Gut, dass eine Hand nur fünf Finger hat, sonst würde Sabine Zielke sich noch mehr für die Zeit nach ihrem letzten Arbeitstag vornehmen. Die erste Regel, die sie mit dem Daumen aufzählt, lautet: Eins nach dem anderen machen. Zeigefinger: Mehr Sport. Mittelfinger: Das Rauchen aufgeben. Ringfinger: Endlich ordentliches Englisch lernen. Kleiner Finger: Einmal in der Woche in einem Kinderladen aushelfen.

Vielleicht ist der letzte Punkt derjenige, der am wenigsten Umstellungen verlangt, wenn die Dramaturgin, Ermöglicherin und Schauspielerin im Sommer nach 37 Jahren die Volksbühne verlässt. „Um nicht zu verblöden“ wird sie sich auch weiter mit Theaterprojekten abgeben. Es gibt einen Haufen von Künstlern, die auch künftig auf ihren Blick und ihren Kopf zugreifen wollen und möglicherweise auch auf das unerschöpfliche Reservoir an Energie, Zugewandtheit und guter Laune.

Sabine Zielke war schon da, als Frank Castorf kam

Wir haben uns mitten in den letzten stressigen Tagen vor dem Intendantenwechsel mit vielen Dernièren und Abschiedsfesten zum Gespräch in ihrer Volksbühne getroffen, zuerst in der Werkstatt der Requisite, einem Lieblingsort mit drei menschlichen Skeletten, die in einer Kesselpauke ohne Fell ihre letzte oder vorletzte Ruhestätte gefunden haben.