An Kritik spart Bauernpräsident Joachim Rukwied auch auf dem diesjährigen Bauerntag in Freiburg nicht. Viele Punkte kommen dem jährlichen Zuhörer bekannt vor: Vom lange ersehnten Politikwechsel sei nichts zu spüren, Berlin und Brüssel lieferten nicht, die Lage auf den Höfen sei existenzbedrohend. Die Klagen der Landwirte sind in Teilen nachvollziehbar, doch greift der Bauernpräsident mit seiner Pauschalkritik zu kurz.Rukwied beklagte, bei „nahezu allen“ Produkten seien die Preise „desaströs“. In dieser Pauschalität ist das falsch. Für Schweinehalter ist es derzeit tatsächlich schwierig, kostendeckend zu wirtschaften. Doch dabei handelt es sich immer nur um eine Momentaufnahme. Vor wenigen Monaten erzielten dieselben Betriebe noch ein Drittel mehr. Zum Bild gehört auch, dass die Marktlage nicht überall so desaströs ist; die Geflügel- und Rinderhaltung etwa sind stabiler, als suggeriert wird.Das Narrativ des notleidenden LandwirtsDoch das Narrativ des notleidenden Landwirts verfolgt der Verband nicht ohne Grund. Es sichert Transferleistungen und legitimiert Maximalforderungen, so auch die nach einem 500 Milliarden Euro schweren Agrarbudget, ohne Kompromissbereitschaft oder Reformangebote. Ziel müsste es sein, die Abhängigkeit der Höfe von Subventionen zu senken und Anreize zu schaffen, wettbewerbsfähiger zu werden.Die Lage ist längst nicht so düster, wie sie dargestellt wird. Bauern sind Preisschwankungen gewohnt und können damit umgehen. Es sind die Rahmenbedingungen, die ihnen zusetzen. Hier hat sich zumindest einiges verbessert, das die Bauern anerkennen sollten. Die Mühlen in Brüssel und Berlin mahlen langsam, und eine so heterogene Branche lässt sich nicht pauschal entlasten. Konkrete, zielgenaue Forderungen wären hilfreich, doch hier bleiben die Bauernvertreter oft im Ungefähren.Den Personalwechsel mit dem Ausscheiden Rukwieds im kommenden Jahr könnte der Deutsche Bauernverband als Chance begreifen. Frischer Wind wäre willkommen. Die Mitglieder sind überaltert, junge, motivierte Landwirte kommen zu selten zu Wort. Vor allem aber muss der Verband raus aus der Opferrolle: weniger reflexhafte Klagen, dafür ehrliche Analysen und zukunftsgerichtete Argumente. Nur so wird der Verband glaubwürdiger und findet Gehör.