Im Hinblick auf diesen Freitag in Seattle wagte Jon Cairns eine hoffnungsvolle Prognose: „Im iranischen oder ägyptischen Staatsfernsehen werden sie die WM nicht unterbrechen, nur um eine Regenbogenfahne im Publikum auszublenden“, sagte der Manager des „Kremwerk“, eines lokalen LGBTQ+-Clubs in Seattle, der Nachrichtenagentur Reuters. Es war eine Prognose von dem Standort der Fußballweltmeisterschaft, der in dieser Woche zwei Veranstaltungen ausrichtet, die auf den ersten Blick inhaltlich kaum in Verbindung stehen können.Am Freitag um 20 Uhr Ortszeit (Samstag, 5 Uhr MESZ) kämpfen in der Football-Arena der Seattle Seahawks am dritten Spieltag der WM-Gruppe G Ägypten und Iran um den Einzug ins Sechzehntelfinale – allerdings in einem besonderen Rahmen: Am Wochenende findet in Seattle auch das „Pride Fest“ statt, eine der größten Pride-Veranstaltungen in den USA. Weshalb die lokalen WM-Veranstalter sich bereits im vergangenen Jahr eine passende Aktion für das Spiel überlegt haben. Sie erklärten diese Gruppenpartie offiziell zum „Pride Match“. Wohlgemerkt, als noch gar nicht bekannt war, welche beiden Mannschaften aufeinandertreffen würden. Und welche politischen Debatten das Thema nach sich ziehen würde.In Iran kann Homosexualität mit dem Tod bestraft werdenAus den überwiegend muslimisch geprägten Ländern kommen lautstarke Beschwerden zum geplanten Vorgehen in Seattle: Der ägyptische Fußballverband erklärte am Dienstag, dass er „jegliche Aktivitäten, die mit der Unterstützung von Homosexualität zu tun haben, während des Spiels kategorisch ablehnt“. Die Pride-Feiern stünden „in direktem Widerspruch zu den kulturellen, religiösen und sozialen Werten in der Region, vor allem in arabischen und islamischen Gesellschaften“. Im iranischen Staatsfernsehen äußerte sich der Präsident des iranischen Fußballverbands, Mehdi Taj, ganz ähnlich: Das „Pride Match“ sei „ein unvernünftiger und unlogischer Schritt, der im Grunde genommen die Unterstützung einer bestimmten Gruppe signalisiert“.In Iran droht weiterhin die Todesstrafe für homosexuelle Aktivitäten, in Ägypten gibt es kein juristisches Verbot für Homosexualität, allerdings werden Mitglieder der LGBTQ+-Gemeinschaft dort häufig wegen „Unzucht“ oder „Verstoßes gegen die guten Sitten“ rechtlich verfolgt.Beide Verbände richteten ihre Kritik auch an den Weltverband: Aus Ägypten erreichte die Fifa die Mahnung, „Aktivitäten, die bei den Zuschauern aus beiden Ländern – Ägypten und Iran – kulturelle und religiöse Empfindlichkeiten auslösen könnten“, zu vermeiden. Taj kündigte an, das Thema beim kommenden Council-Meeting der Fifa besprechen zu wollen. Der Weltverband erklärte auf Anfrage von Reuters, dass es sich um „eine Initiative der Gastgeberstadt“ handele und diese außerhalb des Verantwortungsbereichs der Fifa liege.Tatsächlich kontrolliert die Fifa offiziell nur die Stadien und die Fanzonen, wo es in Seattle jeweils keine Beteiligung am „Pride Match“ geben wird. Zu einer möglichen Verlegung oder einem Tausch mit dem parallel in Vancouver stattfindenden Gruppenspiel zwischen Neuseeland und Belgien, die bereits nach der Auslosung im vergangenen Dezember ein Thema gewesen war, äußerte sich die Fifa nicht.Vancouver:Die schönste Bühne dieser WeltmeisterschaftWo man mit dem Boot zum Stadion fährt: In Vancouver geht es beschaulicher zu als in anderen WM-Metropolen. Das begeistert die Fans. Doch die Bewohner machen sich Sorgen – auch wegen „The Fifa“.So bleibt vor allem die Hoffnung der Veranstalter und der Gemeinschaft in Seattle, die sich in ihrer Haltung nicht verändern wollen: „Der internationale Sport ist historisch gesehen eine der wichtigsten Triebkräfte für sozialen Wandel sowie für individuelle Rechte und Freiheiten weltweit“, sagte der Club-Manager Cairns. In Seattle läuft bereits seit einiger Zeit ein Kunstwettbewerb mit einem Motiv für das „Pride Match“, zudem wollen die Organisatoren eine friedliche, verbindende Veranstaltung abhalten.„Im pazifischen Nordwesten lebt eine der größten iranisch-amerikanischen Gemeinschaften des Landes, eine blühende ägyptische Diaspora und vielfältige Gemeinschaften, die alle Nationen repräsentieren, die wir in Seattle willkommen heißen“, erklärt Hana Tadesse, Sprecherin des lokalen WM-Organisationskomitees: „Wir setzen uns dafür ein, dass alle Einwohner und Besucher die Herzlichkeit, den Respekt und die Würde erfahren, die unsere Region auszeichnen.“
WM 2026: Ausgerechnet Ägypten und Iran bestreiten das „Pride Match“
Aus den muslimisch geprägten Ländern gibt es scharfe Kritik daran. Und die Fifa? Will mit alldem nichts zu tun haben.














