Iran lehnt die von Frankreich und Großbritannien geplante internationale Marinemission zur Sicherung der Straße von Hormus ab. „Laut dem Memorandum von Islamabad wird die Minenräumung allein von Iran vorgenommen und von keinem anderen Land. Wir werden eine solche Aktion grundsätzlich nicht erlauben“, schrieb der stellvertretende Außenminister Kazem Gharibabadi am Montagabend auf der Plattform X. „Die Situation ist heikel und komplex. Wir raten Frankreich dringend dazu, sie mit seinen Provokationen nicht noch mehr zu verkomplizieren.“Es ist das erste Mal, dass sich das Regime in Teheran überhaupt öffentlich zu der geplanten Marinemission äußert, die schon seit Wochen vorbereitet wird. Auch die Bundesregierung hat eine deutsche Beteiligung in Aussicht gestellt. Unter anderem wird der Einsatz des Minenjagdboots Fulda erwogen. In Paris hieß es bislang, man sei dazu mit Iran im Gespräch.Mit seiner öffentlichen Abfuhr an Frankreich reagierte Gharibabadi auf eine Aussage des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Dieser hatte nach einem Treffen mit dem Sultan von Oman, Haitham bin Tarik, am Montag in Paris aufX geschrieben: „Wir haben beschlossen, in Zusammenarbeit mit unseren Partnern die Minenräumung der Meerenge zu unterstützen, um die Seewege zu sichern und eine freie und bedingungslose Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu gewährleisten.“Iran misstraut Omans DiplomatieDie gereizte Reaktion aus Teheran zeigt, dass Iran auch nach der Unterzeichnung des Memorandums die volle Kontrolle über die Meerenge für sich in Anspruch nimmt. Die Revolutionsgarde betrachtet es als ihren wichtigsten Erfolg im Krieg mit Amerika und Israel, die Weltwirtschaft durch Einschränkung der Schifffahrt in der Straße von Hormus jederzeit unter Druck setzen zu können. Diesen Hebel will Iran auch in den weiteren Verhandlungen mit Washington nutzen, um möglichst viele amerikanische Konzessionen gegen möglichst wenige Zugeständnisse bei seinem Atomprogramm zu erreichen.Amerika übt derweil Druck auf Oman aus, dabei zu helfen, Handelsschiffe durch eine alternative, von Iran nicht genehmigte Route entlang der omanischen Küste zu navigieren. Macrons Äußerungen über sein Gespräch mit dem Sultan von Oman betrachtet Teheran offenbar als weiteren Versuch, Iran die Kontrolle über die Meerenge zu entreißen.Das von Iran und Amerika unterzeichnete Memorandum bleibt in dieser Frage vage. Es besagt, dass Iran sich bestmöglich um „Maßnahmen“ bemühen werde, die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen zu ermöglichen. 60 Tage lang soll dies gebührenfrei erfolgen. Iran werde die Seestraße entminen. Zudem werde das Land im Dialog mit Oman, dem zweiten Anrainerstaat der Meerenge, und im Einklang mit dem Völkerrecht „die künftige Verwaltung und maritime Dienstleistungen in der Straße von Hormus definieren“.Witkoff und Kushner in DohaTeheran will den Passus so verstehen, dass Schiffe nur mit seiner Genehmigung auf der von Iran vorgegebenen Route die Meerenge durchfahren dürfen. Die Vereinigten Staaten sehen das anders. Den Streit darüber fochten beide Seiten am Wochenende mit Drohnen und Raketen aus, wobei kaum Schäden gemeldet wurden.Die amerikanischen Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner reisten am Dienstag nach Doha. Dort wird auch eine iranische Delegation erwartet. Teheran lehnt direkte Gespräche mit Amerika in Doha aber bislang ab. Verhandlungen über ein Stattfinden von Verhandlungen ist eine bewährte iranische Taktik, um Gespräche in die Länge zu ziehen. Während noch um einen Deeskalationsmechanismus für die Straße von Hormus gerungen wird, erscheint eine Einigung im Atomstreit, die eigentlich innerhalb von 60 Tagen vorgesehen war, in weiter Ferne.
Straße von Hormus: Iran will keine deutschen Minenräumer
Teheran bezeichnet die von Frankreich vorangetriebene Marinemission in der Straße von Hormus als Provokation. Das Land beansprucht die volle Kontrolle über die Meerenge.













