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Immobilien: Hitzestress – diese Städte sind am stärksten betroffen Sind Gebäude nicht an extreme Temperaturen angepasst, droht ein Wertverlust. Eine Analyse zeigt, wo der Hitzestress am größten ist und wie sich Immobilien davor schützen lassen.
Katja Bühren, Julia Rieder 25.06.2026 - 13:52 Uhr Artikel anhörenSonnenschirme beschatten einen Balkon: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Immobilien vor Hitze zu schützen. Foto: Uwe Anspach/dpaBerlin, Düsseldorf. Deutschland ächzt unter der Hitzewelle – für dieses Wochenende erwarten Wetterexperten Rekordtemperaturen von über 40 Grad. Ist es draußen fast unerträglich heiß, sollen Gebäude Schutz bieten. Doch viele Immobilien und Quartiere sind nicht auf extrem hohe Temperaturen vorbereitet.Das belastet nicht nur Menschen, besonders alte, kranke und Kinder. Extreme Hitze kann auch Immobilien schaden und den Wohnkomfort stark beeinträchtigen. Das wirkt sich letztlich negativ auf die Vermietbarkeit und den Wert aus.Um das zu vermeiden, sind Investitionen nötig. Experten rechnen damit, dass in den kommenden Jahren mindestens ein mittlerer zweistelliger Milliardenbetrag nötig ist, um Immobilien an die Folgen des Klimawandels anzupassen.Investoren und Eigentümer sollten deshalb auch bedenken, welche Hitzebelastung für den Standort und die Immobilie zu erwarten ist. Dieses Thema gewinne spürbar an Bedeutung, sagt Lucas Bensch, Senior Data Scientist bei Wüest Partner.Doch welche Städte und Quartiere heizen sich besonders auf? Und was können Investoren und Eigentümer tun, um eine Immobilie vor Hitze zu schützen? Eine Analyse des Beratungsunternehmens, die dem Handelsblatt vorab exklusiv vorliegt, gibt Antworten auf diese und weitere Fragen.Welche Städte und Regionen sind besonders gefährdet?Die Berater haben mehrere Faktoren in einem Hitzestress-Index zusammengeführt: die Häufigkeit von Hitzetagen, das Ausmaß versiegelter Flächen, Baumbestand, Nähe zu kühlenden Wasserflächen, die Passantenfrequenz und die Konzentration besonders gefährdeter Gruppen, wie Kinder und Senioren in dem jeweiligen Gebiet.Die besonders belasteten Gebiete konzentrieren sich demnach nicht nur auf Großstädte, sondern sind deutschlandweit verteilt.Am stärksten für Hitzestress anfällig sind der Studie zufolge Ballungsräume im Westen und Süden Deutschlands, insbesondere in den Regionen Rhein-Neckar und Oberrhein. Die fünf Städte ab 20.000 Einwohnern mit den höchsten Indexwerten liegen alle in diesen Gebieten: Ludwigshafen, Mannheim, Hockenheim, Germersheim und Speyer.Die Hitzebelastung hängt allerdings nicht allein von der Größe der Städte ab. Entscheidend sei ein Zusammenspiel von klimatischer Grundbelastung, Siedlungsstruktur und dem Vorhandensein von Freiräumen, schreiben die Autoren.So ist die Hitzebelastung etwa in Hamburg nicht nur wegen einer geringeren Anzahl an heißen Tagen deutlich niedriger als in Ludwigshafen. In der Hansestadt sorgten zudem weitere Faktoren wie Wasser- und Grünflächen dafür, dass die Temperaturen nicht so stark steigen, heißt es in der Analyse.Energie Hitze sorgt zeitweise für Verzehnfachung des Strompreises Ludwigshafen liegt zwar auch an einem Fluss. Doch die Stadt ist deutlich dichter bebaut, es sind mehr Flächen versiegelt. Sie weist deshalb deutlich größere Wärmeinseln, also Bereiche mit hoher Hitzebelastung, auf. Dies in Kombination mit den höheren Temperaturen am Oberrhein führt zu einer stärkeren Gefährdung durch Hitze.Wo ist das Hitzerisiko gering?Neben großzügigen Grün- und Wasserflächen in Städten entfalten auch Gebirge und Waldregionen eine kühlende Wirkung. Entsprechend liegen viele der am wenigsten hitzegefährdeten Regionen entlang der Küsten von Nord- und Ostsee, im bayerischen Voralpenland und in Mittelgebirgsregionen wie dem Schwarzwald, Harz oder Erzgebirge.Unter den Städten mit mindestens 20.000 Einwohnern sind Schmallenberg, Garmisch-Partenkirchen, Suhl, Meinerzhagen und Freudenstadt am wenigsten von Hitzestress betroffen.Was bedeutet das für Immobilienbesitzer und Investoren?Viele Immobilien müssen noch an die Folgen des