Die Tinte auf der gemeinsamen Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Krieges ist zwar trocken. Die Frage, was das Papier tatsächlich wert ist, scheint aber noch offen. Trotzdem richten sich seit der Unterzeichnung die Augen auch auf die Europäer: Was können sie beitragen, um den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder in Gang zu bringen und damit weitere Schäden von der Weltwirtschaft abzuwenden?Kurz nach der Unterzeichnung der Erklärung durch die Kriegsparteien betonte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die deutsche Bereitschaft zu helfen – auch militärisch. „Wir sind jedenfalls ready“, sagte Pistorius, den vielen politischen und rechtlichen Hürden, die vor einem Einsatz noch überwunden werden müssten, zum Trotz. „Wenn es soweit ist, sind wir bereit.“Was kann die Marine, wenn der Bundestag sie entsenden sollte, überhaupt leisten? Auf welchen Missionen sind deutsche Schiffe derzeit unterwegs? Und wie sähe ein Einsatz im Persischen Golf aus? Ein Überblick.Hinweis der Redaktion: Wir empfehlen, den Artikel auf dem Smartphone zu lesen, da er speziell dafür konzipiert wurde. Welche Schiffe hat die Bundeswehr zur Verfügung? Die deutsche Marine verfügt über elf große Kampfschiffe. Benannt werden sie nach Bundesländern. Eine Baureihe, auch Klasse genannt, heißt immer wie ihr erstes Schiff, das in Dienst gestellt wurde. © TSP/Katrin Schuber/Quelle: Bundeswehr Die vier Fregatten der Brandenburg-Klasse sind seit den Neunzigern auf den Weltmeeren unterwegs. © TSP/Katrin Schuber/Quelle: Bundeswehr Die drei Fregatten der Sachsen-Klasse haben eigentlich schon die Größe von Zerstörern, werden aber nicht so bezeichnet – wohl um den defensiven Charakter der Bundeswehr zu betonen.Sie sind auf Luftabwehr spezialisiert, können etwa Raketen abfangen und waren daher zwischenzeitlich als Geleitschutz für deutsche Handelsschiffe in der Straße von Hormus im Gespräch. In den aktuellen Überlegungen spielen sie aber keine Rolle. © TSP/Katrin Schuber/Quelle: Bundeswehr Zwischen 2019 und 2022 kamen noch die vier Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse hinzu. Auch sie haben eigentlich Zerstörergröße. Wo sind deutsche Schiffe unterwegs – und wozu? Die Schiffe sind in den verschiedensten Einsätzen und Missionen unterwegs, an denen sich die Bundeswehr beteiligt. © REUTERS/Jonas Walzberg Zum Beispiel vor der libanesischen Küste. Erst Mitte Juni hat die Fregatte Baden-Württemberg hier ihr Schwesterschiff Nordrhein-Westfalen abgelöst. © dpa/Ingo Wagner (Archivfoto) Seit 2006 soll die Mission UNIFIL verhindern, dass Waffen zur Ausrüstung der Hisbollah-Miliz ins Land geschmuggelt werden.Zwei weitere Operationen laufen derzeit im Mittelmeer: der EU-Einsatz Irini zur Durchsetzung des Waffenembargos gegen das Bürgerkriegsland Libyen und die Nato-Mission zur Bekämpfung von Schlepperei in der Ägäis. Mit ihrer Radartechnik sollen die Schiffe dort Boote von Geflüchteten ausfindig machen und diese Daten mit den lokalen Küstenwachen und der EU-Grenzschutzagentur Frontex teilen. Da die Einheiten der beteiligten Länder immer wieder wechseln, sind hier aktuell keine deutschen Schiffe im Einsatz. © dpa/Osamah Yahya Ähnlich ist es bei der EU-Operation Aspides im Roten Meer. Durch sie sollen durchfahrende Handelsschiffe vor Raketenangriffen der Huthi-Rebellen im Jemen geschützt werden. Der Name ist passend gewählt: Aspides ist Griechisch und bedeutet Schilde. Zu Beginn der Mission war die „Hessen“ Teil der Operation – und wurde selbst mehrfach angegriffen. © dpa/Carsten Rehder (Archivfoto) Vergleichsweise nah der Heimat, in der Ostsee, ist dagegen die Fregatte Hamburg im Rahmen der Nato-Mission Baltic Sentry unterwegs. Die Mission soll Russlands Aktivitäten in der Ostsee überwachen und kritische Infrastruktur schützen – gesteuert wird sie vom Hauptquartier in Rostock aus. Vier weitere Schiffe nehmen in der Ostsee aktuell an der Nato-Übung