Wem schulden die Löwen noch Geld?Natürlich zuallererst Hasan Ismaik. Allerdings sind die Darlehen des Investors mit einem Rangrücktritt versehen beziehungsweise in sogenannte Genussscheine gewandelt, sodass andere Gläubiger bevorzugt behandelt werden. Und auch dem anderen Gesellschafter, dem Stammverein – nämlich noch rund 800 000 Euro aus dem Servicevertrag für das Nachwuchsleistungszentrum. Dazu kommen die früheren Geschäftsführer Oliver Mueller und Christian Werner, denen nach ihrer Kündigung oder Freistellung – vorbehaltlich laufender Prozesse – noch jeweils ein mittlerer sechsstelliger Betrag zustehen dürfte. Oder auch die Vereine Rosenborg Trondheim und FC Porto, denen aus der von Ismaik gesteuerten Horror-Saison 2016/17 noch Geld zusteht für die Spieler Christian Gytkjaer (bekannt durch ein Nacktfoto) und Abdoulaye Ba (bekannt für nichts, zuletzt zweite Liga Saudi-Arabien). Und last but not least: der FC Bayern. Laut dem Portal dieblaue24 sind noch rund 800 000 Euro durch den Auszug aus der Allianz-Arena 2017 offen. Sehen dürften die Gläubiger am Ende nur einen geringen Bruchteil dessen, was ihnen zusteht.Was passiert mit den bereits gekauften Dauerkarten?Die Dauerkartenkäufer für die Drittliga-Saison zählen ebenso zu den Gläubigern. Wer mit Paypal bezahlt hat, hat Glück gehabt und konnte sich das Geld zurückholen. Wer per Überweisung bezahlt hat, könnte nahezu leer ausgehen. Dies ist eine Frage, die der Insolvenzverwalter beantworten muss.Haften Hasan Ismaik und der e.V. oder seine Vertreter mit ihren Privatvermögen?Nein. Der Grund, eine komplexere Gesellschaft zu gründen, ist ja unter anderem, dies zu umgehen. Ansonsten hätten die Löwen auch einfach eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründen können.Was ist mit der Mannschaft? Muss Sechzig wirklich mit der B-Jugend antreten?Die Spieler der Drittliga-Mannschaft, der U21 und der U19 stehen in der KGaA unter Vertrag. Sie dürften zunächst Insolvenzgeld bekommen. Der Höchstbetrag des anrechenbaren Bruttogehalts liegt bei 8050 Euro pro Monat, diesen Wert wird keiner der verbliebenen Spieler erreichen. Wie es dann mit ihnen weitergeht, liegt in den Händen des Insolvenzverwalters. Am Wochenende steht ein Testspiel beim Bayernligisten Schwaig an. Die Spieler der insolventen KGaA sind grundsätzlich spielberechtigt und versichert. Es könnte aber auch die U17 spielen, die zum Stammverein gehört – oder das Spiel wird abgesagt. Nichts Neues ist die Situation für Torwart René Vollath: Er hat schon zwei Drittliga-Insolvenzen mit dem KFC Uerdingen und Türkgücü erlebt.Was passiert mit den Angestellten der Geschäftsstelle?Auch sie können Insolvenzgeld erhalten. Und dann entscheidet, auch wenn es langsam langweilig wird: allein der Insolvenzverwalter.Wo trainieren und spielen die Löwen jetzt?Der Erbpachtvertrag über das Trainingsgelände endet bei einer Insolvenz; das Grundstück fällt dann an die Stadt zurück, die es dann dem Stammverein überlassen dürfte. Ein neuer Pachtvertrag für das Grünwalder Stadion kann zügig unterzeichnet werden – zwischen der Stadt und der KGaA gibt es noch keinen Vertrag für die kommende Spielzeit. Die Organisation, etwa für Dauerkarten und Sponsorenverhandlungen, könnte in den Räumen des Stammvereins in der Geschäftsstelle stattfinden – auch dafür wäre der Insolvenzverwalter der Ansprechpartner.Und nun zum Sport:Der Fußball-Podcast der SZ Fußball-Bundesliga, Champions-League, Sportpolitik bei Fifa und DFB: "Und nun zum Sport", der Fußball-Podcast der Süddeutschen Zeitung, gibt Einblicke in das wichtigste Fußball-Thema der Woche.Was passiert mit der Merchandising GmbH?Die Merchandising GmbH gehört derzeit zu 100 Prozent Hasan Ismaiks Firma HI2 und besteht weiter. Sie hält verschiedene Nutzungsrechte an Logos und Schriftzügen. Die Frage ist, was sie künftig verkauft und wer dort noch einkauft. Da der Insolvenzverwalter in Bezug auf die gekündigten Darlehen gegen HI2 vorgehen könnte, könnte auch die Merchandising GmbH unter Druck geraten.In welchen Trikots spielen die Löwen? Müssen sie ohne ihr Wappen spielen?Die schon produzierten Leibchen des spanischen KGaA-Ausrüsters Joma mit dem Hauptsponsor „Die Bayerische“ werden womöglich Sammlerstücke und von den Spielern nie getragen. Sie wurden bislang auch noch nicht an die Merchandising GmbH ausgeliefert. Bei der Mitgliederversammlung waren schon Trikots mit dem Schriftzug „TSV 1860 München e.V.“ zu sehen. Den Löwen als Wappen wird der Verein trotz der Rechte der Merchandising GmbH nutzen dürfen. In welcher Form genau, bleibt abzuwarten.Wie geht es finanziell weiter?Die Finanzierung fußt maßgeblich auf dem Verkauf neuer Dauerkarten für die Regionalliga-Saison und auf Sponsoren, die ihre Unterstützung zugesagt haben. So hat etwa die Stadtsparkasse in der Abendzeitung angekündigt, 1860-Sponsor bleiben zu wollen. Und auch Bierpartner Hacker Pschorr will bleiben.Geht Hasan Ismaik juristisch gegen die geplante neue Fußballgesellschaft des Vereins vor?Offenkundig ja. Ismaik schrieb am Mittwoch an die Medien, wobei er das Wort „Rechtsstaatlichkeit“ benutzte: „Rückblickend stellt sich für mich die Frage, ob jemals ein ernsthaftes Interesse an einer langfristigen Partnerschaft bestand oder ob das eigentliche Ziel stets darin lag, den Investor unter Druck zu setzen, finanziell zu belasten und letztlich zum Rückzug zu bewegen. Diese Frage wird heute wichtiger denn je.“ Er halte „eine vollständige und transparente rechtliche Aufarbeitung für notwendig“, so der Investor: „Sollte sich dabei herausstellen, dass Entscheidungen oder Maßnahmen bewusst auf ein bestimmtes Ergebnis hingeführt haben, dann wird dies grundlegende Fragen über Verantwortung, Glaubwürdigkeit und die Zukunft des Vereins aufwerfen.“ Das Schreiben schließt mit den Worten: „Die Wahrheit braucht keine Lautstärke. Sie braucht Zeit. Einmal Löwe, immer Löwe.“ Zeit könnten die Prozesse in der Tat brauchen, manches könnte aber auch schnell gehen: Ismaik könnte etwa versuchen, den künftigen Spielbetrieb punktuell mit einer einstweiligen Verfügung zu torpedieren.
1860 München und Ismaik: Wie geht es weiter?
Hasan Ismaik kündigt eine rechtliche Aufarbeitung an und könnte den künftigen Spielbetrieb mit einstweiligen Verfügungen torpedieren.






