PfadnavigationHomePolitikDeutschlandHerrenknecht„Völlig realitätsfernes Behörden-Theater“ – Unternehmer droht wegen Blumenkübeln mit VerlagerungStand: 05:46 UhrLesedauer: 3 MinutenBlumenkübel stehen auf dem Firmengelände von HerrenknechtQuelle: Philipp von Ditfurth/dpaIn Schwanau eskaliert ein Streit zwischen der Gemeinde und dem Tunnelbauunternehmen Herrenknecht. Der Grund: 20 Blumenkübel, mit denen die Gemeinde eine Straße zum Werksgelände beruhigen will. Weil die Kübel zurückkommen, droht der Chef mit drastischen Maßnahmen.Martin Herrenknecht ist für seine deutlichen Worte bekannt. Gerade erst warf der Unternehmer Teilen der SPD in der Bundesregierung einen mangelnden Reformwillen vor. Zudem warnte der Chef des Tunnelbohrmaschinen-Herstellers Anfang Mai eindringlich: „Wir fahren dieses Jahr vor die Wand, wenn wir nicht drastisch den Kurs wechseln.“ Deutschland sei „wie in einem Dornröschenschlaf“ versunken.Aktuell ärgert sich der 83-jährige Unternehmer erneut – diesmal aber nicht über die Bundespolitik, sondern über die badische Gemeinde Schwanau (Ortenaukreis). Dort hat die Spezialfirma, die als Weltmarktführer im Tunnelbau gilt, ihren Sitz. Gegenstand der Auseinandersetzung zwischen Herrenknecht und der Gemeinde: Blumenkübel. Lesen Sie auch„Haben Sie in der Gemeindeverwaltung wirklich nichts Wichtigeres zu tun?“, zitierte die „Badische Zeitung“ den verärgerten 84-Jährigen. Die Auseinandersetzung begann bereits im vergangenen Jahr. Als verkehrsberuhigende Maßnahme in der Tempo-30-Zone wurden damals nach Beschluss des Ortschaftsrates rund 20 Blumenkübel auf der Durchgangsstraße zum Werksgelände der Herrenknecht AG aufgestellt. Blumenkübel sollen Gefahr für Autofahrer seinEinen Teil ließ der Gründer des Familienunternehmens jedoch wieder entfernen, weil sie Beschäftigte auf dem Weg zur Arbeit gefährden könnten, hieß es zur Begründung. Nach Ansicht des Mittelständlers haben die Verantwortlichen im vergangenen Oktober „einen derartigen Mist gebaut“. Die massiven Holz-Blumenkübel seien in der dunklen Jahreszeit aufgestellt worden, kaum sichtbar und ohne ausreichende Abstimmung mit der Polizei.Lesen Sie auchDie Blumenkübel wurden der Kommune auch zurückgegeben. Das Landratsamt hatte damals mitgeteilt, die Behörde habe die Möblierung der Straße – darunter auch Pflanzenkübel – als Mittel zur Verkehrsberuhigung gesehen. „Solche Gestaltungselemente tragen dazu bei, das Straßenbild im Sinne der angeordneten Verkehrsregelung klar zu strukturieren und das Geschwindigkeitsniveau zu senken“, sagte ein Sprecher. Das sei weiter Auffassung der Behörde. Es handele sich um eine verkehrsrechtliche Anordnung. Lesen Sie auchBürgermeister Marco Gutmann (parteilos) sagte im vergangenen Oktober, er sei zwar bereit, eine Lösung zu finden, es gebe auch bereits Ideen. Man sei im Gespräch mit Herrenknecht. „Wenn das aber nicht funktioniert, bin ich in der Pflicht, Recht und Ordnung herzustellen.“ Zudem wies der Bürgermeister Marco Gutmann darauf hin, dass es eine Umgehungsstraße gibt, über die die Beschäftigten gut zu den Parkplätzen der Firma fahren könnten, sodass der Verkehr nicht durch den Tempo-30-Bereich im Ort fließen müsse.Herrenknecht hingegen gab sich kämpferisch und kündigte an, dass die Blumenkübel erneut entfernt werden, sollte die Gemeinde weitere aufstellen. „Die Kübel sind für mich ein rotes Tuch“, sagte er damals.Herrenknecht droht mit VerlagerungNun sollen die Pflanzkübel in abgewandelter Form – mit Reflektoren und als zusammenhängende Paare – wieder aufgestellt werden. Herrenknecht kritisiert derweil, die Gemeinde solle sich stärker um wirtschaftliche Entwicklung und bessere Rahmenbedingungen kümmern statt um Blumenkübel. Er sprach von einem „völlig realitätsfernen Behörden-Theater“. Lesen Sie auchHerrenknecht erwägt nach eigenen Angaben nun sogar, Teile seines Unternehmens aus dem Schwanauer Ortsteil Allmannsweier zu verlagern – etwa nach Rust. Das betreffe das Servicegeschäft und Aktivitäten im Bereich Tiefengeothermie, beides wachsende Bereiche. Zu konkreten Planungen äußere man sich nicht, sagte ein Sprecher. „Grundsätzlich steht Herrenknecht fest zum Standort Deutschland, insbesondere zu Baden und zur Ortenau.“Eigenmächtig entfernen will der Firmenchef die Blumenkübel diesmal aber nicht noch einmal. „Ich werde die Kübel kein zweites Mal wegschaffen lassen.“ Das weltbekannte Maschinenbauunternehmen Herrenknecht stellt große Tunnelbohrmaschinen her und beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter.dpa/saha
Herrenknecht: „Völlig realitätsfernes Behörden-Theater“ – Unternehmer droht wegen Blumenkübeln mit Verlagerung - WELT
In Schwanau eskaliert ein Streit zwischen der Gemeinde und dem Tunnelbauunternehmen Herrenknecht. Der Grund: 20 Blumenkübel, mit denen die Gemeinde eine Straße zum Werksgelände beruhigen will. Weil die Kübel zurückkommen, droht der Chef mit drastischen Maßnahmen.








