Seit 30 Jahren gibt es die Architektouren und die Veranstaltung manifestiert nach Ansicht der Architektenkammer den Wandel der Baukultur – „von den 90er-Jahren, die weitestgehend von Sorglosigkeit und Optimismus geprägt waren, bis hin zu einer Gegenwart, in der Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und gesellschaftliche Verantwortung im Mittelpunkt stehen“.Viele öffentliche Gebäude sind zu sehen, Schulen, Kindertagesstätten, Kirchen und Behörden, aber auch einige private Bauherren öffnen die Türen. Informationen zu den Projekten und wann sie am Wochenende besichtigt werden können, gibt es auf der Internetseite der Architektenkammer. Eine kleine Auswahl als Vorgeschmack:OberfrankenMit der Glasindustrie ist es bald 100 Jahre vorbei in Marktredwitz im Landkreis Wunsiedel, geblieben ist ein großes Fabrikgebäude zwischen Bahnhof und Stadtmitte. Die Glasschleif, so wird das Industriedenkmal genannt, wurde noch als Bauhof genutzt, bis es zuletzt jahrelang leer stand.Nun kehrt neues Leben ein, die städtische Stadtentwicklungs- und Wohnungsbau GmbH ließ die Halle als Kulturraum umbauen. Das Architekturbüro Grellmann Kriebel Teichmann & Partner aus Würzburg sanierte das Industriedenkmal, die markante Fassade wurde ebenso erhalten wie die spektakuläre Stahlkonstruktion, die das Dach trägt.Von außen sieht die Glasschleif noch aus wie vor mehr als 100 Jahren, als die Glasindustrie ihre Blütezeit in Marktredwitz erlebte. Foto: Gerhard HagenDie markante Stahlkonstruktion in der ehemaligen Fabrikhalle wurde erhalten. Foto: Gerhard HagenHeute finden in der Halle Konzerte, Messen und andere Events statt, auch einen Weihnachtsmarkt gab es schon. Bis zu 3000 Besucher fasst die Glasschleif, die auch für private Veranstaltungen gemietet werden kann.UnterfrankenEin Feuerwehrhaus soll in erster Linie praktisch sein, dass es aber dennoch gut aussehen kann, beweist der Neubau in Obervolkach (Landkreis Kitzingen). Direkt an der Ortseinfahrt steht das neue Gebäude, das entworfen wurde von der archicult GmbH – Breunig Architekten aus Würzburg. Es beherbergt zwei Stellplätze für die Einsatzfahrzeuge ebenso wie Umkleiden, Sanitärbereiche, eine Werkstatt und einen Schulungsraum.Das neue Feuerwehrhaus setzt einen Akzent am Ortseingang von Obervolkach. Foto: Benjamin BrücknerDas Gebäude ist funktional und dennoch ästhetisch ansprechend. Foto: Benjamin BrücknerKlarheit, Funktionalität und Präzision zeichnen das Gebäude aus, das entlang der Straße gebaut ist und so die Bebauung des Ortes fortsetzt. „Eingangsfront und Loggia sind mit einer vorgehängten Fassade aus karbonisiertem Holz akzentuiert. Durch die Verwendung des geflammten Holzes vor einer roten Unterspannbahn wird der Inhalt des Gebäudes subtil nach außen transportiert“, so beschreiben die Architekten selbst ihr Werk. Im Jahr 2025 wurde es fertiggestellt und im Frühjahr dieses Jahres eingeweiht.MittelfrankenEine ganz besondere Fassade gibt es in Herzogenaurauch zu sehen. Dort hat das „büro für bauform“ aus Nürnberg ein bestehendes Haus um einen kompakten Holzbau mit Korkfassade erweitert.Die Wahl einer Korkfassade war den Architekten zufolge sowohl eine gestalterische als auch eine ökologische Entscheidung. „Mit seiner warmen Farbigkeit nimmt der Kork Bezug auf das bestehende Cortenstahlhaus, während er zugleich als natürliche Dämmung dient und ohne weitere Fassadenschichten auskommt“, heißt es. Das Material sei nachwachsend, langlebig und unterstreiche den einfachen, ressourcenschonenden Ansatz des Projekts.Wenn nicht viel Platz ist auf dem Grundstück, bietet das Korkhaus dennoch eine Ergänzung des bestehenden Gebäudes. Foto: Markus VogtIm Anbau findet sich ein offener Wohnraum im Erdgeschoss mit einem kleinen WC unter der Treppe. Eine offene Galerie verbindet die Ebenen und „erzeugt trotz der geringen