Klimawandels angepasst werden. Eine Studie des Beratungs- und Analyseunternehmens Prognos im Auftrag des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) kam im Sommer 2025 zu dem Ergebnis, dass 11,2 Millionen Gebäude in Deutschland unzureichend auf zunehmende Hitze vorbereitet sind.Auch wenn es gelänge, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitraum zu begrenzen, werden demzufolge bis 2035 etwa 44 Milliarden Euro für zusätzlichen Hitzeschutz nötig. Bei einer Temperaturerhöhung von über vier Grad prognostizieren die Autoren einen Investitionsbedarf von 107 Milliarden Euro. „Der vorbeugende Hitzeschutz wird zukünftig immer mehr zentraler Faktor für die Wohnqualität werden“, schreiben sie.Gastkommentar Ein einzelner Hitzetag kostet rund 431 Millionen Euro Auch Wüest Partner warnt: Die Immobilienwirtschaft unterschätze die Risiken starker Hitze, da sich deren Auswirkungen weniger unmittelbar zeigen als die Schäden durch andere Klimarisiken wie Starkregen und Hochwasser. „Was bislang vor allem als Gesundheits- und Klimathema diskutiert wurde, gewinnt zunehmend wirtschaftliche Bedeutung“, konstatieren die Berater.Steigende Temperaturen könnten die Bausubstanz von Gebäuden beeinträchtigen, etwa durch Spannungsrisse oder sich verformende Bauteile. Zudem müssten Investoren und Eigentümer sich auf höhere Investitions- und Betriebskosten einstellen, damit Gebäude auch in Hitzeperioden bewohn- und nutzbar bleiben.Abkühlung an Hitzetagen: Passanten erfrischen sich im Sprühnebel eines Wasserzerstäubers in der Hamburger Innenstadt. Foto: Marcus Brandt/dpaWer Hitzeschutz weder beim Neubau noch bei der Modernisierung von Bestandsobjekten einplane, riskiere eine schlechtere Vermietbarkeit und einen langfristigen Wertverlust, warnen die Berater.Für Investoren dürfte laut Lucas Bensch von Wüest Partner künftig weniger die Frage relevant sein, ob ein Standort hitzebelastet ist, sondern wie resilient das Gebäude und das Umfeld gegenüber dieser Belastung sind. Auch der Immobilienverband Deutschland (IVD) sieht in Maßnahmen zur Anpassung an die steigenden Temperaturen einen wichtigen Faktor für den Werterhalt.Wie schützt man Gebäude sinnvoll vor Hitze?Kühlen lassen sich Gebäude auf mehreren Wegen. Begrünte Fassaden und Dächer spenden Schatten und entziehen der Umgebungsluft Wärme. Ebenfalls hilfreich sind außenliegende Rollläden, Jalousien und Markisen, die die Sonne abhalten. Neben Klimaanlagen können auch Wärmepumpen mit Kühlfunktion die Temperaturen in einem Gebäude senken, indem statt warmem Wasser kaltes im Heizkreislauf zirkuliert.Beim Neubau zahlt es sich aus, die Sonneneinstrahlung von Anfang an einzuplanen – bei Fensterfronten, Dachüberständen und der Gebäudeausrichtung.Gibt es Förderung für den Hitzeschutz von Immobilien?Privateigentümerinnen und -eigentümer, die in Hitzeschutzmaßnahmen investieren, können verschiedene Förderprogramme nutzen. Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude sind beispielsweise bis zu 12.000 Euro Zuschuss für die Installation von smart gesteuerten Jalousien oder Rollläden möglich.Auch für andere Maßnahmen, die nützlich bei Hitzewellen sind, gewährt der Bund Hilfen, etwa für den Einbau von Wärmeschutzfenstern, einer Lüftungsanlage oder einer Dämmung. Eine Dachbegrünung fördern hingegen einige Städte und Kommunen. Verwandte Themen DeutschlandDeutsche UmwelthilfeExperten zufolge müssen allerdings nicht nur Immobilienbesitzer aktiv werden, sondern auch Städte und Kommunen. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erreichen nur sieben der 195 deutschen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern aktuell den wissenschaftlich empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Prozent Baumbeschirmung.DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz forderte deshalb von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) „verbindliche Vorgaben für die Entsiegelung, mehr Stadtgrün und damit mehr Schatten – bei jeder Sanierung, jedem Straßenumbau und jedem Bauprojekt“. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! 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