Keiko Fujimori tritt in Peru das Erbe ihres umstrittenen Vaters anDie rechte Kandidatin gewinnt hauchdünn die Präsidentschaftswahl. Nun will sie mit harter Hand gegen die Banden vorgehen, unter deren Gewalt die Bevölkerung leidet.25.06.2026, 17.08 Uhr4 LeseminutenKeiko Fujimori hat Grund zum Jubeln: Als erste Frau wird sie regulär gewählte Präsidentin Perus.«Kommt Fujimori zurück, kommt die Ordnung zurück»: Für viele Peruaner ist dieser Slogan eine Verheissung, andere verstehen ihn eher als Drohung. Nun ist klar, dass das Comeback der Familie an der Staatsspitze Tatsache wird. Keiko Fujimori, die Tochter des Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, hat die Präsidentschaftswahl vom 7. Juni gewonnen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auch fast drei Wochen später dauert die Auszählung noch an, das offizielle Ergebnis wird erst im Juli erwartet. Doch es sind zu wenige Stimmen übrig, als dass Fujimoris linker Gegner Roberto Sánchez den Rückstand von gut 40 000 Stimmen noch aufholen könnte. Die rechte Kandidatin dürfte hauchdünn mit etwa 50,1 Prozent gewinnen.Fujimori wird damit die erste regulär gewählte Frau, die das Land mit seinen 34 Millionen Einwohnern regiert. Sie hat zuvor dreimal vergeblich kandidiert, zuletzt verlor sie 2021 äusserst knapp gegen Pedro Castillo.Ein Präsident nach dem anderenWenn sie nun verspricht, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, meint sie damit auch das politische System: Peru hat eine Zeit mit hoher Instabilität hinter sich. Fujimori ist die neunte Person im höchsten Amt innerhalb von zehn Jahren. Mehrere ihrer Vorgänger wurden wegen Korruptionsaffären vom Parlament abgesetzt oder traten selbst schnell wieder zurück.Doch für Ordnung und Sicherheit wird Fujimori ebenso im Alltag sorgen, so zumindest die Hoffnung ihrer Wähler. Wie andere Länder Südamerikas leidet Peru unter einer Welle der Gewalt, die auch mit der Drogenkriminalität zusammenhängt. Die Zahl der Morde ist stark gestiegen, und kleine Händler sehen sich ebenso einer extrem gewalttätigen Form der Schutzgelderpressung ausgesetzt wie Busfahrer oder Motorradtaxifahrer. Weigern sich die Transportunternehmer, das Schutzgeld zu bezahlen, riskieren sie, dass Auftragskiller auf der Strasse ihre Busse ins Visier nehmen.Gegen solche Machenschaften will Fujimori mit «mano dura» (harter Hand) vorgehen. Soldaten sollen künftig öffentlichen Bussen Begleitschutz geben und Bandenkriminalität soll als «urbaner Terrorismus» gelten, mit entsprechend drakonischen Strafen. Die venezolanische Gang Tren de Aragua, deren Anführer kürzlich von den USA getötet wurde, hat sich auch in Peru breitgemacht. Fujimori will deshalb kriminelle Ausländer sofort ausschaffen. Sie plant auch, vier neue Hochsicherheitsgefängnisse bauen zu lassen.Rechte auf dem VormarschDas Programm hat viele Parallelen zu jenem anderer Rechtsaussen-Politiker in der Region wie Nayib Bukele in El Salvador oder Abelardo de la Espriella, der kürzlich die Wahlen in Kolumbien gewonnen hat. Die vielerorts prekäre Sicherheitslage ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Rechte derzeit in Südamerika auf dem Vormarsch ist, was auch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump freut. Nur noch Brasilien, Uruguay und Venezuela sind derzeit links regiert.In der Wirtschaftspolitik setzt Fujimori auf einen liberalen, unternehmensfreundlichen Kurs. Deregulierungen sollen mehr ausländische Investoren anlocken. Den Bergbausektor, der bereits heute für einen Grossteil der Exporte sorgt, will die neue Präsidentin noch weiter ausbauen – auch durch eine Lockerung der Umweltschutzauflagen.Prosperität dank einer ungezügelten Marktwirtschaft und Sicherheit: Das waren auch die Kernthemen von Fujimoris Vater, der Peru von 1990 bis 2000 beherrschte. Alberto Fujimori sorgte für ein Wirtschaftswunder, für das ihn seine Anhänger immer noch verehren. Doch er verantwortete auch den Einsatz von Todesschwadronen im Kampf gegen linke Guerilla-Organisationen und die Zwangssterilisation von zahlreichen indigenen Frauen. Nach der Ausschaltung des Parlament regierte er zunehmend autoritär.Für seine Anhänger ist er immer noch ein Held: Alberto Fujimori.Alessandro Cinque / REUTERSSie schämt sich nicht für den VaterNach seinem Rücktritt Ende 2000 ging Fujimori ins Exil nach Japan, dem Land seiner Eltern. 2005 wurde er bei einem Besuch in Chile verhaftet und später in Peru wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption zu einer langen Haftstrafe verurteilt. 2023 kam der schwerkranke Ex-Präsident aus humanitären Gründen frei, er starb am 11. September 2024. Keiko hat sich nie vom Erbe ihres umstrittenen Vaters distanziert, im Gegenteil: Fotos von Alberto waren bei den Wahlkampfveranstaltungen stets präsent.Ihren Sieg verdankt Keiko Fujimori der starken Unterstützung von Wählern in der Hauptstadt Lima und im Ausland, vor allem in den USA. Ihr linkspopulistischer Konkurrent Sánchez punktete hingegen mit seiner Forderung nach hohen Steuern für die Reichen und nach einer neuen Verfassung in den ländlichen Regionen des Südens, wo grosse Armut herrscht.Roberto Sánchez (mit Hut) will den Wahlsieg Fujimoris nicht hinnehmen.(mit Paolo Aguilar / EPASánchez hat seine Niederlage bisher nicht eingestanden, er fordert eine Nachzählung der Stimmen und droht mit einem Volksaufstand. Seiner Gegnerin wirft er Wahlbetrug vor – ohne allerdings Beweise vorzulegen. Fujimori hingegen gibt sich versöhnlich: Sie wisse, dass das Land tief gespalten sei, und wolle auch eine Präsidentin für jene Hälfte des Volkes sein, die sie nicht gewählt hat.Fujimoris Chancen, als erste Präsidentin seit zehn Jahren eine komplette Amtszeit durchzuhalten, sind intakt. Sie hat im Parlament mit ihrer Partei Fuerza Popular eine starke Hausmacht. Und auch die Wirtschaftseliten, die Armeespitze oder sie stärker werdenden evangelikalen Bewegungen stehen hinter ihr.Passend zum Artikel
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Die rechte Kandidatin gewinnt hauchdünn die Präsidentschaftswahl. Nun will sie mit harter Hand gegen die Banden vorgehen, unter deren Gewalt die Bevölkerung leidet.














