Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko steht kurz bevor. Viele Fans kaufen, sammeln, tauschen und kleben die dazugehörigen Sticker jedoch schon seit einigen Wochen. Und dieses Mal haben sie mehr zu tun als sonst: Die WM wurde auf 48 Nationen aufgebläht – wer das Album füllen will, braucht fast 1000 Bilder.Beim Hersteller Panini herrscht Hochkonjunktur. „Die heiße Phase läuft ab April, da stehen die Panini-Kader endgültig fest und die Produktion startet im Sechs-Tage-Betrieb in drei Schichten in Italien und Brasilien für den südamerikanischen Markt“, sagt Alexander Bubenheimer, Geschäftsführer des deutschen Panini-Ablegers.Verschnaufen kann er auch im Juni bislang nicht. „Alle Ländermärkte schreien gerade nach mehr Ware, es läuft gigantisch – auch im Vergleich zu früheren Turnieren“, ergänzt er. Das Geschäft ist zu großen, internationalen Turnieren besonders lukrativ. Laut eines Berichts des US-Portals „The Athletic“ erzielte Panini mit seinen Produkten zur WM 2022 einen Rekord-Nettoumsatz von ungefähr 613 Millionen Euro. In diesem Jahr rechnen die Italiener laut dem US-Medium mit Einnahmen von mehr als 1,2 Milliarden Euro mit ihren lizenzierten WM-Produkten. Den Nettoumsatz für das gesamte Unternehmen in diesem Jahr soll Panini demnach auf 2,1 Milliarden Euro schätzen.Panini verliert die FIFA-WM-LizenzEinnahmen, die Panini schon in einigen Jahren wegbrechen könnten. Wer ein offizielles und vollständiges WM-Sammelalbum inklusive Bildchen auf den Markt bringen will, braucht die entsprechenden Rechte. Vom Fußball-Weltverband FIFA, von den Nationalverbänden und mittlerweile auch von einigen Spielern, die ihre Bildrechte selbst vermarkten.Panini hatte hier lange so etwas wie ein Quasi-Monopol. Das Logo mit Ritter und Lanze kennen viele Sammler seit Jahrzehnten, immerhin kam das erste offizielle WM-Heft von Panini schon zum Turnier 1970 in Mexiko in den Handel. Zur WM 2030 feiern Panini und FIFA also noch 60. Jubiläum. Danach ist die Party vorbei. Zumindest vorerst.Anfang Mai verlautbarte der Fußball-Weltverband in einer Mitteilung, dass er seine Partnerschaft mit einem Wettbewerber ausbaut und ihm ab 2031 in einem „langfristigen und exklusiven“ Lizenzvertrag auch die Rechte für die Weltmeisterschaften zuspielt. Der Name des Wettbewerbers: Topps, das zum Sport- und Sammelartikelkonzern Fanatics gehört.Das erste FIFA-WM-Heft von Panini kam 1970 Foto: PaniniDer Sticker-Kampf zwischen Panini und Fanatics läuft weiter„Im gesamten Sportbereich sehen wir, dass Fanatics massive Innovationen im Sammelbereich vorantreibt – und Fans damit eine neue, bedeutungsvolle Möglichkeit bietet, sich mit ihren Lieblingsmannschaften und ihren Lieblingsspielern zu verbinden“, hieß es in diesem Zusammenhang von FIFA-Präsident Gianni Infantino.Es gab tatsächlich schon einige Nadelstiche, die das US-Unternehmen setzen konnte. Das Heft zur EM 2024 kam schon aus dem Hause Topps, genauso produzieren die Amerikaner die Alben für die UEFA Champions League – und bereits seit Jahren die für die deutsche Herren-Bundesliga. Und es geht nicht nur um Fußball: An die Amerikaner verlor Panini unter anderem auch schon die Rechte an den US-Sportligen NBA und NFL.Fanatics arbeitet so seit Jahren daran, das Ruder in der Branche an sich zu reißen. An der Spitze des Konzerns steht Michael Rubin, der mit Fanatics nicht nur Sticker und Sammelkarten verkauft, sondern auch Sportwetten und Online-Casinos anbietet und so Milliardenumsätze einspielt. Topps kaufte Rubin 2022 für rund 500 Millionen Dollar – kurz bevor bekannt wurde, dass sich das Unternehmen die EM-Rechte für 2024 und 2028 sichern konnte.Panini verliert zur WM 2034 die offiziellen FIFA-Lizenzen Foto: PaniniSchon die EM vor zwei Jahren in Deutschland zeigte, wie umkämpft der Sticker-Markt nun ist. Zwar hatte Topps die UEFA-Lizenz, aber nicht alle Rechte der Nationalverbände. Genauso fehlten Lizenzen für einzelne Spieler. Die lagen wiederum teils noch bei Panini. So fehlten im Topps-Heft nicht nur Spieler wie Manuel Neuer, sondern auch Sticker von Logos und Trikots mehrerer Nationen, darunter auch die des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).Panini will auch auf andere Geschäftsbereiche setzenTopps macht gute Trading-Card-Kollektionen, meint Bubenheimer. Er sagt aber auch: „Bei den Stickern hat man bei den Fanreaktionen durchaus andere Einschätzungen gehört.“Trotzdem wolle Panini diese „mutige Entscheidung der FIFA“ respektieren. „Genauso wie Adidas respektieren musste, dass der DFB jetzt von Nike ausgestattet wird. Aber wer weiß: Vielleicht ändert sich das in ein paar Jahren auch wieder“, sagt Bubenheimer.