Sponsored TopicJacques Herzog: «Gute Architektur gehört nicht nur in grosse Zentren»Der berühmte Architekt über den SIP Main Campus in ­Allschwil, nachhaltiges Bauen, die Zukunft von Bürogebäuden und die Frage, wie Architektur gesellschaftliche ­Entwicklungen nicht nur abbildet, sondern vorantreibt.22.06.2026, 01.05 Uhr9 LeseminutenDieser Artikel ist im Rahmen der NZZaS-Verlagsbeilage «Generationenprojekt» vom 21. Juni 2026 erschienen. Sponsored Topic realisiert durch NZZ Story Lab im Auftrag von Senn. Hier geht es zu den NZZ-Richtlinien für Native Advertising.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Jacques Herzog, Mitgründer des preisgekrönten Basler Architekturbüros Herzog & de Meuron.Bild: Diana PfammatterDer Main Campus des Switzerland Innovation Park Basel Area steht in Allschwil, einer Agglomerationsgemeinde, die bisher eher weniger mit grosser Architektur geglänzt hat. Warum braucht ein Life-Sciences-Zentrum an diesem Ort ein so herausragendes Gebäude?Jacques Herzog: Life Sciences will die besten Forscherinnen und Forscher aus aller Welt anziehen. Es herrscht ein starker Kampf um Talente. Architektur ist entscheidend dafür, ob sich Forscherinnen und Forscher an einem Ort wohlfühlen. Die Arbeitswelt wandelt sich ständig. «Nine to five» ist längst nicht mehr gefragt. Arbeit und Freizeit, privat und öffentlich sind inzwischen Welten, die sich vermischen. Architektur antizipiert und reflektiert solche Entwicklungen und die verschiedenen Bedürfnisse.«Es wäre arrogant zu sagen, gute Architektur sei nur in den grossen Zentren angebracht.»Aber in Allschwil? Ist das nicht etwas übertrieben?Nein, wieso denn? Der Switzerland Innovation Park Basel Area ist einer der wichtigsten Innovationsstandorte der Schweiz. Allschwil ist aber auch sonst ein attraktiver Ort: Mit seinen Riegelbauten erscheint es wie eine geografisch-kulturelle Ausdehnung des Elsass in die Schweiz hinein. Heute urbanisiert sich dieser Ort zunehmend und ist Teil der trinationalen Metropolitanregion Basel. Es wäre arrogant zu sagen, gute Architektur sei nur in den grossen Zentren angebracht. Gerade in der Schweiz findet das gegenwärtige Wachstum vor allem in den Agglomerationen statt. Deswegen braucht es auch hier Qualität – in Bezug auf Gebäude, Landschaft, Erholungsräume oder Kultur.Kunstintervention NINA von Studio Renée Levi im Main Campus HQ.Daisuke HirabayashiSie haben sich am Main Campus und beim Hortus-Gebäude für ein Hofhaus – oder noch besser: für die Typologie eines Klosters – entschieden. Hat dies mit den Inhalten zu tun, die in diesen Räumen entwickelt werden?Ein Haus mit Innenhof ist eine seit Jahrhunderten bewährte Bautypologie. Hier im Hortus-Bau ist der Innenhof ein aussergewöhnlicher, geradezu märchenhafter Garten, wo Erde und Pflanzen im Vordergrund stehen. Dieser Raum wird von den dort arbeitenden Menschen vielfältig genutzt – für kleine Meetings, Arbeit oder Lunchpausen. Doch es ist nicht bloss ein schöner und stimulierender Raum. Er ist ein zentrales bauphysikalisches Element für die Klimabilanz des Gebäudes.Wegen seiner spezifischen Vegetation und der Wasserflächen hat der Innenhof einen grossen Nutzen: Durch ihn sind die Temperaturen im Sommer um einige Grade kühler als ausserhalb des Gebäudes. Es war uns wichtig, die Klimaregelung am Campus nicht künstlich mittels Klimaanlagen zu gewährleisten, sondern mit möglichst architektonischen und natürlichen Komponenten. Dazu gehören auch die natürliche Zirkulation der Luft, die Ausbildung der Fundamente, die Wahl der Baumaterialien und vieles mehr.Der Main Campus stellt das totale Kontrastprogramm zu den wenige Kilometer entfernten Roche-Türmen dar. Weshalb bauen Sie an einem