PfadnavigationHomePolitikDeutschlandMilitärhistoriker Neitzel„Ich erkenne nicht, dass Merz einen Plan hat“Stand: 18:58 UhrLesedauer: 2 MinutenSönke NeitzelQuelle: Marlene Gawrisch/WELTMilitärhistoriker Sönke Neitzel wirft Kanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron fehlende Führung in der Sicherheits‑ und Verteidigungspolitik vor. Europa erlebe eine „Renationalisierung“, Fortschritte bei der Integration seien marginal.Der Militärhistoriker Sönke Neitzel hat Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorgeworfen, ihrer historischen Aufgabe für Europa nicht gerecht zu werden. Im „Spiegel“‑Spitzengespräch mit Markus Feldenkirchen kritisierte Neitzel, er könne bei beiden keinen klaren Plan für eine gemeinsame europäische Sicherheits- und Rüstungspolitik erkennen.Er sagte: „Was mich so frustriert, ist zurzeit, dass ich nicht erkennen kann, dass weder Macron noch Friedrich Merz noch irgendein anderer Staats- und Regierungschef einen Plan hat, wie wir eigentlich vorankommen“, sagte Neitzel. Fortschritte bei der europäischen Verteidigungsintegration seien „marginal“. Früher hätten Regierungschefs wie Helmut Kohl, Helmut Schmidt oder Konrad Adenauer sowie ihre französischen Partner nach dem Zweiten Weltkrieg gewusst, wohin sie Europa führen wollten: „Wenn wir Helmut Kohl gefragt hätten, Mitte der Achtziger‑Jahre: Herr Bundeskanzler, was ist der Plan? Er hätte einen Plan gehabt.“Lesen Sie auchNeitzel beklagte, dass es heute an solchen überzeugten Europäern an der Spitze fehle: „Ich glaube, das Grundproblem ist, dass wir zu wenig überzeugte Europäer als Staats- und Regierungschefs zurzeit haben.“ Statt Integration erlebe man „eine Phase der Renationalisierung, insbesondere in der Verteidigung“. Rüstungsbeschaffung werde nach wie vor national organisiert, jede Regierung rechne der eigenen Industrie Arbeitsplätze zu: „Und wenn das aber alle 27 machen, kommen wir natürlich nicht zusammen, sondern jeder pumpt einzeln vor sich hin.“Im Interview mit der WELT AM SONNTAG hatte sich Neitzel kürzlich ähnlich geäußert. Unter anderem hatte er dort gesagt: „Die europäische Integration hat immer dann funktioniert, wenn Staaten bereit waren, Souveränität abzugeben. Das galt für den Binnenmarkt, für Schengen und für den Euro. Wenn jeder auf den Interessen seiner eigenen Rüstungsindustrie oder politischen Ressentiments beharrt, wird nichts passieren. Alle müssen bereit sein, Opfer zu bringen – auch Deutschland.“nw