Ein Teil der Deutschen wurde in dem Glauben erzogen: „Die Rente ist sicher.“ Ein anderer Teil bekam schon in der Schule die Alterspyramide gezeigt und konnte sich ausrechnen, dass es knapp werden könnte mit der Rente. Beide Gruppen haben gemeinsam, dass sie sich mehrheitlich unzureichend mit dem Thema befassen. Die einen, weil sie glauben, ausreichend durch die gesetzliche Rente abgesichert zu sein, die anderen, weil sie meinen, dass Altersarmut fast schon unweigerlich auf ihre Generation zukomme.Umfragen zeigen, dass selbst die Hälfte derer, deren Renteneintritt in den nächsten Jahren unmittelbar ansteht, keinen Überblick über ihre Einkommenslage im Rentenalter haben. Eine politische Reform wie das Altersvorsorgedepot sagt der Hälfte der Menschen auch drei Monate nach dem Beschluss in Berlin selbst als Begriff noch gar nichts.Es zeigt, wie weit der Weg in Deutschland noch ist. Während es in Ländern wie Schweden oder den USA zum Alltag gehört, über Aktien und unternehmerisches Vorankommen zu sprechen, weil davon eben die finanzielle Lage im Alter abhängt, überwiegt in Deutschland noch die Auffassung, es sei in erster Linie Sache des Staates, sich um das Auskommen der Menschen im Alter, bei Krankheit und Pflege zu kümmern.Die Superreichen landen schnell im DispoDie Unwucht, die das System durch immer mehr ältere Menschen und weniger Kinder bekommen hat, ist vielen klar. Doch den Diskurs dominieren populistische Parolen, die Reichen und die Beamten sollten stärker zur Kasse gebeten werden, und dann werde schon alles gut mit den Sozialsystemen. Doch selbst wer die Argumente teilt, sollte zur Kenntnis nehmen: Die zwei Millionen Beamte dieses Landes reichen nicht aus, um 22 Millionen Rentner zu finanzieren. Zumal Beamte als Einzahler auch Ansprüche erwerben.Und die 5000 „Superreichen“ mit mehr als 100 Millionen Dollar Finanzvermögen werden angesichts von Ausgaben der Deutschen Rentenversicherung im vergangenen Jahr von 421 Milliarden Euro schnell in den Dispo geraten, wenn sie das System retten sollen. Und da sind die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung von 352 Milliarden Euro im Jahr und der sozialen Pflegeversicherung von 73 Milliarden Euro im Jahr noch gar nicht dabei.Selbst wenn alle Superreichen enteignet würden, finanziert dies das System nur für ein paar Monate. Es hilft alles nichts: Die große Menge der Mittelverdiener muss sich mit den Themen Rente und Pflege und der Vorsorge befassen. Politische Reformen sind wichtig, aber sie entlassen den Einzelnen nicht aus der Pflicht, sich um seine individuelle Situation zu kümmern. Welche Einkünfte brauche ich im Alter? Wie hoch sind meine aktuellen Ansprüche in der gesetzlichen Rente? Wie weit bin ich von meinen Zielen entfernt? Und welche Wege könnten mich näher zum Ziel bringen? Information ist dabei der erste Schritt auf einem langen, aber nötigen Weg.