Ort so und am anderen ganz anders?Die Ausgangslage war völlig unterschiedlich. Bei Roche wollten wir das Bebauungsraster beibehalten, welches der Architekt Otto Salvisberg in den 1930er Jahren entwickelt hatte und das sich bewährte, weil es mit seiner grossen Flexibilität ermöglicht, einzelne Bauten nach den sich verändernden Bedürfnissen auszutauschen. Weil das ganze Salvisberg-Raster rundum bereits überbaut war und es auf dem Areal keine Freiflächen mehr gab, war die logische Folge, in die Höhe zu gehen. Eine innere Verdichtung, welche gerade für die begrenzte Kantonsfläche von Basel auch in anderen Quartieren zu beobachten sein wird.Aber auch in den Roche-Türmen wollten wir – genauso wie in Allschwil – die Arbeitswelten so gestalten, dass sie für die Mitarbeitenden attraktiv sind: Terrassen, Begrünung und Aussicht über die ganze Stadt und die umgebenden Landschaften. Kein Vergleich mit den repetitiven, funktionalistischen Raumfluchten früherer Standardhochhäuser.Aber Sie hätten doch Platz sparen und auch in Allschwil ein Hochhaus bauen können?Die Bauzone erlaubt in Allschwil nur fünf Obergeschosse. Wir versuchten aber, die Gemeinde davon zu überzeugen, mindestens doppelt so hoch zu bauen. Mehr Dichte, mehr Diversität, mehr Durchmischung, mehr Urbanität, das heisst nicht nur Flächen für Arbeit, sondern auch für Wohnen – und weniger Landverbrauch. In einem Fall, für das Alba-Haus, wurde eine Ausnahme mit zehn Geschossen zugestanden. Wir hoffen, dass nun die anderen, teilweise bereits bebauten Parzellen entsprechend aufgezont werden. Wenn Menschen an diesem Ort mit so viel Nähe zu Grün und Landschaft auch wohnen könnten, würde das ganze Quartier, die ganze Gemeinde davon profitieren.Helsinki Dreispitz, Münchenstein: Das erste Projekt von Senn in Basel und mit Herzog & de Meuron und der Beginn einer tragfähigen Beziehung.Andrea DiglasIhre Gebäude waren früher stark materialorientiert. Jetzt sind die Fassaden begrünt und der Innenhof stellt Pflanzen ins Zentrum. Ist dies Ausdruck Ihrer vielleicht spät erwachten ökologischen Überzeugungen? Oder haben die Investoren dies so gewünscht?Neu sind nur die Begriffe Ökologie und Nachhaltigkeit, die erst seit wenigen Jahren den Diskurs von Architektur und Städtebau prägen. Wie Sie aber richtig sagen, haben wir früh die Materialität von Architektur zu einem wichtigen Thema gemacht. Wir suchten, und suchen bis heute, wie die verwendeten Materialien mehr sein können als nur technisch notwendige Baustoffe. Dazu habe ich mich schon mehrfach geäussert – und das Kinderspital in Zürich ist ein neues Beispiel, das zeigt, wie Materialien, Formen, Licht und Pflanzen die Lebensqualität der Menschen nachhaltig verbessern.Ausserdem wollten wir immer schon vorhandene Strukturen einbeziehen, umformen und neu denken. Etwa bei der Tate Modern in London, deren grosser Erfolg darauf basiert, dass die bestehende Struktur so ausgegraben wurde, dass sie Raum bietet für ungewohnte Begegnungen von Mensch und Kunst. Ähnliches gilt für die Elbphilharmonie in Hamburg. Das ist konkrete Nachhaltigkeit, ökologisch und sozial, weil Raum für Menschen aus allen sozialen Schichten geschaffen wurde.Darüber hinaus testen wir immer wieder neue Materialien im Bestreben, die Nachhaltigkeit zu verbessern. In Allschwil haben wir mit Hortus, einem Gebäude auf dem Main Campus, einen radikalen Schritt gemacht. Weil die graue Energie des Gebäudes möglichst bald – innerhalb von 30 Jahren – amortisiert werden soll, haben wir ausschliesslich CO2-arme Materialien wie Holz oder Lehm verwendet, was den ökologischen Fussabdruck von Beginn an minimiert. Zudem ist das Gebäude bezüglich Energie autark.Wie wichtig ist dabei die Rolle