Bisher ist das „Altersvorsorgedepot“ das große Rentenreformthema dieses Jahres gewesen. Nun hat die Bundesregierung diese Woche erkennen lassen, mit der „Kapitalrente“ eine weitere Reform der Altersvorsorge anzustreben. Schaut man sich Umfragen der Finanzbranche an, ist der Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung noch gewaltig.Das Ende März beschlossene Altersvorsorgedepot sagt gemäß einer Umfrage des Instituts Civey im Auftrag des Onlinebrokers Flatex nur knapp der Hälfte der 2500 Befragten etwas. 43 Prozent der 18 bis 64 Jahre alten Befragten, also der Zielgruppe der Reform, haben indes noch nie von dem Begriff gehört.Entsprechend können sich auch nur 35 Prozent vorstellen, die von Januar 2027 an geplante, staatlich geförderte private Altersvorsorge zu nutzen. Die Bereitschaft ist unter den Jüngeren deutlich höher als unter den älteren Befragten. Aufgeteilt nach Parteipräferenzen wollen insbesondere Anhänger von BSW und AfD die staatlich geförderte private Altersvorsorge nicht nutzen, hier überwiegt die Ablehnung sehr deutlich.AfD-Anhänger sind unsicher und skeptischDas sind zudem auch jene Befragten, die sich beim Thema Altersvorsorge besonders unsicher fühlen. 73 Prozent der AfD- und BSW-Anhänger geben an, sich wenig oder überhaupt nicht sicher zu fühlen, wenn sie an ihre finanzielle Situation im Rentenalter denken. Höher ist die Unsicherheit nur bei den Linken-Anhängern mit 78 Prozent. Die Unsicherheit überwiegt aber unter allen Befragten von 18 bis 64 Jahren. Am sichersten fühlen sich die Anhänger von CDU/CSU mit 45 Prozent und FDP (42 Prozent).Trotz hoher Unsicherheit, was das neue Altersvorsorgedepot überhaupt ist, haben insbesondere die AfD-Anhänger eine starke Meinung, dass die bisherigen Angebote klassischer Versicherer attraktiver seien als die neue Form staatlich geförderter Altersvorsorge. Nur die Linken-Anhänger trauen sich mehrheitlich ebenfalls eine klare Meinung zu, halten aber das neue staatliche Förderangebot für deutlich attraktiver als die klassischen Versicherer-Angebote. Die Anhänger der anderen Parteien wissen es überwiegend noch nicht genau. Insgesamt hält ein Fünftel es für wahrscheinlich, die staatlich geförderte Altersvorsorge zu nutzen, fast 60 Prozent halten es für unwahrscheinlich.Der Reformbedarf wird mehrheitlich gesehenDie am Dienstag vorgestellten Pläne der Rentenkommission sehen überdies vor, dass alle Beitragszahler zur gesetzlichen Rente künftig verpflichtend eine staatlich organisierte Kapitalrente (mit privaten Wahlmöglichkeiten) ansparen und Frühverrentungsmöglichkeiten beschränkt sowie längeres Arbeiten bei steigender Lebenserwartung verpflichtend werden. Dass das deutsche Rentensystem einer Reform bedarf, dieser Auffassung sind nach einer von der Allianz in Auftrag gegebenen Umfrage 83 Prozent der Deutschen.Gleichzeitig glauben aber nur 42 Prozent an eine politische Umsetzungsfähigkeit von Rentenreformen. Das ist bei der in mehreren Ländern durchgeführten Umfrage ein besonders niedriger Wert. In Italien wird die Reformfähigkeit der Altersvorsorge mit 36 Prozent noch niedriger eingeschätzt, in den USA und Polen gibt es mit mehr als 60 Prozent mehr Zutrauen in die politische Reformfähigkeit.„Die Umfrage zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger die Herausforderungen für die Rentensysteme klar erkennen. Gleichzeitig besteht eine erhebliche Skepsis gegenüber der politischen Umsetzungsfähigkeit“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt und Chefanlagestratege der Allianz. „Bei der Rentenreform steht deshalb mehr auf dem Spiel als eine sichere Rente: Ihr Erfolg ist eine Chance für die Politik, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückzugewinnen, Zukunftsaufgaben wirksam zu bewältigen.“Wenn es darum geht, was die Menschen für den besten Weg halten, um zu einem besseren Rentensystem zu kommen, erhält keine Option eine klare Mehrheit. 15 Prozent plädieren für längeres Arbeiten, 15 Prozent würden die Leistungen der staatlichen Rente kürzen, 27 Prozent halten mehr privates Sparen für den besten Weg. Besonders hoch ist in Deutschland mit 35 Prozent der Anteil derjenigen, die sämtliche Reformoptionen grundsätzlich ablehnen.