BALTOPS teil.Die Fregatte Hessen und zwei weitere Einheiten sind noch weiter nördlich unterwegs. Um welche Schiffe es sich genau handelt, was sie vor der Küste Norwegens tun und ob es mit der neuen Mission Arctic Sentry zu tun hat – dazu schweigt die Bundeswehr. © dpa/AP/Evgeniy Maloletka © Imago/Bernhard Herrmann Apropos USA: Eine Auszeit von ihrer eigentlichen Aufgabe, der Überwachung des Nordatlantiks, nimmt sich gerade die Fregatte Sachsen. Sie ist auf dem Weg nach Norfolk in Virginia, wo sie an einer Schiffsparade zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten teilnehmen soll. Dort trifft sie mit dem Segelschulschiff der Marine, der Gorch Fock, zusammen, die ebenfalls dabei ist. Was ist in der Straße von Hormus geplant? Für die aktuell diskutierte Mission im Persischen Golf spielen nicht die Fregatten, sondern kleinere Schiffe mit Spezialfähigkeiten eine Rolle. © TSP/Katrin Schuber/Quelle: Bundeswehr Besonders im Fokus: die Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse. Ganze zehn hat die Marine davon aktuell in Dienst. © TSP/Katrin Schuber/Quelle: Bundeswehr Begleitet werden sie oft von Versorgungsschiffen, den sogenannten Tendern der Elbe-Klasse. Ein solcher Verband ist jetzt auch für die mögliche Mission im Persischen Golf vorgesehen: das Minenjagdboot Fulda und der Tender Mosel.Bis in die Nacht zum Donnerstag vergangener Woche lagen sie bereits vorsorglich im ägyptischen Port Said vor Anker, um schnell einsatzbereit zu sein. Seither haben sie den Suezkanal durchquert und sich auf den Weg nach Dschibuti begeben. Dort sollen sie vor Anker gehen und sich für einen möglichen Einsatz bereithalten.Die Fulda verfügt über eine Druckkammer, um Minentaucher absetzen zu können, sowie über Unterwasserdrohnen, mit denen feindliche Minen gezielt zur Explosion gebracht werden können. Zusammen mit den Tauchern und einem robust ausgestatteten „Vessel Protection Team“ für den eigenen Schutz befinden sich derzeit rund 130 Personen an Bord. Anfang Mai lief die Fulda in Kiel aus, um sich im Mittelmeer für einen möglichen Einsatz im Persischen Golf bereitzuhalten. © dpa/MARCUS GOLEJEWSKI Um selbst nicht Opfer von Sprengfallen zu werden, besteht der Rumpf des Minenjagdbootes aus nichtmagnetischem Stahl. An Bord entstehende Magnetfelder werden abgeschirmt. © TSP/Katrin Schuber/Quelle: afp, dpa, Bundeswehr Das Suchen und Räumen von Minen ist eine Fähigkeit, die die deutsche Marine besonders gut beherrscht und für die sie international viel Ansehen genießt. Der traurige Grund: Vor der deutschen Küste liegen große Mengen an Minen und Munition in Nord- und Ostsee, schätzungsweise 1,6 Millionen Tonnen. Sie sind ein Relikt beider Weltkriege. Besonders bei der Entwaffnung Deutschlands ab 1945 wurde viel Material versenkt. Die Räumung dieser Altlasten bleibt eine wichtige Aufgabe der Marine in Friedenszeiten. © TSP/Katrin Schuber/Quelle: dpa, Bundeswehr, Wirtschaftsmagazin der politischen Marineakademie Ob die Fulda und die Mosel aber tatsächlich ihre Arbeit in der Straße von Hormus werden aufnehmen können, ist noch immer unklar. Für den Einsatz braucht es ein Mandat des Deutschen Bundestags, und das wird es wohl nur geben, wenn der Iran dem Einsatz westlichen Militärs in seinen Gewässern zustimmt.Vorerst bleibt die Lage unübersichtlich: Verlautbarungen der unterschiedlichen Konfliktparteien darüber, ob die Straße von Hormus gesperrt ist oder nicht, wechseln praktisch täglich. Es könnte ein längerer Aufenthalt vor Dschibuti werden.Recherche & Text: Jan Krüßmann, Christopher ZiedlerGestaltung & Infografik: Katrin SchuberKarten: Rita Böttcher
Bald auch im Einsatz in der Straße von Hormus?: Wo deutsche Kriegsschiffe unterwegs sind und was sie können
In der Straße von Hormus könnte die Bundeswehr bald Minen räumen. In anderen Gewässern operiert die deutsche Marine schon seit Jahren. Ein Überblick über die Missionen und die Gefahren, die sie bergen.