Grundfläche räumliche Weite“, heißt es in der Projektbeschreibung.OberpfalzWer bisher noch nie in Harrling war, einem Ortsteil der Gemeinde Zandt im Landkreis Cham, den zieht es vielleicht wegen des neuen Dorfhauses hin. Das Architekturbüro Schnabel und Partner aus Bad Kötzting plante das neue Gebäude aus Holz.Im Innerem gibt es einen Multifunktionsraum, eine Küche und Sanitärraume. Foto: Herbert StolzMitten im Ort steht der Neubau, dort wo einst das Schwimmbad war, das aber schon viele Jahre nicht mehr in Betrieb war. Der neue Bau, für den Holz aus der Region benutzt wurde, beherbergt einen Multifunktionsraum, eine Küche und Sanitärraume.Das Architekturbüro ist in der Gemeinde Zandt längst bekannt, die Planer entwarfen auch den Kindergarten und das Feuerwehrhaus.NiederbayernIn Lengfeld, einem Ortsteil von Bad Abbach (Landkreis Kelheim), hat die Innenarchitektin Mirjam Grünbeck ein altes Bauernhaus umgebaut – für ihre Eltern. Die wollten zurück in das Haus am Teugner Mühlbach, das seit vielen Generationen im Familienbesitz ist, aber zuletzt jahrelang leer stand. „Die emotionale Bindung ist groß“, sagt Grünbeck.Also war die Herausforderung, das Haus als Altersdomizil bewohnbar zu machen und den Charakter und den Charme des alten Gebäudes zu erhalten. Sie habe es „angemessen energetisch saniert“, ohne Styropor-Dämmung an den Außenwänden, aber mit einer neuen Pellet-Heizung.Das alte Bauernhaus ist nun im Erdgeschoss weitgehend barrierefrei. Damit ist es auch als Altersdomizil geeignet. Foto: Mirjam GrünbeckCharme und Charakter des alten Hauses sollten erhalten werden. Foto: Mirjam GrünbeckDie Bruchsteinwände wurden teilweise freigelegt, der ehemalige Stall als Wohnraum geöffnet und der Sanitärbereich komplett neu gestaltet. Sie wollte dem alten Haus gerecht werden, sagt Grünbeck, es aber auch in ein neues Jahrhundert holen. Und sie wollte zeigen, „dass man nicht immer alles abreißen und neu bauen muss“.OberbayernDas Haus der DWA Architekten in Oberornau (Landkreis Mühldorf am Inn) fällt auf, schon weil es mit der Giebelseite zum Hang steht – anders als die anderen Häuser. Die Hanglage sei nicht ganz einfach gewesen, sagt Architekt David Wolferstetter, aber er habe den Hügel eben nicht teilweise abtragen und Stützmauern einbauen wollen. Also steckt das Haus nun ein bisschen im Berg.Als Zweifamilienhaus ist es konzipiert, auch wenn gerade eine darin wohnt, doch die untere Wohnung ließe sich abtrennen. Sie ist etwas kleiner als jene im Obergeschoss, da sich im rückwärtigen Teil des Hauses, also jenem ohne Tageslicht, ein Technikraum befindet.Das Haus in Oberornau ist etwas Besonderes: Es steht mit der Giebelseite zum Hang. Foto: DWA GmbH DorfenWeite Ausblicke bietet das Haus in Oberornau. Innen wurde viel Weißtanne verbaut. Foto: Gideon HeedeDas Haus ist ein sogenanntes KfW-40-Haus, also hocheffizient, es verbraucht viel weniger Energie als herkömmliche Neubauten. Das gelingt unter anderem mit einem Photovoltaik-Speicher und Wärmerückgewinnung.SchwabenIn dem Einfamilienhaus mit der grünen Holzverkleidung in Stadtbergen (Landkreis Augsburg) funktioniert nahezu alles automatisch. Das Büro gumpp.heigl.schmitt architekten entwarf dem technikaffinen Bauherrn ein echtes Smarthome. „Aber nicht überkandidelt, sondern ganz selbstverständlich“, erklärt Architekt Michael Gumpp.Das Einfamilienhaus in Stadtbergen wirkt auf den ersten Blick recht konventionell. Doch die Details machen es besonders. Foto: Eckhart MatthäusDie blaue Wand im Eingangsbereich ist besonders markant. Foto: Eckhart MatthäusDas Haus ist ein einfacher Holzbau mit einem eher konventionellen Grundriss, die Raffinesse liegt in den Details: Massivholzboden, Jura-Marmor, eine Schwarzstahl-Treppe und eine Wand in Yves-Klein-Blau. Ein besonderes Element sind die Schiebeläden an den Fenstern.