Sind 14, 15 oder 16 Jahre angemessen? Über ein Mindestalter für die Nutzung sozialer Medien wird derzeit viel diskutiert. Während andere Länder wie Australien, Kanada und Großbritannien schon beschlossen haben, eine Altersgrenze einzuführen, hat die Bundesregierung darüber noch nicht entschieden. Fragt man allerdings die Eltern, so ist die Antwort klar.85 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sprechen sich laut einer Umfrage des Ifo-Instituts für eine Altersbeschränkung aus, um Kinder vor den Risiken einer uneingeschränkten Social-Media-Nutzung zu bewahren. Sollte die Politik diesem Wunsch folgen? Oder beschränkt man damit die digitale Teilhabe der Kinder und Jugendlichen in unzulässiger Weise? Um diese Fragen ging es am Dienstagabend in einer Diskussionsrunde im F.A.Z.-Tower.Mit der Veranstaltung hat eine Reihe von zwölf „digitalen Elternabenden“ begonnen, die die FAZIT-Stiftung und die Nachrichteninitiative „Use the news“ gemeinsam anbieten. Die Reihe richtet sich an Erziehungsberechtigte, die ihre Kinder in der digitalen Welt begleiten wollen. Es geht um den Umgang mit sozialen Medien und künstlicher Intelligenz, die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz und andere Erziehungsfragen rund um digitale Themen.Ministerlob für „Smartphone-Schutzzonen“Am Anfang der von F.A.Z.-Redakteur Rainer Schulze moderierten Diskussion macht Hessens Kultusminister Armin Schwarz (CDU) deutlich, dass er dem Jugendschutz einen hohen Wert beimesse. Anders als noch im Februar spricht er sich allerdings nicht deutlich für eine Altersgrenze aus. Man müsse sich zwar um das Problem kümmern, aber ein Verbot sei nicht die einzige Lösung. Nadine Tepe, stellvertretende Direktorin der Landesmedienanstalt, zeigt Verständnis für die Forderung nach einer Altersgrenze von 14 Jahren. Doch sie bleibt auf dem Podium die Einzige, die sich klar für eine Altersbeschränkung ausspricht.Lobenswert findet Kultusminister Schwarz die „Smartphone-Schutzzonen“, die an hessischen Schulen zum Schuljahresbeginn 2025 eingeführt wurden. Klar sei, dass man Kinder und Jugendliche vor den Gefahren der sozialen Netzwerke schützen müsse. Die Kontrolle der Plattformen sei komplex, man müsse jedoch auch die Anbieter in die Verantwortung nehmen. Dies könne beispielsweise mit einer Altersverifizierung geschehen.Warnung vor Risiken bei AltersverifizierungBei dem Stichwort Altersverifizierung schaltet sich die Erziehungswissenschaftlerin Johanna Weckenmann ein. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sei die Weitergabe von Daten schwierig, weil diese besonders sensibel behandelt werden müssten. „Eine Altersgrenze verkennt, wo die wahren Probleme der Plattformen liegen“, sagt Weckenmann. Das Grundrecht der kulturellen und sozialen Teilhabe junger Menschen dürfe nicht eingeschränkt werden.Weckenmann schlägt vor, sich stattdessen auf Medienbildung zu konzentrieren und den Kindern Fachkompetenz zu vermitteln. Dafür seien sowohl Eltern als auch Schulen zuständig. Außerdem solle die EU die Algorithmen der Plattformen angehen und juristische Verfahren gegen Unternehmen wie Meta einleiten, um diese zu regulieren. Für die Erziehungswissenschaftlerin sind die Algorithmen das wahre Problem. Sie fordert ein Jugendschutzgesetz, um junge Menschen vor den Wirkungsmechanismen der sozialen Medien zu bewahren. Geschulte Content-Manager sollten beispielsweise gewaltvolle Inhalte erkennen und löschen können.Wer über die Gefahren sozialer Medien spricht, muss auch die mentale Gesundheit junger Menschen in den Blick nehmen. Das macht an diesem Abend Leon Pelikan, der 20 Jahre alte Erfinder der App „PoliticalXChange“, die Jugendlichen den Zugang zur Kommunalpolitik erleichtern soll. Der Dopaminkick, den das schier endlose Scrollen auslöse, könne auf Dauer nicht gesund für junge Gehirne sein, meint Pelikan.Anstelle einer Altersgrenze spricht er sich für Aufklärung aus. Smartphonefreie Zonen wie in den hessischen Schulen seien ein wichtiger Schritt. Jugendliche könnten eine Altersbeschränkung jedoch leicht umgehen. „Für junge Menschen ist der digitale Raum ein Safe Space“, gibt Pelikan jedoch auch zu bedenken. Auf den Plattformen können sich Jugendliche – auch anonymisiert – über Probleme austauschen, über die sie sonst mit niemandem sprechen.Man müsse den Jugendlichen zeigen, dass sie Glücksgefühle auch in der realen Welt finden könnten, sagt der Jungunternehmer. Dieser Meinung ist auch Peter Holnick, Geschäftsführer des Instituts für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen. „Gefühle gibt’s auch draußen“, und genau das müsse man den jungen Menschen vermitteln.
Altersgrenze für Soziale Medien: Es gibt Alternativen
Wie soll der Umgang von Jugendlichen mit sozialen Medien geregelt werden? Um diese Frage geht es bei einem „digitalen Elternabend“, zu dem die F.A.Z. eingeladen hat.