der Investoren?Im internationalen Kontext ist es noch immer die Ausnahme, wenn Investoren die ökologische Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen. Da ist Johannes Senn ein Pionier; in der Schweiz und auch darüber hinaus wird das modellhaft sein. Gerade weil Senn für alle seine Projekte architektonische Qualität, ökologische Nachhaltigkeit und Business-Zahlen als zusammenhängendes Ganzes angeht.Reduziert die Nachhaltigkeit nicht die Möglichkeiten des Architekten, weil vieles, was technisch denkbar ist, aus ökologischen Gründen nicht infrage kommt?Das Gegenteil ist der Fall! Wenn ein Bautyp etabliert ist – heute ist es der Betonskelettbau –, dann sind die ganze Bauindustrie, die verfügbaren Ressourcen und deren Maschinenpark darauf ausgerichtet. Das beeinflusst die Preisgestaltung, die gesetzlichen Normen, die Erwartung der Investoren.Es ist deshalb schwieriger, mühsamer und oft teurer, andere Konstruktionstechniken wie Holzbau, Lehm oder Naturstein einzusetzen, auch wenn es sich eigentlich um billigere, rezyklierbare oder nachwachsende Materialien handelt. Auch kann dadurch eine ganz neue Ästhetik entstehen, wie der Hortus-Bau zeigt. Das Bemühen um Nachhaltigkeit ist folglich ein Treiber für Vielfalt und nicht eine Reduktion der architektonischen Möglichkeiten.«Heute ist der Campus der Ort der Innovation und der wirtschaftlichen Stärke.»Die Life-Sciences-Branche, für die der Main Campus konzipiert wurde, entwickelt sich enorm schnell. Wissen veraltet rasch. Was haben Sie architektonisch vorgesehen, damit das Gebäude in 25 Jahren nicht bereits hoffnungslos veraltet ist?Alle Gebäude sind irgendwann veraltet, und dennoch gibt es so viele Beispiele aus der Geschichte, wie solche veralteten Strukturen neues Leben erhalten können – durch Umgestaltung oder neue Programmierung wie bei den oben erwähnten Beispielen der Tate Modern oder der Elbphilharmonie. «Zeitlosigkeit» ist – bezüglich Architektur – ein dummes Wort. Es ist gar nicht möglich, heute etwas zu bauen, das dem Wandel durch die Zeit trotzt, das heute und morgen den Bedürfnissen der Menschen entspricht oder gar den gleichen Zweck erfüllen soll. Aus einem Laborbau wird vielleicht dereinst ein Restaurant, das Restaurant wird ein Museum, das Museum eine Schule, aus der Schule eine Kirche ...Also: Alles lässt sich umnutzen, wenn man will. Voraussetzung ist eine solide Struktur und – paradoxerweise – eine Architektur, welche für die Zeit gebaut wurde, in der sie konzipiert wurde, und nicht aus dem Gedanken an eine in der Zukunft liegende Gesellschaft heraus und den spekulativen Vorstellungen ihrer Bedürfnisse.Ist es nicht einfacher, Gebäude abzureissen, wenn sie ihren ursprünglichen Verwendungszweck nicht mehr erfüllen?Einfacher schon, weil die Gesetzgebung hinterherhinkt. Es sollte mehr Anreiz für den Erhalt bestehender Bausubstanz geben. Nicht durch Verbote und Einschränkungen, aber etwa durch Mehrnutzung, wenn man Bestehendes erhält und neue und höhere Volumina daneben stellt. Oder darüber baut. Das wird in der Schweiz kaum gemacht, führt aber oft zu unerwarteten und interessanten Lösungen, die durch eine Tabula-rasa-Strategie nicht erreicht werden könnten, wie unsere eigene Erfahrung zeigt. Etwa beim Kulturzentrum Caixa Forum im dichten Zentrum von Madrid.Der traditionelle Bürobau befindet sich in einer Krise. Seit Corona haben sich die Anforderungen stark geändert, wegen Homeoffice, flexiblen Arbeitszeiten, kollaborativen Arbeitsformen. Kann der Main Campus ein Modell dafür sein, wie Bürobau in der modernen Wissensgesellschaft funktionieren muss?Das Areal ist vorerst ein interessantes Modell. Wie eingangs gesagt, würden wir aber gerne weiter verdichten