an | FAZ
Ukrainischer Präsident spricht in Videobotschaft von Vorschlägen +++ Ausnahmezustand auf der Krim verhängt +++ Ukraine meldet drei Tote bei russischen Angriffen +++ alle Neuigkeiten im Liveblog







