Grafik der WocheDas Öl fliesst wieder, doch die Zinsen steigen weiterMit den Energiepreisen fallen auch die kurzfristigen Inflationserwartungen auf Vorkriegsniveau. Wer deswegen auf fallende Zinsen gehofft hat, wird enttäuscht. Denn jetzt droht in den USA statt Stagflation ein inflationärer Boom.Die USA und Iran verhandeln zwar noch über die Details ihres Friedensplans. Seit der Unterzeichnung der Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) fahren aber bereits deutlich mehr Schiffe durch die Strasse von Hormuz, auch solche, die ihre GPS- und Transponder eingeschaltet haben. Gemäss Zahlen von UBS waren es am Montag 21 Öl- und Flüssiggastanker, so viele wie noch nie seit Kriegsausbruch.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auch wenn das Niveau von vor dem Krieg noch lange nicht erreicht ist – im Februar passierten im Schnitt fünfzig Öl- und Gastanker die Meerenge –, nimmt der Energiemarkt bereits eine massive Entspannung der Versorgungslage vorweg. Der Ölpreis ist auf Vorkriegsniveau zurückgefallen. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostet noch knapp 75 $, amerikanisches WTI wird zu weniger als 72 $ gehandelt.Mit dem Rückgang der Energiepreise lässt auch der Druck auf die Teuerung nach. Je kürzer der Preisschock, desto geringer sind Zweitrundeneffekte, weil die Unternehmen die Preissteigerung eher absorbieren können und nicht weitergeben.Prompt haben sich auch die Inflationserwartungen normalisiert, zumindest die kurzfristigen. Gemäss Inflation-Swaps erwartet der Markt noch eine durchschnittliche US-Teuerung von 2,26% über zwölf Monate (blaue Kurve). Das ist sogar weniger als vor dem Krieg und würde einen steilen Abfall der Inflationskurve bedeuten: Gegenwärtig liegt die Teuerung bei 4,2%. Im Mai war der Inflation-Swap für 1 Jahr auf über 3,5% geschossen.Die Inflationsgefahr scheint also gebannt, jetzt kann doch die US-Notenbank über eine Lockerung der Geldpolitik nachdenken, könnte man meinen. Aber so einfach ist die Situation nicht.Der preistreibende Effekt des negativen Angebotsschocks mag zwar schwinden, aber auf der Nachfrageseite, auf die die Notenbank ohnehin mehr Einfluss hat, baut sich ein neuer Inflationsdruck auf. Die US-Wirtschaft präsentiert sich erstaunlich robust, die Flaute am Arbeitsmarkt ist überwunden. Die neusten Einkaufsmanagerumfragen deuten darauf hin, dass selbst die europäische Wirtschaft durch den kurzen Energiepreisschock nur wenig Schaden genommen hat.In den USA ist der sektorübergreifende Einkaufsmanagerindex von S&P Global auf auf den höchsten Stand seit fünf Monaten gestiegen. In der Eurozone notiert der Frühindikator bereits nahe der neutralen Marke von 50..Die brummende Konjunktur bei gleichzeitig hoher Kerninflation lässt wenig Spielraum für Zinssenkungen, es könnten sogar in den USA höhere Leitzinsen nötig sein.Das zumindest signalisieren die kurzfristigen Anleihenzinsen, die ein Indikator für die Leitzinserwartungen sind. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen steigen weiter, als täte sich am Persischen Golf nichts. Sie sind mit rund 4,2% so hoch wie zuletzt im Februar vor einem Jahr. Auch die zehnjährigen US-Zinsen sind zuletzt gestiegen und notieren bei rund 4,5%.Am Markt für Fed-Funds-Futures geht eine Mehrheit davon aus, dass die US-Notenbank bereits im September die Zinsen erhöhen wird. Vor dem Krieg waren zwei Zinssenkungen dieses Jahr eingepreist worden.So bekommen womöglich die Europäische Zentralbank und jene Stimmen, die wegen der steigenden Energiepreise höhere Leitzinsen forderten, am Ende gar recht. Allerdings nicht wegen des Krieges, sondern wegen des Booms nach seinem Ende.
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Mit den Energiepreisen fallen auch die kurzfristigen Inflationserwartungen auf Vorkriegsniveau. Wer deswegen auf fallende Zinsen gehofft hat, wird enttäuscht.









