Der Kabarettist Dieter Nuhr bezeichnet die lauten Proteste gegen seine Sendung als klaren Fall von überzogener »Interneterregung«. In der jüngsten Episode von »Nuhr im Ersten« hatte er in einem längeren Monolog über das Thema Gewalt an Frauen gewitzelt und die Verantwortung auch potenziellen Betroffenen zugeschoben: »Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt«, so Nuhr. Weiter sagte er: Es gebe »etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr«, und natürlich seien das »300 bis 350 zu viel«. Aber es gebe in Deutschland zig Millionen Männer. »Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null.«

»Völlig überzogene pauschale Verunglimpfung«Ihm sei es bei seinem Auftritt um etwas ganz anderes gegangen, so der 65-Jährige. »Um das Wort ›strukturell‹, das allen Männern Schuld zuweist, weil sie ›strukturell‹ Täter sind.« Nach eigenen Angaben bezog er sich bei seinen Witzen auf Artikel in großen deutschen Zeitungen, in denen Frauen infrage gestellt hätten, noch mit Männern leben zu können, weil diese »statistisch töten«.

Diese »völlig überzogene pauschale Verunglimpfung« sei Thema seines Beitrages gewesen. »Ich habe betont, dass jeder Frauenmord selbstverständlich (!) einer zu viel ist, aber dass die Chance, bei der Partnerwahl auf einen Frauenmörder zu stoßen, verschwindend gering ist,« schreibt Nuhr – um dann seinem Publikum zu erklären, »dass man bei der Partnerwahl gelassen bleiben kann.«»Kerngeschäft von Satire«Der für die Sendung zuständige Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) nannte die Kritik an der Nuhr-Passage indes nachvollziehbar. In Satireformaten gelte es jedoch auch, die künstlerische Freiheit zu achten, hieß es auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. »Dieter Nuhr darf grundsätzlich als Künstler vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren«, so die Rundfunkanstalt.