PfadnavigationHomePanoramaGewalt gegen Frauen„Es widert mich an“ – Kritik an Dieter Nuhr nach Frauenmörder-KommentarVon Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftStand: 11:59 UhrLesedauer: 4 Minuten„Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null“, insistiert NuhrQuelle: David Young/dpaIn „Nuhr im Ersten“ nimmt Dieter Nuhr Männer vor pauschalen Verdächtigungen in Schutz, sich gewaltsam gegen Frauen zu verhalten. Stattdessen verweist er auch auf das Verhalten der Opfer. Daran regt sich breite Kritik – die ARD verteidigt den Satiriker.Frauenfeindliche Straftaten nehmen zu. Über 50.000 weibliche Opfer von Sexualdelikten verzeichnete das Bundesinnenministerium vergangenen November für das Jahr 2024. Etwa die Hälfte der Opfer seien zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen. Mehr als eine Viertelmillion Fälle von häuslicher Gewalt erfasste die Polizeiliche Kriminalstatistik für dasselbe Jahr, womit ein neuer Höchststand erreicht wurde. Für den Begriff „Femizid“ fehle zwar eine bundeseinheitliche Definition, doch stehe fest, dass 328 Mädchen und Frauen Opfer vollendeter Tötungsdelikte wurden, heißt es dort.In der letzten Woche hielt das Thema auch Einzug in das ARD-Format von Dieter Nuhr. Dort beklagte sich der Satiriker über die generalisierende Verurteilung von Männern als „strukturell irgendwie doof“ und eine Gefahr für Frauen. „Man benutzt das Attribut ‚strukturell‘, um ein Pauschalurteil mit dem Krönchen der Wissenschaft zu schmücken“, beanstandete er. „Morde an Frauen werden im Wesentlichen von Männern verübt. Das ist richtig, bedeutet aber nicht, dass Männer ständig Frauen töten.“ Doch Nuhr ging in seiner Nummer noch weiter, indem er zumindest indirekt eine Mitschuld in Fällen von Gewalt gegen Frauen bei ebenjenen suchte. „Es gibt etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr und bitte, natürlich sind das 300 bis 350 zu viel, das ist doch keine Frage“, führte der Satiriker aus. „Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null. Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erstmal kennenlernt.“Der Ausschnitt aus „Nuhr im Ersten XXL“ rief breite Kritik hervor. „Durch seinen Sicherheits-Tipp wird seine Ansicht klar: Frauen seien selbst schuld, wenn sie getötet werden. Sie hätten den Mann vor dem Sex einfach einmal kennenlernen müssen“, bemängelte Carolina Schwarz in einem „taz“-Kommentar. „Das ist nicht nur Victim Blaming, also eine Umkehrung der Schuld, die die Verantwortung bei den Betroffenen anstatt bei den Tätern sucht. Es ist auch schlicht falsch.“ In 87 Prozent der Fälle würden Frauen durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet, schilderte sie.Lesen Sie auchDie Influencerin Josephine Schreiber wählte eine ähnliche Stoßrichtung und gewährte dazu einen persönlichen Einblick: Einer ihrer früheren Partner habe sich zunächst als „absolut lieber Mensch“ präsentiert, berichtete sie in einem Instagram-Post. Erst im zweiten Jahr habe es begonnen, zu „bröckeln“, bis er ihr die Nase gebrochen habe. „Es widert mich an, wie absolut privilegierte Menschen, die wahrscheinlich niemals in ihrem beschissenen Leben Gewalt erlebt haben, dort sitzen und sich darüber totlachen, dass mehrmals die Woche in Deutschland Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern ermordet werden.“„Als mein damaliger Freund das erste Mal neben mir in die Wand geschlagen hat, waren wir übrigens seit zwei Jahren zusammen“, kritisierte auch die als „Frau Löwenherz“ bekannte Influencerin Leonie Plaar. „Hatte ihn wohl einfach noch nicht genug kennengelernt. Danke, Dieter.“ Partyschlager-Sängerin Mia Julia fragte sich wiederum auf Instagram, weshalb niemand gegen den Satiriker vorgehe: „Was macht er da ‚Nuhr‘ und warum dreht ihm niemand das Mic ab?!“Lesen Sie auchAuf Nachfrage des Nachrichtenportals „Watson“ äußerte die ARD Verständnis für die negativen Rückmeldungen auf die Ausgabe vom vergangenen Freitag. „Selbstverständlich sind wir uns unserer öffentlich-rechtlichen Aufgabe und Verantwortung bei der Gestaltung des Programms bewusst“, heißt es vonseiten des Senders. „Dass die zitierte Passage auf große Kritik stößt, können wir nachvollziehen.“ Lesen Sie auchDa es sich bei „Nuhr im Ersten“ jedoch um ein Satireformat handele, gelte es, die künstlerische Freiheit zu beachten. „Dieter Nuhr darf grundsätzlich als Künstler vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren.“Lesen Sie auchDie geäußerten Kritiken nehme der Sender als „wichtige Impulse“ bei der redaktionellen Auseinandersetzung mit dem eigenen Programm auf, versicherte die ARD dann noch. „Über Geschmacksgrenzen lässt sich diskutieren und streiten. Mit Blick auf den weiten Schutzbereich der Satirefreiheit sehen wir unseren Programmauftrag nicht verletzt.“Für Ulrich Schneider, Mitglied des Parteivorstands der Linken, fällt die Reaktion der ARD wenig überzeugend aus. „Die ARD faselt zu den Witzen Nuhrs über ermordete Frauen über den ‚Schutzbereich‘ der Satirefreiheit“, schrieb der langjährige Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes auf der Plattform X. „Ich denke, es braucht dringend ebenso einen Schutzbereich für die Ermordeten und ihren Angehörigen vor der ARD und Dieter Nuhr.“
Dieter Nuhr: „Es widert mich an“ – Kritik an Kabarettist nach Frauenmörder-Kommentar - WELT
In „Nuhr im Ersten“ nimmt Dieter Nuhr Männer vor pauschalen Verdächtigungen in Schutz, sich gewaltsam gegen Frauen zu verhalten. Stattdessen verweist er auch auf das Verhalten der Opfer. Daran regt sich breite Kritik – die ARD verteidigt den Satiriker.