und höher bauen, damit dort auch Menschen wohnen können. Uns allen gefallen doch jene Stadtquartiere am besten, die geprägt sind durch bauliche Dichte, architektonische und programmatische Vielfalt, soziale Durchmischung und Erschliessung durch den ÖV. Das ist bei neuen Quartieren nicht auf Anhieb zu schaffen, aber leider dauert es auch hier zu lange, bis alle nötigen Akteure auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.Spiegelt der Main Campus nicht auch Veränderungen in der Wirtschaft im Vergleich zu den 60er oder 70er Jahren wider? Da war die Wirtschaft in der Schweiz eine andere, und die Gebäude, die dafür erstellt wurden, waren eben auch andere.Ja, Architektur spiegelt immer eine Gesellschaft wider. Städte sind der versteinerte Ausdruck unserer Geschichte und unserer Geschichten. Früher waren es die industriellen Areale und Fabriken. Heute ist der Campus der Ort der Innovation und der wirtschaftlichen Stärke. In Basel besonders der Roche Campus, Novartis Campus, Vitra Campus oder eben der Switzerland Innovation Park Basel Area. In vielen Städten, nicht nur in der Schweiz, sind die einstigen Fabrikareale zu Transformationsarealen und neuen Quartieren geworden. Damit dies funktioniert, braucht es sowohl Respekt als auch Kreativität im Umgang mit bestehender Substanz, und gleichzeitig auch den Mut für neue, manchmal auch ungewohnte Dimensionen.Wandteppich von Studio Renée Levi im Main Campus Convention Center.Daisuke HirabayashiSehen Sie die Architektur in der Rolle einer Pionierin, einer Anführerin gesellschaftlicher Entwicklungen, oder ist sie primär eine dienende Magd anderer gesellschaftlicher Kräfte?Sie können Architekturen irgendwo auf der Welt nehmen, aus irgendeiner historischen Epoche: Immer repräsentiert sie die Gesellschaft und deren Machtverhältnisse in ihrer Entstehungszeit. Was sagen uns der Taj Mahal oder die Cheops-Pyramide, die Boulevards von Haussmann in Paris oder das City Grid in NYC, das Bundeshaus in Bern oder das Weisse Haus in Washington? Jede kann das selbst anschauen und sich ihre Gedanken machen, weshalb eine Architektur so und nicht anders konzipiert wurde. Vieles erkennen wir – auch ohne Insiderwissen. Ganz intuitiv. Das war auch stets wichtige Absicht der Bauherrschaft. Architektur spricht zu den Menschen, sie formt unsere Wahrnehmung, sie schüchtert uns ein, verlangt Respekt oder ein Gefühl von Fremdheit, Entrücktheit, Ewigkeit oder im Gegenteil, sie schafft Vertrauen, ein Gefühl von Zuhause und Gemütlichkeit.Die Frage bleibt: War in all diesen Fällen die Architektur eine Pionierin, eine Speerspitze des Neuen? Oder diente sie einfach als Magd der Reichen und Mächtigen?Herzog & de Meuron wird meistens ja nicht beauftragt, um das Übliche zu bestätigen. Auch Wettbewerbe suchen das Unerwartete, dasjenige, was Verwaltungen oder Investoren selbst nicht denken oder planen könnten. Das gilt etwa für das Kinderspital Zürich oder den Main Campus in Allschwil mit dem Hortus-Bau. Jetzt, da diese gebaut sind, werden sie vielleicht zu neuen Standards. Der Architekt kann also neue Modelle anbieten. Aber diese können nur realisiert werden, wenn die Gesellschaft dafür bereit ist. Sie ist also sowohl Ausdruck dieser Gesellschaft als auch eine Kraft, die diese in eine bestimmte Richtung bewegt.Interview: Felix E. MüllerZur PersonJacques Herzog ist Architekt und Mitgründer von Herzog & de Meuron. Das Basler Büro zählt zu den international renommiertesten Architekturbüros und wurde unter anderem mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet. In Allschwil plante Herzog & de Meuron den Main Campus des Switzerland Innovation Park Basel Area sowie das Gebäude Hortus.Passend zum Artikel