NDB-Bericht: Russland betreibt Agentennetzwerke in der SchweizMoskaus verdeckter Krieg betrifft auch die Schweiz. Der neue Lagebericht des Nachrichtendienstes dokumentiert: Russische Agenten nutzen das Land ebenfalls als Basis, um andere Staaten auszuspionieren.25.06.2026, 14.00 Uhr2 LeseminutenOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Keine Entwarnung!» Mit diesem Ausruf beginnt der neue Lagebericht «Sicherheit Schweiz 2026» des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB), der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Direktor Serge Bavaud will damit signalisieren: Die hybride Kriegsführung wird aggressiver, auch wenn die Schweizer Bevölkerung sie kaum bemerkt. Auch die Schweiz sei direkt betroffen.Messbar wird das etwa an den genehmigungspflichtigen Beschaffungsmassnahmen. Der NDB greift zu diesem Instrument bei besonders grosser Bedrohung, etwa durch Terrorismus oder Spionage. Im vergangenen Jahr liefen 209 solcher Massnahmen – 45 mehr als im Vorjahr und 130 mehr als noch 2023.Welche Staaten die Massnahmen betreffen, nennt der NDB nicht. Der Bericht lässt jedoch keinen Zweifel: Im Fokus steht Russland, das die grösste und akuteste Bedrohung für Sicherheit, Stabilität und Frieden in Europa bleibe. Moskau unterhält in der Schweiz zudem getarnte Spionage-Stützpunkte. Die Agenten gehörten meist zum Auslandsgeheimdienst SVR oder zum Militärnachrichtendienst GRU. Sie betreiben hierzulande ganze Netzwerke.Eines ihrer Hauptziele sei Genf. Dort spionierten die Agenten internationale Organisationen und diplomatische Vertretungen aus. Getarnte Offiziere nehmen direkt an Uno-Versammlungen teil. Dabei gehe es längst nicht mehr nur um Informationsbeschaffung: Die Netzwerke beeinflussten die Politik, verbreiteten Propaganda und Desinformation oder beschafften sensible Güter im In- und Ausland.Der Beschaffung sensibler Güter («Proliferation»), etwa zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen oder konventionellen Waffen, widmet der NDB ein eigenes Kapitel. Russland habe «komplexe Strategien entwickelt», um den Krieg in der Ukraine weiterzuführen – auch mit Schweizer Güter und Technologien. Wegen ihrer hohen Spezialisierung sei die hiesige Industrie und Forschung «besonders stark betroffen» von Sanktionsumgehungen. Schweizer Waren gelangen über Drittstaaten nach Moskau, die die Sanktionen nicht übernommen haben. Der Bericht nennt die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und China.Bekämpfe die Schweiz Spionage und verhindert sie den Transfer sensibler Technologie und Güter, stärke das die westliche Verteidigungsbereitschaft. Der NDB warnt vor Passivität: Handle die Schweiz nicht, drohten «Druckversuche oder gar ein direktes, sanktionierendes Eingreifen westlicher Staaten.»Illustration Ida Götz / NZZDie angespannte Sicherheitslage auf dem Kontinent wird sich in den kommenden Monaten kaum ändern. Bis Ende 2026 sei ein stabiler Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland «sehr unwahrscheinlich». Russland werde seine hybride Konfliktführung gegen Europa zudem «äusserst wahrscheinlich intensivieren». Der Geheimdienst erwartet mehr Sabotage, Spionage, Cyberangriffe und Beeinflussungsaktivitäten.Die Schweiz blieb von Sabotage bislang verschont. Solche verdeckten Angriffe seien aber ebenso hier «jederzeit möglich». Im Fokus würden die kritischen Infrastrukturen stehen von der auch andere Staaten abhängen - etwa im Energie- und Finanzsektor.Einen militärischen Angriff Moskaus auf einen europäischen Staat hält der NDB für «sehr unwahrscheinlich». Ebenso einen umfassenden Krieg zwischen Russland und der Nato.Passend zum Artikel